WAZ: Rettung für die Griechen? - Tabubruch. Kommentar von Stefan Schulte
Kategorie: OTS - Wirtschaft | Datum: 14.03.2010
Schuldenfalle, bricht sie ein Tabu. Doch wahrscheinlich muss sie
dieses Tabu brechen und so mit ihrer Lebenslüge, man könne sich eine
Währung teilen, aber völlig unabhängig voneinander haushalten. Der
EU-Vertrag verbietet, dass ein Mitgliedsstaat die Schulden eines
anderen übernimmt. Die Krücke: Kreditklemmen lassen sich auch durch
Bürgschaften lösen. So haben viele Staaten ihre Banken gerettet,
meist ohne einen Cent zu zahlen. Allein die Garantie kann helfen,
dass Athen günstiger an Kredite kommt. Das macht Wetten auf eine
Staatspleite und den Verfall des Euro unattraktiver.
Natürlich zahlt am Ende doch der Bürger, wenn's schief geht. Und
der Tabubruch würde andere Pleitekandidaten wie Portugal und Spanien
auf den Plan rufen. Doch was ist die Alternative? Die Griechen aus
der Eurozone zu werfen? Das wäre nur konsequent, weil Athen
beharrlich Bilanzen gefälscht hat. Doch eine dann mögliche
Staatspleite würde die Finanzmärkte in Panik versetzen und zum
Bumerang für Europas Wirtschaft. Einstweilen muss das als
Drohkulisse für den Fall reichen, dass Athen die als Gegenleistung
geforderten Sozialkürzungen nicht gegen sein Volk durchsetzen kann.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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