-- Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf Rekordtief -- Auch für Frankreich wird die Refinanzierung billiger -- Angst um Griechenland treibt Anleger in sichere Häfen
FRANKFURT (Dow Jones) - Die Zinstrends im gemeinsamen Europa laufen weiter auseinander. Die Krise in Griechenland treibt immer mehr Gelder in sichere Anlagehäfen. Während die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen am Sekundärmarkt wieder deutlich über bzw knapp unter 6 Prozent liegen, kommt Deutschland so billig wie nie zuvor an frisches Kapital. Bei der Auktion zehnjähriger Bundesanleihen am Mittwoch sank die Rendite auf 1,47 Prozent gefallen. Beim vorangegangenen Mal waren es noch 1,77 Prozent.
Auch französische Langläufer erfreuten sich einer guten Nachfrage. Bei der ersten Auktion nach dem Wechsel im Präsidentenamt des Landes sank beispielsweise die Rendite fünfjähriger Papiere auf 1,72 von 1,83 Prozent.
Die aus Anlegersicht unattraktive Rendite hatte bei der früheren Auktion der 10-jährigen Bundesanleihe am 11. April noch dafür gesorgt, dass die Papiere technisch unterzeichnet waren und die Bundesbank einen größeren Teil auf das eigene Buch nahm. Diesmal lag die Zeichnungsquote bei 1,5 und die Anleihen waren wieder überzeichnet, obwohl die Renditen noch niedriger lagen. Dies unterstreicht, dass die Suche der Anleger nach einem sicheren Hafen derzeit das alles dominierende Anlagekriterium ist.
Und hier schält sich Deutschland für immer mehr Akteure als der Hort der Stabilität in Europa schlechthin heraus. Durch die Schuldenkrise sei eine negative Korrelation zwischen Deutschland und den übrigen Euro-Ländern entstanden, betont Ulf Krauss, Volkswirt der Helaba. Anleger streuten ihre Investitionen nicht mehr über verschiedene Länder, sondern nutzten deutschen Anleihen als alleinige Fluchtburg.
Neben der Angst um Griechenland und vor einer Ansteckung anderer Euro-Staaten wie Spanien und Italien mit der griechischen Krankheit, sorgen die soliden deutschen Konjunkturdaten für ungebrochenes Vertrauen. So ist das deutsche BIP im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,5 Prozent gewachsen, während andere Staaten wie Frankreich stagnieren. In Italien schrumpfte das BIP sogar um 0,8 Prozent.
In diesem Umfeld waren die Anleger auch am Mittwoch wieder bereit, negative Realzinsen zu akzeptieren. Die Rendite der zehnjähriger Bundesanleihen liegt deutlich unter der Inflationsrate von 2,1 Prozent und macht die Anlage zum Verlustgeschäft. Für immer mehr Teilnehmer steht im derzeitigen Umfeld aber weniger die Rendite im Vordergrund als vielmehr der Kapitalerhalt. Dafür sind sie auch bereit, kleinere Verluste in Gestalt negativer Realzinsen in Kauf zu nehmen.
So lange die Turbulenzen in der Euro-Zone anhalten, dürfte sich an den derzeitigen Zinstrends in Europa nichts Grundsätzliches ändern. "Nach unten ist praktisch alles möglich", sagte Volkswirt Ulrich Kater von der DekaBank bei der Vorstellung der Zinsprognose des Bundesverbandes öffentlicher Banken am Vortag. Er spielte damit auf negative Renditen an. Zum Vergleich: In der Schweiz werden Zehnjahrespapiere mit 0,57 Prozent verzinst, in Japan mit 0,841 Prozent.
"Gleich wie es letztendlich kommen wird, die Märkte preisen jetzt mit noch höherer Wahrscheinlichkeit ein, dass Griechenland die Eurozone wird verlassen müssen", so Chef-Analyst Arne Lohmann Rasmussen von der Danske Bank. Er rechnet auch in de kommenden Wochen mit einer anhaltend negativen Stimmung an den Finanzmärkten.
DJG/gos
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