
Zudem wird der zaghafte Abbau der privaten Verbindlichkeiten teilweise durch den Staat konterkariert. Dabei sprechen wir nicht einmal davon, dass die Billionen US-Dollar an Staatsschulden irgendwann einmal vom Privatsektor zurückgezahlt werden müssen, sondern meinen lediglich die direkte Finanzierungsbilanz zwischen dem Staat und privaten Haushalten: Staatliche Transferzahlungen minus Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Seit Mitte der 30er Jahre war diese Bilanz stets negativ. Die Haushalte haben also mehr an den Staat gezahlt (Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) als sie in Form von Transfers erhalten haben. In den vergangenen Jahren hat sich dieses Bild allerdings vollständig gedreht. Aufgrund wiederholter Steuersenkungen durch die aktuelle und die vorherige Regierung und höhere Transferleistungen (z.T. „automatische Stabilisatoren“) wurde die Lücke im zweiten Quartal 2009 erstmals seit 73 Jahren wieder positiv.
Diese Trendwende in der öffentlich-privaten Finanzierungsbilanz von -10% zu +1% des verfügbaren Einkommens hat das Einkommen der Haushalte im Zeitablauf um gut 10% erhöht. Anstatt sich Geld bei Banken oder Hypothekenfinanzierern zu leihen, wenden sich die Haushalte nun also direkt an den Staat.
Nur kurzfristige Entlastung
Aktuell federt diese Entwicklung die Belastung durch den Schuldenabbau merklich ab. Kurzfristig ist das sicherlich positiv, denn durch die Unterstützung des Staates kann der private Konsum etwas kräftiger wachsen als es andernfalls möglich wäre. Nach Berechnungen des IWF wachsen die realen Konsumausgaben in den ersten drei Jahren nach einer Finanzmarktkrise üblicherweise gar nicht.3 Wir dagegen prognostizieren, dass der Konsum bis Mitte 2011 nicht nur um etwa 4% über dem aktuellen Niveau liegt, sondern auch um 2% über dem Vor-Krisen Maximum.
Da sich aber der Staat seinerseits die finanziellen Mittel leihen muss, wird das eigentliche Problem lediglich nach hinten verschoben. So stieg die Gesamtverschuldung der US-Wirtschaft im Herbst 2009 auf ein neues Allzeithoch in Höhe von 370% des BIP; der Höchststand nach der Großen Depression lag bei „lediglich“ 300%. Der unumgängliche Abbau dieser immensen Schulden wird das Wachstum in den kommenden Jahren spürbar belasten – und falls das Verschuldungsproblem nicht konsequent angegangen wird, könnte es sehr wohl zu einer weiteren Krise führen.

Autor: Dr. Harm Bandholz, CFA (UniCredit Bank)
Quelle: UniCredit

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