Panzerknacker 2.0 arbeiten mit Facebook

Kategorie: Kreuz&Quer - Skurriles & Schmunzeln | Datum: 02.08.2011

Wenn Offline-Kriminelle online gehen – Internet-Verabredung endete mit Raubüberfall.

Dass es Cyberkriminelle gibt, ist bekannt. Ihre Methoden, um an Identitätsdaten, Passwörter, Kontozugangsdaten zu kommen und damit Geld abzufischen oder Betrügereien aus sicherer Entfernung zu starten, auch. Cyberkriminelle sind die Ausgeburt des weltweiten Internet. Es gab sie vorher nicht.

Facebook hat’s nicht leicht: gefälschtes Profil als Grundlage für einen Raubüberfall

Aber jetzt finden anscheinend auch Online- und Offline-Verbrechen zueinander. Klingt fast romantisch, ist in Wahrheit aber erschreckend – und leider wahr. Bekanntschaften über Facebook zu knüpfen, ist ja heute nichts Besonderes mehr. In Belgien ist der Manager eines Supermarkts dieser Art von Beziehungsanbahnung nun aber einem echten Offline-Verbrechen zum Opfer gefallen. Statt eines trauten Stelldicheins erwartete ihn eine Bande, die mit den erbeuteten Schlüsseln den Safe des Supermarkts ausraubten.

Soziale Netzwerke sind eine wunderbare Sache, um Freundschaften zu pflegen. »Leider verführen die Online-Welt und ihre vermeintliche Anonymität zu einem leichtsinnigen Umgang mit persönlichen Informationen und Bekanntschaften«, ärgert sich Rik Ferguson. Director Security Research & Communication EMEA beim Datensicherheitsunternehmen Trend Micro. »Während die einen praktisch ihr ganzes Leben in ihren Profilen preisgeben, missbrauchen die Kriminellen die öffentlich zugänglichen Angaben für ihre Machenschaften.«

Statt einer Räubermaske tarnten sich die Verbrecher in diesem belgischen Fall mit einem gefälschten Facebook-Profil. Was dann passierte, liest sich wie das Drehbuch eines billigen Vorabendkrimis: Als junge Frau »verkleidet« suchten sie den Kontakt zu dem Manager – mit Erfolg: Schon nach kurzer Zeit kam es zu einer Verabredung zu einem Abendessen.

Am vereinbarten Treffpunkt wurde der Manager jedoch nicht mit Zuneigung überhäuft, sondern überfallen. Einer der Räuber nahm dem Gefesselten die Schlüssel zur Wohnung ab, wo er die Schlüssel zum Supermarkt fand, während ein Komplize den Wehrlosen bewachte. Kurze Zeit später räumte der dritte Gangster den Supermarktsafe leer.

»Soziale Netzwerke scheinen die Welt auf den Kopf zu stellen«, sinniert Ferguson, der u.a. im Unternehmensauftrag als »Certified Ethical Hacker« legale Tests mit den Mitteln und Vorgehensweisen eines richtigen Hackers ausführt und darüber einen Blog führt. »Ausgerechnet in der Online-Welt, wo das Gegenüber einen nur das sehen lassen kann, was er oder sie sehen lassen will, herrscht eine Gutgläubigkeit vor, die wir in der realen Welt so nicht walten lassen würden.«

Doch auch für die Online-/Offline-Gangster scheinen – zumindest in diesem Fall –die Grenzen zwischen Online- und Offline-Welt zu zerfließen: Denn zwei der Räuber wurden auf ihrem Beutezug gefilmt – ohne Maske. Wären Gangster früher wirklich so unvorsichtig gewesen? Vermutlich waren sie vorher reine Cyberkriminelle, und saßen ohne Maske vor dem Bildschirm. Die belgische Polizei hat jedenfalls die Videos von den beiden gefilmten mutmaßlichen Kriminellen hier veröffentlicht und nimmt sachdienliche Hinweise entgegen – per Telefon oder Online-Formular. (eh)

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Über den Autor:

Engelbert Hörmannsdorfer,
Kolumnist

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