Wenn »Ich liebe Dich« öffentlich wird

Kategorie: Kreuz&Quer - Lifestyle & Lebensart | Datum: 10.06.2011

Der ultimative Test: Sind Sie schon Teil der »Generation 140«?

Vermutlich gibt es hier an dieser Stelle etliche jugendliche Leser, die den Begriff »Generation @« nicht kennen. So titelte man jene Computernutzer Anfang der 90er Jahre, als das Internet stark aufkam, und plötzlich eine eigene Email-Adresse – mit dem @-Zeichen – auf der Visitenkarte fast zum Statussymbol wurde. Ein neues Kommunikationszeitalter war angebrochen. Man schrieb sich keine Briefe oder Faxe mehr – man schrieb Emails. Tja, das war vor rund 20 Jahren….

In Kontakt bleiben: Die Email steht nach wie vor hoch im Kurs (Bild: Yahoo)

Seit ein paar Jahren ändert sich das Kommunikationsverhalten erneut. Social-Networks wie Facebook, Twitter, Lokalisten oder Jappy sind angesagt. Sie prägen die »Generation 140«, wie die Trendforscher neuerdings sagen. Eine Generation, die Bücher am Amazon Kindle liest. Eine Generation, der ein Minimum an Zeichen ausreicht, um selbst intime Nachrichten darüber zu verbreiten. Die Zahl kommt von der maximalen Zeichenzahl auf Twitter. Generation 140 ist die Bezeichnung einer neu identifizierten sozialen Gruppe, die immer kürzer, knapper und unpersönlicher in Form von meist öffentlichen Status-Updates an eine Vielzahl an Menschen kommuniziert.

»Ich liebe dich« oder »Willst Du mich heiraten?« wird öffentlich. Mit nur einem Klick sind Hunderte »Freunde« auf Facebook und »Follower« auf Twitter über private Details informiert, sei es über den jüngsten Beziehungsstatus, die momentane Gefühlslage oder auch Elternfreuden.

Aber manches soll offensichtlich doch einem kleineren Kreis vorbehalten sein. Laut einer aktuellen Studie von Yahoo! Mail bevorzugen selbst die deutschen Social-Network-Nutzer bei persönlichen Nachrichten die direkte Kommunikation: Knapp 40 Prozent erwarten eine persönliche E-Mail, wenn es um private Angelegenheiten geht.

Kein Zweifel: Soziale Netzwerke sind hipp und ein elementarer Bestandteil des heutigen Kommunikationsalltags. Unter den befragten deutschen Onlinern nutzen knapp 60 Prozent Social-Networks, wobei mehr als die Hälfte beispielsweise auf Facebook, StudiVZ und Wer-kennt-wen? mehr als 50 »Freunde« hat. Knapp die Hälfte dieser so genannten Generation 140 betont, dass Facebook & Co. ein passender und angenehmer Weg sind, um Freunde oder Familie (!) über aktuelle Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten.

Doch sind wir alle mit dieser neuen Art der Massenkommunikation glücklich? Selbst von den befragten Social-Network-Nutzern geben fast 60 Prozent an, dass sie lieber eine persönliche E-Mail erhalten – anstatt einer Massennachricht, die an alle Freunde geht. Und ganze 44 Prozent fühlen sich gar beleidigt, wenn sie persönliche Neuigkeiten von engen Freunden oder Familienmitgliedern nur via Tweet, Status-Update & Co. erfahren – für viele darf es also gerne ein wenig mehr sein.

Übrigens: Könnten die deutschen Internetnutzer sich nur für eine Sache entscheiden, wenn sie auf einer einsamen Insel gestrandet wären, so würden sich 22% für ihren E-Mail-Account entscheiden, 14% für ihr Radio und nur 13% für ihr Profil bei einem sozialen Netzwerk. Die Hawaii-Hemden hingegen wären schnell verknittert, denn mit nur 0,3% lassen die meisten Befragten ihr Bügeleisen daheim.

Und Kommunikation, egal ob via E-Mail oder Social Network, ist den deutschen Onlinern nicht nur auf der einsamen Insel wichtig: 44% halten sich dabei im Bett auf, 26% in öffentlichen Verkehrsmitteln, 20% in einer Bar oder einem Restaurant, 18% in der Badewanne und erstaunliche 16% sogar auf der Toilette. Welche Nachrichten dann vom stillen Örtchen aus Freunde oder die Familie ereilen, lässt sich der Studie jedoch nicht entnehmen.   Der ultimative Test: Sind Sie tatsächlich schon drin, in der Generation 140? Oder nehmen Sie gerade erst Anlauf? Wenn Sie mindestens zwei der nachfolgenden Fragen mit »Ja« beantworten können, stehen Ihre Chancen, Teil der Generation 140 zu sein, sehr gut:
1. Haben Sie schon einmal eine Liebeserklärung mit einem Massen-Tweet oder einem Status-Update übermittelt?
2. Haben Sie schon einmal Ihren Beziehungsstatus geändert, gleich nachdem Sie mit jemandem Schluss gemacht hatten – oder sogar schon bevor Sie Schluss gemacht hatten?
3. Haben Sie jemals eine öffentliche Auseinandersetzung mit zahlreichen Updates über ein Social Network geführt?
4. Haben Sie schon einmal eine große und wichtige Neuigkeit, wie z.B. die Info über einen neuen Job, die Geburt eines Babys oder eine Verlobung, zuerst in einem sozialen Netzwerk gepostet?

Erstaunliches Studienergebnis: So geben 27% der User von Social-Networks an, dass sie von der Geburt eines Kindes schon einmal via Social-Network erfahren haben, 23% über Unfälle oder Verletzungen im Freundeskreis. Und jeder Zehnte hätte womöglich gar nicht gemerkt, dass ein enger Freund oder Verwandter ins Ausland zieht, hätte er es nicht auf Facebook & Co. zufällig gelesen. (eh)

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Über den Autor:

Engelbert Hörmannsdorfer,
Kolumnist

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