Soros: Europa steht fast sicher vor Rezession / EU könnte zerfallen

Kategorie: US-Markt News | DAX - MDAX - TecDAX News | Investmentstrategen / Technische Analysten | Deutschland, Europa | Trackbox US | Top-Artikel | Datum: 01.07.2010

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New York (BoerseGo.de) - Für Europa ist eine neue Rezession im nächsten Jahr als nahezu unausweichlich anzusehen. Danach dürften hier Jahre der Stagnation folgen. Davon geht der bekannte Milliarden-Investor George Soros aus. Als Grund für seine Sichtweise nennt er die Reaktion der politischen Verantwortungsträger auf die Krise der Eurozone. Eine damit verbundene Abwärtsspirale innerhalb der Europäischen Union stehe bevor. Die bei Errichtung der Eurozone vorhandenen Mängel dürften nun akut werden. Die Krise der Eurozone lasse sogar ein zerstörerisches Potenzial für die 27 Länder umfassende Europäische Union zum Entstehen bringen. Eine drohende fatale Schwäche des Euro gehe auf das Konto des Mangels eines vorhandenen Behebungsmechanismus. Dabei gehe es um notwendige Auflagen für Mitgliedsländer der Eurozone und die Möglichkeit eines Ausscheidens einzelner Staaten aus dem gemeinsamen Währungsraum.

Die von Deutschland verhängten Kriterien gegenüber dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm zur Eurozone inkludieren unter anderem das Ziel eines Handelsbilanzüberschusses und eine hohe Sparrate. Deutschland wolle diese Kriterien auf das restliche Europa übertragen. Ein Schuldnerland könne aber ohne eine Defizitanhäufung nicht gleichzeitig einen Überschuss generieren. Für die gegenwärtige Lage gebe es daher eine reale Bedrohung. Die auferlegte Finanzdisziplin geschehe zu einer Zeit, wo keine ausreichende Nachfrage vorhanden ist und das Bankensystem zu Schwäche neigt. Deutschland komme durch diese Zeit relativ gut hindurch, da die Abschwächung des Euro für die Wirtschaft des Landes förderlich ist. Aber das restliche Europa steuere auf eine Abwärtsspirale, jahrelange Stagnation und möglicherweise auf ein noch schlimmeres Szenario zu. Falls es keinen Ausweg gibt dürften wegen dieser Situation soziale Unruhen folgen. Daraus könne ein stärkerer allgemeiner Wunsch nach strengeren Gesetzen resultieren. In diesem Fall bilde sich ein Nährboden für die Entstehung von Geschehnissen die dem Zustand der Zwischenkriegszeit ähnlich sind.

Europa mangle es an Strategien für eine gemeinsame Haushaltspolitik. Europa habe sich nicht mehr nach vorn bewegt, seit dem die Region aufgrund von Rückschlägen zur Tragung von mehr Verantwortung gefordert ist. Die europäischen Banken hätten große Beträge an Staatsanleihen von schwachen Ländern der Eurozone zu einem winzigen Zinsunterschied gekauft. Damit sei einer der Gründe genannt weshalb die Fremdfinanzierung der Institute zu hoch ausfällt. Die Banken müssten dadurch bilanzielle Verluste abschreiben, wodurch die Glaubwürdigkeit dieser Geldhäuser und am Ende das gesamte Bankensystem in ernsthafte Bedrängnis gerät. Diese Gefahr äußere sich bereits dadurch, indem der US-Geldmarktpapier-Handel eine Beleihung an europäische Banken verweigert. Es gebe daher eine Finanzierungskrise. Aufgrund der Abneigung der Banken zur gegenseitigen Kreditvergabe sei die Europäische Zentralbank zu Maßnahmen gefordert, führte Soros gemäß einem Bericht von Reuters vergangenen Dienstag im Rahmen eines Seminars weiter aus.
 

Bild: ©www.flickr.com/grizzlygroundswell

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Über den Autor:

Christoph Huber,
Redakteur

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