Stiglitz: Fed wird mit quantitativer Geldlockerung sicher scheitern

Kategorie: US-Markt News | Trackbox US | Top-Artikel | Datum: 18.10.2010

Hamburg (BoerseGo.de) - Der frühere Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht gemäß einem Bericht der “Financial Times Deutschland” ein Scheitern der von der US-Notenbank Federal Reserve betriebenen Strategie der quantitativen Geldlockerung zum Scheitern verurteilt. Die Nullstrategie bei den kurzfristigen Zinsen habe keinen Erfolg gebracht. Die Chance zur Verwirklichung des nun angepeilten Ziels, die Wirtschaft über eine Drückung der Langfristzinsen anzukurbeln liege bei null. Es bestehe weiters die Gefahr, dass die quantitative Lockerung den Steuerzahler mit hohen Kosten belastet und dadurch die Effektivität der Federal Reserve über Jahre hindurch beschädigt wird. Die Federal Reserve diene den Interessen der Wall Street und befinde sich bereits über zwei Jahrzehnte lang in Gefangenschaft der Marktfundamentalisten. Die Federal Reserve habe nicht nur Versäumnisse bei erforderlichen Beschränkungen begangen, sondern die Maßlosigkeit sogar noch angeheizt. Nun bemühe sich die Notenbank um Wiederherstellung ihres Ansehens.

Die Zinssenkungen von 2001 hätten zwar gewirkt, aber nicht in der gewünschten Weise funktioniert. Statt der Schaffung von Anreizen in Sachanlageinvestitionen habe sich durch die niedrigen Zinsen eine Immobilienblase mit einer gleichzeitigen Konsumorgie gebildet. Den dadurch entstandenen Schulden standen keine entsprechenden Werte gegenüber. Die maßlosen Investitionen in Immobilien hätten zu Überkapazitäten geführt, deren Abbau Jahre hindurch dauern wird.

Das Beste das sich über die Geldpolitik der letzten Jahre sagen lässt ergebe sich aus dem Umstand, dass dadurch die schlimmsten Folgen des Zusammenbruchs von Lehman Brothers vermieden wurden. Niemand könne jedoch behaupten, dass durch die Senkung der kurzfristigen Zinsen die Investitionstätigkeit gestiegen ist. Tatsächlich liege die Kreditvergabe an Unternehmen wie insbesondere an Kleinunternehmen deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau. Die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank hätten bislang nicht in entsprechender Weise entgegen gesteuert. Die Notenbanken würden weiter nur ihr Standardmodell im Bereich der Geldpolitik anwenden und dabei nach wie vor als einzige Konjunktur belebende Maßnahme die Senkung der Zinsen in Erwägung ziehen. Derartige Standardmodelle hätten in der Krisen-Vorhersage versagt und schlechte Ideen sterben langsam aus.

Bei Großunternehmen wäre Bargeld im Übermaß vorhanden. Für solche Konzerne würden daher geringfügige Zinsanhebungen keine große Rolle spielen. Gleichzeitig habe die vom Staat herbeigeführte Senkung der Zinsen zu keinen entsprechend niedrigeren Zinsen für die um eine Finanzierung ringenden Kleinunternehmen geführt. Eine größere Bedeutung habe die Verfügbarkeit von Krediten. Angesichts des fragilen Zustands vieler US-Banken dürfte die Kreditvergabe weiter beschränkt bleiben. Darüber hinaus hätten die an Kleinunternehmen vergebenen meisten Kredite ihre Grundlage in stark wertgeminderten Sicherheiten wie Immobilien.

Als katastrophaler Misserfolg erweise sich das Bemühen der Regierung, den Immobilienmarkt in den Griff zu bekommen. Ein weiterer Verfall des Immobilienmarkts habe sich durch das Einschreiten der Regierung möglicherweise nur verzögert. Selbst Optimisten würden nicht daran glauben, dass die Immobilienpreise in absehbarer Zeit deutlich steigen.

Die über en Ankauf von langfristigen Anleihen und Hypotheken ins Visier gefasste quantitative Lockerung könne nur über eine wettbewerbsorientierte Abwertung Unterstützung bieten. Die Senkung der Zinsen schwäche den Dollar und eine aus niedrigen Zinsen resultierende Dollarschwäche verschaffe den USA einen kleinen Wettbewerbsvorteil. Die außerhalb der USA nach höheren Renditen suchenden Anleger würden dann in Schwellenlänger flüchten und die dortigen Wechselkurse nach oben treiben. Durch diesen Geldfluss steige das Risiko für Vermögensblasen und Inflation.

Ein zweiter leichter Vorteil durch die quantitative Lockerung ergebe sich durch eine damit verbundene Senkung der Hypothekenzinsen. Dadurch bestehe die Möglichkeit der Stützung von Immobilienpreisen. Dieser Vorteil könne aber durch einen Kosteneffekt wieder versiegen. So stehe der Wert der von der Federal Reserve aufgekauften Hypotheken im Volumen von über einer Billion Dollar vor einer Minderung, so bald sich die Konjunktur erholt. Dies sei genau der Grund warum derzeit im Privatsektor niemand Immobilien kauft.

Bild: ©www.flickr.com/apesphere

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