RANKFURT (Dow Jones) - Mit einer Erholung am deutschen Aktienmarkt rechnen Marktteilnehmer am Montag. Sie verweisen auf die Vorgaben der US-Börsen, wo am Freitag in den letzten beiden Handelsstunden ein Großteil der Verluste aus dem frühen Geschäft wieder wettgemacht wurde. Der US-Arbeitmarktbericht für Juli hatte zunächst für Abgaben gesorgt, doch Short-Eindeckungen bei dünnen Umsätzen dann zu einer Begrenzung der Verluste geführt. Die Deutsche Bank indiziert den DAX um 8.14 Uhr mit 6.330 Punkten, einem Plus von 1,1% gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.
Charttechnisch trifft der Leitindex nunmehr im Bereich von 6.341 Punkten auf Widerstand, der laut Staud Research seit Frühjahr das Maß darstellenden Hürde. Unterstützung macht das Haus auf dem Niveau von 6.160 Punkten aus. Marktteilnehmer begründeten die Gegenbewegung am Freitag unter anderem mit Spekulationen, die US-Regierung könnte noch vor den kommenden Kongresswahlen im November ein Konjunkturprogramm auflegen.
Allerdings war der Arbeitsmarktbericht bei genauerer Betrachtung nicht so schwach ausgefallen, wie es die Angaben suggeriert hatten. So wurden im Vergleich zum Vormonat zwar 131.00 Stellen abgebaut und gleichzeitig das Vormonatsergebnis deutlich nach unten revidiert. Die meisten Stellenverluste entfielen dabei jedoch auf den öffentlichen Sektor. "Bedenkt man, dass zwischen März und Mai hier etwa 500.000 Stellen - hauptsächlich für die Volkszählung - geschaffen wurden, dürften diese fast gänzlich im Juni und Juli wieder abgebaut worden sein", meinte daher Volkswirt Thilo Heidrich von der Deutschen Postbank.
Wichtige Konjunkturdaten sind nicht angekündigt und auch in den kommenden Tagen stehen von dieser Seite relativ wenige Neuigkeiten an, so dass der Markt sich ganz auf den abermals anschwellenden Quartalszahlenreigen konzentrieren dürfte. Zum Start in die neue Woche sind die Unternehmensberichte für das abgelaufene Geschäftsvierteljahr freilich noch dünn gesät, der Höhepunkt wird erst am Donnerstag erreicht, wenn der zweite Quartalszahlentsunami dieser Berichtssaison über Marktteilnehmer und -beobachter hinwegfegen wird.
Am Montagmorgen hat sich lediglich QSC in die Bücher für das zweite Vierteljahr blicken lassen und dabei die Markterwartungen sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ergebnisseite übertroffen. Im Gesamtjahr soll der Konzerngewinn auf mehr als 16 Mio EUR steigen, der freie Cashflow auf mehr als 25 Mio EUR. Beim Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz werden die Aktien mit einem Plus von 4,8% gestellt.
Mit "Fragmente der Undeutlichkeit" könnte die Nachrichtenlage im Versorgersektor betitelt werden. Zwar ist in den Medien die Rede von einem Kompromiss in Hinblick auf die AKW-Laufzeiten, doch wie dieser aussehen wird, bleibt unklar. So schreibt die "Süddeutsche Zeitung" im Streit über längere Laufzeiten zeichne sich eine Kompromisslinie ab. Demnach könnten die ersten Kernkraftwerke schon 2011 vom Netz gehen, andere dagegen würden im Gegenzug länger laufen.
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" will dagegen erfahren haben, dass sich in der schwarz-gelben Koalition eine deutliche Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken abzeichnet. Ein Bündnis von Bundestags-Abgeordneten, süddeutschen Ländern und dem Bundeswirtschaftsministerium wolle die Reaktoren im Schnitt um 14 Jahre länger laufen lassen, während Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) kürzere Fristen anstrebt.
"Wie auch immer die Lösung für die AKW letztlich aussehen wird, der Versorgersektor sieht nach langer Durststrecke wieder interessant aus", meint ein Händler. Die Aktien dürften charttechnisch betrachtet ihre Tiefs hinter sich haben und alle belastetenden Nachrichten eingepreist sein. E.ON werden bei Lang & Schwarz mit einem Plus von 2,0% getaxt, RWE 1,4% fester gestellt.
Chancen auf steigende Kurse sehen Marktteilnehmer auch bei den Autowerten. "Die Nachrichtenlage ist weiterhin günstig", meint ein Marktteilnehmer. So will Opel laut einem Zeitungsbericht 2012 wieder einen Nettogewinn verbuchen. Er rechne damit, dass spätestens 2012 der Markt "graduell zurückkommen wird, und dann werden wir auch wieder unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben", sagte Opel-Chef Nick Reilly der "Frankfurter Rundschau". BMW wird zudem am Vormittag die Absatzzahlen für Juli verkünden und damit die Blicke der Anlegergemeinde auf sich ziehen. BMW werden bei Lang & Schwarz mit einem Plus von 1,0% getaxt, Daimler 1,5% fester gestellt.
DJG/jej/raz
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