New York (BoerseGo.de) - Zur US-Wirtschaft greift ein Bericht der “New York Times” die Möglichkeit eines Rückfalls in die Rezession auf. Dabei ist zu lesen, dass zuletzt wegen den starken Rückgängen beim Verbrauchervertrauen und den Hausverkäufen die schlechtesten Konjunkturnachrichten seit fast einem Jahr ausgewiesen worden sind. Die teilweisen Schätzungen für den kommenden Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktbericht der Regierung zu Februar sehen eine Beschleunigung der Stellenverluste auf über 100.000 vor. Für den erwarteten Anstieg dürften sich vor allem die schlechten Wetterbedingungen im Februar verantwortlich zeigen. Anlass zu Sorge gebe weiters der Trend zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. So sind die Erstanträge von Anfang Januar bis Ende Februar um 15 Prozent gestiegen, während über die vorangegangenen neun Monate der Trend gemäßigt nach unten zeigte.
Unter Berufung auf den Harvard-Volkswirt Lawrence Katz erfordert es zur US-Wirtschaft für eine Gesundung noch immer eines langen Wegs. Der Experte geht davon aus, dass für eine Rückkehr der Bedingungen zum Arbeitsmarkt zur Zeit vor dem Einsetzen der schweren Rezession die Notwendigkeit zur Schaffung von 10,6 Millionen Jobs gegeben ist. In diesem Fall müsse die Wirtschaft ab sofort über die kommenden vier Jahre pro Monat 316.000 Stellen produzieren. Ein derartiges rasches Jobwachstum habe es nicht einmal während der Boomperiode in den 1990er-Jahren gegeben.
Im übrigen würden die größten konjunkturellen Probleme bestehen bleiben. Das Platzen von Blasen habe enorme Schäden hinterlassen. Die Möglichkeit zur Kreditgewährung sei wegen der Bilanzbereinigungen durch Banken über Jahre hindurch mit Erschwernissen verbunden. Familien und Unternehmen mit unerwarteten Vermögensverlusten stünden nun vor dem Problem der Kreditrückzahlung. In den vergangenen beiden Jahren haben daher die Haushalte ihre Verbindlichkeiten in angemessener beträchtlicher Weise zurückgefahren. Dieser Trend dürfte von Fortsetzung getragen sein.
Der durchschnittliche Haushalt in den USA müsse noch immer rund 17,5 Prozent seines verfügbaren Einkommens für Zahlungen von Verbindlichkeiten auf Hypotheken, Kreditkarten sowie anderer Posten heranziehen. Dieser Anteil liege zwar unter dem Hoch aus dem Jahr 2008 bei 18,9 Prozent, aber noch immer oberhalb der Durchschnittsrate zwischen 1980 und 1995 von 16,6 Prozent. Die Last der Schuldenzahlungen dürfte daher weiter auf die Konsumausgaben drücken.
Die Ende 2009 entstandene Konjunkturbelebung sei zum Großteil auf den Lagerbestandsaufbau von Unternehmen zurückzuführen. Diese Aufstockung resultiere aus der Streichungswelle während der Rezession. Einige Experten machen darauf aufmerksam, dass der Lagerbestandsaufbau von begrenzter Natur ist. Die Konsumausgaben würden auf einem zu schwachen Niveau verharren, um den Unternehmen Anlass für weitere Produktionssteigerungen und Personaleinstellungen zu bieten.
Ein weiteres Problem bestehe darin, dass sich das Stimulierungsprogramm der Regierung und das von der Fed ins Leben gerufene Nothilfenpaket im frühen Stadium des Auslaufens befindet. Diese Programme hätten enorme stützende Wirkungen entfaltet.
Im übrigen habe das Ausmaß der Blasen im Haus-und Aktienmarkt über das vergangene Jahrzehnt die durchschnittlichen Blasen vorangegangener Jahre bei weitem überschritten. In diesem Fall handle es sich nicht um einen Art Unfall, sondern um eine unglaublich aggressive Antwort auf das Vorgehen der Notenbank, des Kongresses und der von Bush und Obama geleiteten Regierungen.
Die Kreditvergabe habe sich zwar mittlerweile erhöht, aber die Bedachtnahme auf das Nachlassen stimulierender Maßnahmen und die Schuldenlast der Hausbesitzer stellt für die Volkswirten Anlass zu Sorge dar. Um einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit abzuwenden, müsse die Wirtschaft mehr als 100.000 Stellen im Monat produzieren.
Die jüngsten Vorgänge im Kongress würden jedoch etwas Hoffnung geben. So hat der Senat in der Vorwoche ein Gesetz zur Steuerbegünstigung für Unternehmen zur Verabschiedung gebracht. Die neue Vorschrift sieht für Unternehmen bei Personaleinstellungen Steuererleichterungen vor. Das Projekt umfasst ein Volumen von 15 Milliarden Dollar. Vergangenen Montag haben demokratische Abgeordnete sogar einen 150 Milliarden Dollar schweren Vorschlag über eine Ausweitung von Arbeitslosenunterstützungen und Unterstützungen im Bereich der medizinischen Vorsorge in einigen Bundesstaaten sowie für einige Steuererleichterungen eingebracht. Dabei handle es sich zum Teil um eine beabsichtigte Verlängerung von bestehenden Maßnahmen. Falls der Kongress eine langfristige Verlängerung dieser Maßnahmen und einige weitere Maßnahmen wie etwa Hilfen für finanziell notleidende Bundesstaaten beschließt könne das Nachlassen anderer Stimulierungen kompensiert werden.
Zudem bestehe die Möglichkeit, dass einige pessimistische Volkswirte für den privaten Sektor etwas zu düster in die Zukunft blicken, zumal die Läger noch immer als ziemlich leer zu bezeichnen sind und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Teil des Lagerbestandsaufbaus voranschreitet. Zudem steigt unter Banken gemäß den Daten der Notenbank die Bereitschaft zur Kreditvergabe. Als weiterer stützender Faktor sei das starke Wachstum in China und in anderen Regionen der Emerging Markets anzuführen. Amerikanische Exporteure hätten dadurch die Chance der Vorteilsziehung. Unter diesen Gesichtspunkten gelte ein Rückfall in die Rezession als unwahrscheinlich.
Morgan Stanley geht für 2010 zwar noch immer von einem monatlichen durchschnittlichen Stellenwachstum von 110.000 aus, über die nächsten Jahre dürfte aber der Arbeitsmarkt voraussichtlich weiter mit Defiziten ringen, heißt es weiter in dem Bericht.
Christoph Huber,
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