ZEW-Umfrage: Optimismus gewinnt wieder die Oberhand

Kategorie: boerse-go: Research | z externer Content Analyse Konjunktur | Datum: 14.02. 11:54

• Vor wenigen Minuten hat das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Ergebnisse seines Finanzmarkttests für den Berichtsmonat Februar veröffentlicht. Demnach zog die Stimmung unter den 284 in diesem Monat vom ZEW befragten Analysten, Volkswirten und Fondsmanagern erneut deutlich an. Die Lageeinschätzung verbesserte sich auf 40,3 Punkte und erzielte damit den besten Wert seit September 2011. Die noch viel wichtigere Nachricht aber lautet, dass die Konjunkturerwartungen den zweiten Monat in Folge regelrecht in die Höhe gesprungen sind. Mit einem Wert von 5,4 Punkten drehte die Zeitreihe erstmals seit Mai 2011 wieder in positives Terrain. Bei den Kapitalmarktexperten scheint damit wieder mehr und mehr der Optimismus die Oberhand zu gewinnen. Die ZEW-Zahlen jedenfalls dürfen getrost als positive Überraschung gewertet werden.

• Aber nicht nur mit Blick auf Deutschland hat sich das prominente Stimmungsbarometer verbessert. Auch für die konjunkturelle Entwicklung im Währungsraum insgesamt sind die Umfrageteilnehmer deutlich positiver gestimmt als noch im Vormonat. Die entsprechende Zeitreihe verbesserte sich von -32,5 Punkten im Januar auf nun -8,1 Punkte. Gut möglich, dass hier die beruhigenden Worte von EZB-Präsident Mario Draghi einen gewissen Anteil haben. Draghi sprach im Anschluss an die EZB-Ratssitzung am vergangenen Donnerstag von Stabilisierungstendenzen bei der europäischen Konjunktur, wenngleich auf niedrigem Niveau und mit hoher Unsicherheit behaftet. Auch wenn in den von der Verschuldungskrise am härtesten betroffenen Ländern noch keine ausgemachte Erholung zu erwarten ist, sollten doch vor allem die volkswirtschaftlichen Schwergewichte Deutschland und Frankreich halbwegs unbeschadet durch die momentane konjunkturelle Durststrecke kommen. Darüber sollten auch die morgen zur Veröffentlichung anstehenden BIP-Zahlen für das IV. Quartal nicht hinwegtäuschen.

• Die moderaten Töne der EZB haben auch dazu geführt, dass die Zinssenkungsphantasie im Markt etwas abgenommen hat. Nur noch knapp 40% der Umfrageteilnehmer rechnen mit niedrigeren kurzfristigen Zinsen – noch im Vormonat waren es deutlich mehr. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, wonach die EZB die Leitzinsen für die Eurozone vorerst nicht berührt und auch in den kommenden Monaten an der nun eingenommenen abwartenden Haltung festhält.

• Die erstaunlich guten Zahlen aus Mannheim haben auch an den Märkten ihre Wirkung nicht verfehlt. In einer ersten Reaktion kletterte der DAX bis auf knapp 6.800 Punkte, was einem Plus von mehr als 10% seit Jahresbeginn entspricht. Auch der Euro legte infolge der guten Konjunkturzahlen zu. Mühelos überwand die Gemeinschaftswährung die Hürde von 1,32 USD.

• Fazit: Die Umfrageergebnisse des ZEW versetzen die Märkte in Verzückung. Den zweiten Monat in Folge springen die Konjunkturerwartungen für die deutsche Volkswirtschaft regelrecht in die Höhe. Mehr und mehr scheint sich unter den Kapitalmarktexperten damit wieder Optimismus durchzusetzen. Auch wenn die morgen zur Veröffentlichung anstehenden BIP-Zahlen für das IV. Quartal 2011 ein Minus ausweisen werden, spricht vieles dafür, dass es sich nur um ein temporäres Stottern des deutschen Konjunkturmotors handelt.

Quelle: Nord/LB

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