WAZ: Die RAG und der Öko-Strom. Kommentar von Thomas Wels
Kategorie: OTS - Wirtschaft | Datum: 14.03.2010
2018 die letzte Tonne Kohle aus dem Berg geholt haben. Damit geht
eine Epoche zu Ende, eine des Auf- und Abstiegs. Ohne Kohle und Stahl
aus dem Revier wäre das Wirtschaftswunder, der Aufbau aus den
Trümmern des Zweiten Weltkriegs so nicht denkbar gewesen.
Andererseits: Seit den 1960er-Jahren stellten allein Subventionen den
Bergbau sicher. 130 Milliarden Euro Steuergeld, die für Bildung und
Innovationen fehlten, betonierten eine anti-mittelständische
Industriestruktur.
Dennoch bleibt mehr übrig als Hunderte Schächte, Raubbau der
Natur, und hübsch anzusehende Industriemuseen. Es bleibt die Kultur
des Anpackens, der Toleranz und jede Menge Wissen. Wenn ein
Unternehmen wie die RAG in der Lage ist, in 1500 Metern Tiefe Kohle
abzubauen, dann ist das ein technologisches Pfund. Es ist also gut,
dass die RAG sich nicht allein mit der Abwicklung beschäftigt,
sondern versucht, das Wissen nutzbar zu machen. Die Nutzung der
Erdwärme in den Schächten und der Halden für Pumpspeicherseen (warum
kommt man eigentlich jetzt erst darauf?) sind ein Anfang.
Es macht Sinn, das Know-how in Arbeitssicherheit oder
Unter-Tage-Logistik als Dienstleister anzubieten. Und damit die
Ewigkeitskosten des Bergbaus zu schmälern. Es macht keinen Sinn, mit
diesem Wissen einen dauerhaften Sockelbergbau rechtfertigen zu
wollen.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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Quelle: OTS
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