Berlin (BoerseGo.de) - Die Staaten sollen dem Schuldenmachen ein Ende setzen. Dies fordert gemäß einem Bericht des “Handelsblatts” der bekannte Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. Nach dessen Ansicht erhält bei einem Ansteigen der Staatsverschuldung über einen Anteil von 90 Prozent an der Wirtschaftsleistung das Wirtschaftswachstum eine Bremse. Damit tritt dieser in Gegensatz zu seinem bekannten Kollegen Paul Krugman. Der ehemalige Ökonomie-Nobelpreisträger Krugman steht an der Seite derer, die zur Vorantreibung der Konjunkturerholung noch mehr Ausgaben des Staates fordern. Ein Anstieg der Staatsverschuldung im Ausmaß von ein bis zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt ziehe keinen wesentlichen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen nach sich, so Krugman. Rogoff hat jedoch im Rahmen eines mit seinem an der University of Maryland tätigen Kollegen Carmen Reinhart durchgeführten riesigen Forschungsprojekts zu sämtlichen Finanzkrisen der Wirtschaftsgeschichte einen brisanten Zusammenhang zwischen Schuldenlast und Wirtschaftswachstum zur Veranschaulichung gebracht. Daraus ergebe sich die große Wahrscheinlichkeit, dass die drastisch gestiegenen Staatsschulden als schweres Erbe aus der Finanzkrise für die betroffenen Länder anzusehen sind. Gemäß dem IWF ist in den USA die Staatsverschuldung allein in den vergangenen drei Jahren von rund 60 Prozent an der Wirtschaftsleistung auf knapp 85 Prozent gestiegen.
Anhand des Forschungsprojekts geht hervor, dass bei einer Überschreitung der 90 Prozent-Schwelle des Defizitanteils an der Wirtschaftsleistung die große Möglichkeit besteht, dass das Wirtschaftswachstum erheblich in Verlangsamung gerät. Sowohl in den Industrienationen als auch in den Schwellenländern sinkt anhand der Daten in diesem Fall das Wachstum um mehr als 1 Prozent.
Der IWF geht für die USA bereits im laufenden Jahr von einem Überschreiten der 90 Prozent-Schwelle aus. Die G20-Staaten dürften gemäß den weiteren IWF-Prognosen bis 2014 im Schnitt mit 118 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet sein.
Die Erkenntnisse von Rogoff und Reinhart stützen sich auf mehr als 3700 Daten aus 44 Industrie-und Schwellenländern über die vergangenen 200 Jahre. Dabei gelangten auch politische Systeme, historische Umstände und Wechselkurse zur Berücksichtigung. Selbst Kontrahent Krugman sieht darin eine hervorragende Arbeit.
Rogoff und Reinhart schätzen Bankenrettungspläne und Konjunkturpakete durchaus als nützlich ein. Zur Bekämpfung der aktuellen Krise hätten derartige Rettungsaktionen Erfolg gebracht, indem sich der Bankensektor stabilisierte und die Rezession zum Stillstand gekommen ist. Doch nun bleibe die Schuldenlast als dringendstes Problem.
Es stelle sich die Frage über die makroökonomisch langfristigen Folgen hoher Staatsschulden vor dem Hintergrund alternder Gesellschaften und steigender Sozialausgaben. Es gebe die Antwort, dass dadurch das Wirtschaftswachstum in Reduktion gerät. Dies umso mehr je höher die Sozialausgaben in einem Land ausfallen. Aus den Daten ist darüber hinaus ersichtlich, dass in den meisten Industriestaaten ein Einfluss hoher Staatsschulden auf die Inflation nicht gegeben ist. Für die USA gelte dies aber nicht. Dort gehe eine höhere Verschuldung mit einer höheren Inflation einher, heißt es weiter in dem Bericht.

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