US-Industrieproduktion: Erster Eindruck - schwach! Zweiter Eindruck - gut!

Kategorie: boerse-go: Research | z externer Content Analyse Konjunktur | Datum: 15.02. 16:31

Vor wenigen Minuten wurden Zahlen zur Entwicklung der US-Industrieproduktion gemeldet. Im Berichtsmonat Januar kam es zu keiner Veränderung zum Vormonat. Allerdings wurde der
Vormonatswert von ursprünglich gemeldeten 0,4% auf 1,0% M/M deutlich nach oben revidiert.
Die Jahresrate liegt bei 3,4%. Die Kapazitätsauslastung ging aufgrund der massiven Aufwärtsrevision des Vormonatswertes leicht auf 78,5% zurück.

Die Headline-Zahlen zur Industrieproduktion sind auf den ersten Blick enttäuschend ausgefallen. Allerdings gibt es zwei wesentliche Gründe für die vermeintliche Schwäche: Erstens muss die deutliche Höherrevisionen für den Dezember berücksichtigt werden, welche 0,6- Prozentpunkte ausmacht und bereits die Abweichung von den Prognosen erklärt. Zweitens ist die Stagnation im Headline-Index vor allem dem deutlichen Rückgang im Bereich Kraftwerke geschuldet (-2,5% M/M), welcher aufgrund überdurchschnittlich hoher Temperaturen im Januar einen deutlichen Outputrückgang verzeichnete. Und das kann keineswegs als ein Zeichen von konjunktureller Schwäche interpretiert werden!

Unter Berücksichtigung dieser beiden Faktoren kann durchaus von einem positiven Eindruck gesprochen werden: Das verarbeitende Gewerbe (also exklusive der volatilen Bereiche Kraftwerke und Bergbau), das etwa 75% der Gesamtrate ausmacht, verzeichnete nach einem deutlichen (nach oben revidierten) Anstieg von 1,5% M/M ein erneutes Plus von 0,7% M/M. Hierbei spielte vor allem ein boomender Fahrzeugbereich die wesentliche Rolle, aber auch der Maschinenbau steigerte seine Produktion erneut. Positiv zu bewerten ist zudem der Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 1,8% M/M (nach dem Vormonatsplus von ebenfalls nach oben revidierten 1,4% M/M). Vor allem diese Komponente deutet auf eine anhaltend starke Entwicklung der Investitionen in der BIP-Abgrenzung auch im bereits laufenden I. Quartal hin.

Die Dynamik im verarbeitenden Gewerbe bleibt danach weiterhin hoch. Der sukzessive Beschäftigungsaufbau im verarbeitenden Gewerbe, der notwendig gewordene Lageraufbau nach dem massiven -abbau und eine für die Bauwirtschaft vorteilhafte Witterung in den Wintermonaten tragen dazu bei. Auch die ersten bereits verfügbaren Daten für den Februar bestätigen diesen Eindruck: Der am Nachmittag veröffentlichte New Yorker Empire State Survey legte von 13 auf 19,5 Punkte zu. Fraglich ist, inwieweit sich die europäische Staatsschuldenkrise und ein moderateres Wachstum in Fernost auf die Nachfrage nach US-Gütern auswirken wird.

Fazit: Die Gesamtrate der US-Industrieproduktion entwickelte sich auf den ersten Blick enttäuschend. Die deutliche Höherrevision des Vormonatswertes und die Sonderolle des Produktionsrückgangs bei den Kraftwerken relativieren aber diesen Eindruck. Letztlich darf positiv festgehalten werden, dass die Produktion im verarbeitenden Gewerbe genauso wie die Ausrüstungsinvestitionen erneut deutlich zulegen konnten. Letzteres ist bereits eine erfreuliche Indikation für die Investitionen in der BIP-Abgrenzung für das I. Quartal. Hauptrisiko für die USKonjunktur bleibt derzeit ohnehin die europäische Schuldenkrise. Die US-Konjunktur erweist sich hingegen derzeit als relativ robust.

Quelle: Nord/LB

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