Spaniens Sonne scheint doch in der Nacht
Kategorie: Kreuz&Quer - Skurriles & Schmunzeln | Datum: 02.06.2010
Einen Tick ältere Leser können sich vielleicht noch an den 1972er Schlager »Viva Espana« von Imca Marina über Spanien erinnern, dessen Haupttextzeile so lautete: »Die Sonne scheint bei Tag und Nacht – Eviva Espana«. Der Himmel weiß, wie sie das macht – Eviva Espana.« Da haben sich wohl ein paar Spanier gedacht, dass sich daraus doch ein Geschäft generieren lassen müsste.
Gedacht, getan. Bei Routineinspektionen in Spanien kam kürzlich heraus, dass Windkraftanlagen als Solaranlagen deklariert wurden. Kontrolleuren fiel nämlich auf, dass diverse so genannte Solaranlagen auch Strom in der Nacht lieferten – was eigentlich nicht sein kann. Hintergrund dieses wundersamen Phänomens: Die Einspeisevergütung für Solaranlagen ist höher als die für Windkraftanlagen – und so wandelten findige Matadore die Anlagen auf dem Papier flugs von Wind- auf Solaranlagen um. Bis zu 44 Cent je kWh wird in Spanien Solarstrom vergütet – mehr als sechsmal so viel wie der Windstrom.
Erst im April kam in Spanien an anderer Skandal auf. Auch hier produzierten Solaranlagen rätselhafterweise auch in der Nacht Strom. Bei Kontrollen kam heraus: Es war ganz ordinärer Strom aus Diesel-Generatoren. Die ließ man in der Nacht mitlaufen, und deklarierte ihn zum teuren Solarstrom. Die nächtlichen Zauberei-Einspeisungen wurden bei Kraftwerken in La-Mancha, den Kanarischen Inseln und Andalusien festgestellt.
Experten schätzen den Schaden in Spanien durch den Einspeisebetrug bislang auf knapp 3 Mio. EUR. Wobei diese Summe sicherlich nur die Spitze eines Eisbergs sein dürfte. Denn es könnte ja durchaus möglich sein, dass auch am Tag Strom mit diesen Generatoren produziert und illegal ins Netz eingespeist wird – und so der Gesamteffektivität des Betreibers gewinnbringend etwas nachgeholfen wird.
»Die Gläser, die sind voller Wein«, sang Imca Marina seinerzeit. Mit der findigen Stromvermehrung jetzt wohl erst recht. (eh)
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