Roubini warnt vor kanadischen Immobilienmarkt u. sieht Parallelen zu USA

Kategorie: US-Markt News | Fundamentalanalyse / Research | Top-Artikel | Datum: 08.01.2010

New York (BoerseGo.de) - Der Bankensektor Kanadas ist den Maßlosigkeiten der Branche aus den USA nicht gefolgt und hat daher Einbrüche abgewendet. Dies erklärte der renommierte New Yorker Wirtschaftsprofessor und Prophezeier der Finanzkrise Nouriel Roubini anhand einer Studie gemäß einem Bericht von Forbes.com. Zur besseren Verfassung der kanadischen Banken habe eine Konsolidierung der Branche und deren starke Regulierung geführt. Die Geldhäuser des Landes hätten sich daher auch während der Rezession in der Lage gesehen, ihre Kreditvergabe aufrecht zu erhalten und finanzielle Engpässe mittels Hilfen zu entschärfen. 

Nun gebe es jedoch Anzeichen, dass die Bilanzen der kanadischen Banken von deren früheren Stärke einbüßten. Die kanadischen Haushalte hätten sich zuletzt sehr dem Hypothekensektor hingewendet und die Rekordtiefstzinsen zu Refinanzierungen genützt. So lag der durchschnittliche Hypothekenzins im September 2009 deutlich unter 5 Prozent. Die Banken hätten über die Kreditausweitungen große Freude empfunden. Besonders nach den Käufen von Hypotheken durch die Regierung und der damit verbundenen langfristigen Kapitalfreisetzung für die Banken.

Obwohl der kanadische Hausmarkt Ende 2008 und Anfang 2009 besonders in den westlichen Städten zu Schwäche neigte, führten danach niedrige Zinsen, Kapitalströme, Steueranreize, erhöhte Liquiditätszufuhren und Lockerungen der Regeln zur Kreditvergabe zu einer Linderung der Sorgen. Obwohl die Höchstände aus dem Jahr 2008 noch nicht erreicht worden sind, haben Baubeginne und Hauspreise einen Turnaround hingelegt. Dadurch habe Kanada eine Hilfe beim Entrinnen aus der Rezession erhalten. Unterstützend habe sich weiters ausgewirkt, dass in Kanada der Lagerbestand an Häusern niedriger als in den USA gewesen ist. Jedoch könnten die jüngsten Tendenzen einer Übertriebenheit gleichkommen. So habe der kanadische Hausmarkt zuletzt wenige Unterschiede zu dem erkennen lassen, was im US-Hausmarkt zu Beginn dieses Jahrzehnts geschehen ist. Bei den kanadischen Hypotheken handle es sich außerdem um Regresskredite. Dies heißt, dass die Absicherungskosten für diese Verbindlichkeiten über jenen in den USA liegen.

Die kanadischen Hypothekenzinsen sind weiters steuerlich nicht absetzbar und stellen einen Anreiz zur Reduzierung von Verbindlichkeiten dar. Darüberhinaus würden die Kanadier im Gegensatz zu ihren südlichen Nachbarn noch immer mehr Eigenkapital verfügen, als es der Wert ihrer Häuser entspricht. Die Kapitalrate der kanadischen Hausbesitzer hinsichtlich ihrer Eigenheime liege bei 74 Prozent. In den USA habe diese Rate im September 2009 bei 43 Prozent gelegen. Dies bedeute, dass sehr wenige kanadische Hausbesitzer bislang mit der Situation eines negativen Eigenkapitals konfrontiert gewesen waren. Dennoch gebe es einigen Anlass zur Sorge. Etwa durch den Umstand, dass in den letzten Jahren der Anteil der kanadischen Haushalte mit einer Verschuldungsrate an deren Häusern von mehr als 80 Prozent gestiegen ist.

Hinsichtlich einer langfristigen Tilgung von Hypothekenkrediten zu sehr niedrigen Zinsen gebe es Gefahren. So könnten wegen Kreditrückstellungen die Zinsen in einigen Jahren steigen. Kanadische Aufsichtsbehörden stünden über den Turnaround des Immobilienmarktes bereits in Sorge und hätten bereits Bereitschaft signalisiert, mittels Maßnahmen eine drohende Blasenbildung abzuwenden. Zudem dürften Banken bereits dazu übergehen, ihre Kreditstandards restriktiver zu gestalten.

Die Wirtschaft Kanadas habe nach dem Mitte 2009 vollzogenen Heraustritt aus der Rezession Fahrt aufgenommen. Der Schwung dürfte in diesem Jahr aufrecht bleiben. Die Erholung könnte jedoch unter dem geringen ausländischen Potenzialwachstum und den nachlassenden stimulierenden Maßnahmen eine Einschränkung erhalten. Zudem haben sich die Überschüsse der Regierung bei Budget und Leistungsbilanz mittlerweile in Defizite umgewandelt. Die Rolle des Immobilienmarktes und von Steueranreizen bei der Finanzierung des kanadischen Wachstumsaufschwungs müsse beobachtet werden.

Bild: ©iStockphoto.com/Marcel Pelletier

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