Edelmetalle: Der Goldpreis hat sich gestern zwischenzeitlich mit 1.255 USD je Feinunze dem Rekordhoch von Mitte Juni bis auf 10 USD angenähert, ehe die Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten zu Gewinnmitnahmen führte. Der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, vermeldete erneut Zuflüsse von 1,5 Tonnen. Seit Anfang August sind mehr als 20 Tonnen in den weltgrößten Gold-ETF zurückgeflossen. Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten dürfte Gold gefragt bleiben, wenngleich Gewinnmitnahmen kurzfristig orientierter Marktteilnehmer auf dem derzeit hohen Niveau jederzeit möglich sind. Auch bei Silber zieht die ETF-Nachfrage wieder an. Der weltgrößte Silber-ETF, iShares Silver Trust, verzeichnete gestern Zuflüsse von 53 Tonnen. Innerhalb von zwei Tagen sind die Bestände um mehr als 80 Tonnen gestiegen. Mit 9.280 Tonnen liegen diese auf dem höchsten Niveau seit 5 ½ Monaten.
Palladium konnte gestern auf über 526 USD je Feinunze steigen, den höchsten Wert seit der Eurokrise im Mai. Der Anstieg ist vor allem technisch bedingt, nachdem der Preis über 500 USD steigen konnte. Zudem unterstützten die starken Autozulassungszahlen in Asien, welche die schwächeren US-Zahlen mehr als kompensieren konnten.
Industriemetalle: Sowohl der chinesische als auch der US-Einkaufsmanagerindex haben gestern positiv überrascht: Letzterer ist im August von zuvor 55,5 auf 56,3 gestiegen, während der Konsens mit einem Rückgang auf 52,8 gerechnet hatte. Die Pkw-Absatzzahlen im August für die USA lagen zwar mit annualisiert 11,5 Mio. Autos „nur“ im Rahmen der Erwartungen, aber die Zahlen aus Japan überzeugten: mit 291 Tsd. Autos wurden im August dank staatlicher Anreize 47% mehr Standard-Autos verkauft als im Vorjahr. Weil sich der Markt angesichts der zuletzt schwachen Arbeitsmarktdaten in den USA mehr und mehr auf das Szenario „double-dip“, d.h. einen erneuten Konjunkturabschwung in den USA eingestellt hatte, konnten die Nachrichten den Aktienmärkten und den Industriemetallen auf die Beine helfen. Der Kupferpreis kletterte um 2,2% auf ein neues Viermonatshoch über 7.600 USD je Tonne. Am Kupfermarkt stützt zusätzlich, dass die übliche Nachfrageabschwächung im 3.Quartal bislang ausgeblieben ist und sich stattdessen der Markt trotz starker Produktionssteigerungen in Chile und anderen Ländern eingeengt hat. Dies zeigt sich auch in den äußerst niedrigen Raffinerieaufschlägen und Verarbeitungsgebühren (TC/RC) der Kupferschmelzen und fallenden Lagerbeständen.
Die zwei wichtigsten Input-Faktoren bei der Stahlherstellung Eisenerz und Kokskohle dürften sich im vierten Quartal verbilligen. Während die japanischen Stahlunternehmen, die oft als erste die Benchmark setzen, bei der Kokskohle einen Nachlass von 7% von zuvor 225 USD auf 209 USD je Tonne erhalten werden, dürfte der Rückgang der Eisenerzpreise sogar 10-12% betragen. Von der Spitze im April haben sich die Spot-Preise mittlerweile weit entfernt, wobei die Eisenerzproduzenten, die zuvor von den Preissteigerungen am Kassamarkt profitiert hatten, jetzt konsequenterweise auch die Preisrückgänge an die Stahlfirmen weitergeben werden.
Agrarrohstoffe: Erstmals seit 10 Jahren könnte Deutschland im größeren Stil auf Weizenimporte angewiesen sein. Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen wird die Winterweizenernte in Deutschland in diesem Jahr nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes 9% niedriger ausfallen. Hinzu kommen Qualitätsverluste, wodurch laut dem Verband Deutscher Mühlen (VDM) in diesem Jahr ca. 1 Mio. Tonnen an hochwertigem Weizen fehlen. Dieser Betrag dürfte dem VDM zufolge durch Einfuhren vor allem aus Frankreich, aber auch den USA gedeckt werden. Erste Anzeichen hierfür gibt es bereits. Händlern zufolge wurden in der vergangenen Woche 20 Tsd. Tonnen US-Weizen an eine deutsche Mühle verkauft, so viel wie seit knapp 10 Jahren nicht. Bestätigung könnten die heute vom US-Landwirtschaftsministerium zu veröffentlichenden Exportdaten geben. Die Knappheit an Weizen in einigen traditionellen Exportländern – auch Russland dürfte auf Weizenimporte angewiesen sein - dürfte zu einem weiteren Abbau der hohen US-Weizenvorräte führen und somit den Preis unterstützen. Derzeit ist US-Weizen noch 10% billiger als europäischer Weizen.

Quelle: Commerzbank
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