Welt: OECD-Frühindikatoren steigen stärker als erwartet an

Kategorie: Fonds Newscenter | z externer Content Analyse Konjunktur | Datum: 13.02. 17:06

1. So schnell kann es gehen: Noch vor kurzem stellte sich die Frage nach einer erneuten globalen Rezession. Nach ein paar Hinweisen einer globalen Aufhellung zum Jahreswechsel drängt sich nun wieder die Frage auf, ob die Weltwirtschaft 2012 nicht sogar auf einen stärker als erwarteten Wachstumspfad einschwenken könnte. Im Dezember 2011 sind die Frühindikatoren der OECD zum zweiten Mal in Folge angestiegen. Der Zuwachs des Composite Leading Indicator um 0,2 % im Dezember gegenüber dem Vormonat (mom) übertraf unsere Erwartungen auch deshalb (DekaBank: 0,1 %), weil der Vormonatswert von -0,1 % auf +0,1 % mom nach oben revidiert worden ist. Die Jahresveränderungsrate des Frühindikators verringerte sich im Dezember auf -2,1 %, den tiefsten Stand seit Juli 2009. Wir hatten hier mit einem Rückgang um 2,5 % gerechnet.

2. Wie üblich werden von der OECD nicht nur Frühindikatoren für die OECD-Länder berechnet, die vorwiegend den Industrieländern zuzurechnen sind, sondern auch für mehrere wichtige Schwellenländer. Fasst man die Frühindikatoren der Schwellenländer zu einem Indikator zusammen, dann stieg dieser Indikator zum zweiten Mal in Folge um 0,5 % mom. Dies stellt einen unterdurchschnittlichen Zuwachs dar. Der Frühindikator der Industrieländer nahm im Dezember um 0,2 % mom zu. Dies ist der erste monatliche Anstieg seit Februar 2011. Fasst man die Frühindikatoren aller Länder zusammen, dann stieg der von uns berechnete Frühindikator für die Weltwirtschaft im Dezember um 0,3 %. Dies ist immerhin das stärkste Plus seit Januar 2011.

3. Bereits mit den Novemberdaten begannen nach mehren Monaten mit Stillstand wieder die Bewegungen in unserem Quadranten-Schema (siehe Anhang). Mehrere Länder wechselten vom unteren (Abschwung-) Bereich in den oberen (Aufschwung-) Bereich. Diese Entwicklungen setzten sich im Dezember fort. Sieht man von Brasilien ab, dann wechselten im Dezember zwar global eher wenig bedeutsame Länder wie Österreich oder die Niederlande in den positiven Bereich. Hierdurch hat sich der Kreis der Euroländer im
oberen Quadrantenbereich aber von dreien auf fünf weiter erhöht. Zwar sank der Frühindikator von Euroland nochmals um 0,2 % mom. Die monatliche Schrumpfungsrate verliert allerdings von Monat zu Monat an Schrecken, sodass im Januar durchaus ein monatlicher Anstieg wieder vorliegen könnte. Dies gilt im Besonderen für den Frühindikator Deutschlands, der nur knapp 0,1 % mom gesunken ist. Von einem Anstieg ist der
Frühindikator der PIIGS-Länder noch etwas entfernt. Um 0,4 % ist dieser im Vergleich zum Vormonat gesunken. Nach -0,6 % mom im November und -0,8 % mom im Oktober zeichnet sich aber auch hier eine Entspannung ab. Sollte sich diese in diesem Tempo fortsetzten, dann könnte der Frühindikator der PIIGS-Länder im März diesen Jahres wieder ansteigen. Auffallend sind auch die Entwicklungen der Frühindikatoren der Vereinigten Staaten und von China: Erstmals seit Februar 1997 ist der US-Indikator (0,7 %) im Monatsvergleich
stärker angestiegen als der chinesische (0,6 %). So erfreulich der hohe Anstieg des US-Indikators ist, kann er die Enttäuschung über den chinesischen Indikator nicht vollständig kompensieren.

4. Die globalen Wachstumsperspektiven scheinen sich zurzeit rascher aufzuhellen als von uns erwartet. Durchaus denkbar ist, dass die Industrieländer 2012, angeführt von der US-Wirtschaft, eine kräftigere wirtschaftliche Entwicklung erreichen können, als von uns bislang prognostiziert. Dieses positive Szenario würde darauf aufbauen, dass sich die Vorlaufeigenschaft der US-Wirtschaft der vergangenen Monate weiter fortsetzt. Entscheidend hierfür ist die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Hinzu kommen muss allerdings ein verhältnismäßig glimpflicher Verlauf der Rezession in den europäischen Krisenländern. Die Entwicklung des chinesischen Frühindikators könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, dass hier neue unerwartete Bremsspuren für die Weltwirtschaft entstehen. Der im Frühjahr 2009 gestartete globale Aufschwung ist bislang schwankungsanfällig. Daher ist zwar die aktuelle Entwicklung der globalen Frühindikatoren sehr erfreulich. Sie liefert aber anders als in den Aufschwüngen der vergangenen Jahrzehnte nicht die Gewähr dafür, dass eine erneute Abschwächung in weiter Ferne liegt.

Quelle: DekaBank

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