Positive makroökonomische Daten im Nahen Osten

Kategorie: Produktvorstellung | Datum: 18.08.2010

Interview mit Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Asset Management Ltd, zum Thema Schwellenländer mit Schwerpunkt Naher Osten:

Wie beurteilen Sie den Nahen Osten?


Wir haben langfristig nach wie vor positive Ansichten über diese Region. Mit rund 60% der globalen Ölreserven haben die Länder im Nahen Osten bisher direkt oder indirekt vom langfristigen Aufwärtstrend der Ölpreise profitiert und werden das auch künftig tun. Die Region verzeichnet weiterhin positive makroökonomische Daten, unter anderem robustes Wirtschaftswachstum. Höherer Inlandskonsum infolge eines Auflebens von Verbrauchervertrauen und Binnennachfrage dürfte ebenfalls anhalten. Darüber hinaus setzen Regierungen in der Region Strategien um, die auf die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums abzielen, lassen zu, dass ausländisches Kapital auf lokale Märkte fließt, und fördern bessere Corporate Governance und mehr Transparenz sowie höher entwickelte Kapitalmarktstrukturen.

Haben Sie vor, sich im Nahen Osten zu engagieren?

Wir sind im Nahen Osten bereits investiert und ständig auf der Suche nach reizvollen und unterbewerteten Anlagen aus dieser Region wie auch aus allen anderen Schwellen- und Grenzmärkten.

Welche Märkte interessieren Sie im Nahen Osten besonders?

Derzeit sind wir im Nahen Osten vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien, Jordanien, im Libanon und in Kuwait engagiert.

Gibt es Sektoren, die Sie besonders reizvoll finden?

Nach Sektoren wirken Rohstoffwerte ansprechend, weil wir mit einer Fortsetzung des langfristigen Anstiegs der globalen Nachfrage nach Rohstoffen rechnen. Wir favorisieren aber auch Konsumwerte. Bei steigenden Pro-Kopf-Einkommen und hoher Nachfrage nach Konsumgütern sind die Aussichten dieser Aktien auf Ertragssteigerungen günstig. Mit Konsumwerten meinen wir aber nicht nur konsumabhängige Produkte, sondern auch Dienstleistungen im Finanz- und Bankgeschäft, in der Telekommunikation und so weiter.

Halten Sie Dubais Probleme für gelöst? Ist der Zeitpunkt für eine Anlage auf den dortigen Aktien- und Immobilienmärkten günstig? Haben Sie vor, dort zu investieren?

Der beste Anlagezeitpunkt ist unseres Erachtens, wenn alle anderen verkaufen und Sie überzeugt sind, dass aus langfristiger Sicht Wert vorhanden ist. Dubai ist ein solcher Fall. Das Land steht finanziell wieder deutlich solider da, doch es bleibt noch einiges zu tun. Es wird daher noch etwas dauern, bis sich die Region ganz erholt hat. Aus diesem Grund halten wir auf dem dortigen und den benachbarten Märkten weiter Ausschau nach Schnäppchen.

Nehmen Sie größere grenzüberschreitende Investitionen zwischen Asien und dem Nahen Osten wahr? Warum?

Heutzutage kommt es laufend zu grenzüberschreitenden Investitionen. Asien und der Nahe Osten sind da keine Ausnahme. Die Welt ist so stark vernetzt, dass die Beschränkung von Investitionen auf eine Region oder ein Land keine realistische Option mehr ist.

Halten Sie die Rezession der Weltwirtschaft für überstanden?

In manchen Teilen der Welt gab es ja gar keine Rezession. Daher muss man jedes Land für sich betrachten. In Brasilien zum Beispiel setzt sich dynamisches Wachstum fort und der Lebensstandard ist unterdessen gestiegen. Das gilt auch für China. Außerdem war die Krise wohlgemerkt eine Finanzkrise, keine Unternehmenskrise. Die Finanzkrise zog solche Unternehmen in Mitleidenschaft, die einen hohen Fremdkapitalanteil aufwiesen. Unternehmen, auf die das nicht zutraf, waren in einer guten Ausgangsposition, um ihren Marktanteil zu vergrößern.

Hat die Theorie von der wirtschaftlichen Abkoppelung der Schwellenländer von den Industrieländern Hand und Fuß?

Hat sie nicht und sie ist auch kein guter Ratgeber für künftige Engagements. Heute sind alle Länder durch Handel und Kommunikation auf die eine oder andere Weise eng miteinander verzahnt. Es ist daher unrealistisch, zu behaupten, dass sich ein Land oder eine Ländergruppe von anderen abkoppelt. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich immer alle gleichzeitig oder im gleichen Tempo in die gleiche Richtung entwickeln. So ist das Wirtschaftswachstum in Schwellenmärkten dreimal so hoch wie in Industrieländern, obwohl der Handel zwischen diesen beiden Ländergruppen kräftig zugenommen hat und weiter zunimmt.

Was halten Sie vom globalen Wirtschaftsaufschwung? Steht uns möglicherweise ein Douple-Dip-Szenario ins Haus?

Nein, es wird von den Regierungen in aller Welt eine Menge Kapital ins Wirtschaftssystem gepumpt. Eine Rezession mit zwei Tiefpunkten („Double Dip“) ist daher nicht sehr wahrscheinlich.

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