Wiwo: Experte warnt vor Welle der Euro-Austritte

Kategorie: DAX - MDAX - TecDAX News | Top-Artikel | Datum: 25.05.2012

Düsseldorf (BoerseGo.de) – Der Schweizer Finanzmarktexperte Felix Zulauf erwartet, dass die Länder Griechenland, Portugal, Irland und Spanien die Eurozone verlassen werden müssen. Wie der Vermögensberater in der am Samstag erscheinenden „WirtschaftsWoche“ sagte, werde Griechenland in Kürze aus der Währungsgemeinschaft austreten: „Das Land wird vermutlich im zweiten Halbjahr als erstes die Eurozone verlassen. Im nächsten Jahr folgen weitere, zunächst wahrscheinlich Portugal und Irland, aber dann kommt Spanien“.

Spanien wird das nächste Griechenland, nur in größerer Dimension

Besondere Sorgen machten ihm Spanien. „Spanien steckt in einer ähnlichen Misere wie Griechenland, nur ist die Dimension viel größer. Ich erwarte, dass Spanien 2013 aus der Eurozone austreten wird.“ Auf Spanien könnte ein Kettenreaktion zurollen, die bei den Banken ihren Ausgang nimmt: Die Banken würden bald gezwungen sein, Kredite zu kündigen und sich von Immobilien zu trennen. Das wiederum würde zu einem Immobilienpreissturz von bis zu 50 Prozent führen. „Dann werden auch Kredite faul, die sonst vielleicht nicht faul geworden wären. Diese Abwärtsspirale befördert das gesamte spanische Bankensystem in die Pleite. Es führt kein Weg vorbei an großen Verstaatlichungen spanischer Banken.“

Das jedoch hätte eine massive Verschuldung des Staates zur Folge, der in den Austritt aus dem Euro münden würde. Zulauf rechnet damit, dass Spanien mindestens 150 Milliarden Euro in das Bankensystem pumpen muss. „Die Staatsschuldenquote springt dann rasch auf deutlich über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist nicht mehr bezahlbar“, schließt der Experte.

Politik hängt zu sehr an „Fantasieprojekt“ Euro

Die Politik hänge zu sehr an dem „Fantasieprojekt“ Euro. „Es wird unendliches Leid über Europa gebracht“, sagte Zulauf. Die Krise werde wie ein Krieg Strukturen, Unternehmen und Existenzen zerstören. „Vermutlich kommt Italien noch in eine ähnliche Zwangslage wie Spanien, möglicherweise auch noch Frankreich. Frankreich ist, wenn es sich Reformen verweigert, noch stärker gefährdet als Italien“, warnt Zulauf.

Bild: ©www.flickr.com/Samuel Rönnqvist

Diskussion zu diesem Artikel:

  • 1

    - schrieb am 25.05.12 um 10:42 Uhr:

    Ich finde es bedauerlich, wenn Medien solche Beiträge bringen um Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist gerade in einer Phase der Bewältigung einer ernsten Krise nicht hilfreich, zeigt aber auch, wie orientierungslos, inkompetent und egoistisch Politik und Medien sind.
    Ich komme mir vor wie im Mittelalter, wo sich jeder mit einer anderen Grausamkeit an der Teufelsaustreibung versuchen darf.
    Der Euro ist gewiß kein Fantasieprojekt und auch nicht das Problem. Das Problem ist eindeutig die Politik.

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