Ökonom: Gefahr für China wegen Investitionsblase und Handelskrieg

Kategorie: Asien-News | Asien Kolumne | Datum: 19.10.2010

Hamburg (BoerseGo.de) - Zur Wirtschaft Chinas hat der renommierte US-Ökonom Michael Pettis gegenüber der “Financial Times Deutschland” Stellung bezogen. Danach werde sich der chinesische Wachstumsboom noch für eine begrenzte Zeit fortsetzen. Die Party könne noch so lange anhalten, so lange in dem Land die Investitionen weiter steigen. Im gleichen Maße würden jedoch die Langzeitkosten zur Anpassung anziehen.

Zudem kritisiert der Experte die Exportorientiertheit Chinas. Die Angst vor einem Handelskrieg nehme weltweit zu, zumal rund um den Globus Staaten zugunsten des eigenen Exportsektors intervenieren. Im Fokus stehe der an China erhobene Vorwurf der Währungsmanipulation. Der Überschuss der chinesischen Handelsbilanz sei auf die Kombination einer unterbewerteten Währung, künstlich niedriger Zinssätze und einer signifikanten Lücke zwischen Produktivitätswachstum und Lohnsteigerung zurückzuführen.

Ökonomen hätten Einigkeit darüber, dass zur Verringerung von weltweiten Handelsungleichgewichten Überschussländer wie China gefordert sind ihren Binnenkonsum zu fördern. Die unterbewertete Währung verteuere Importe und wirke wie eine Konsumsteuer. Die Höhe der von der Zentralbank bestimmten Zinsen sei um drei bis vier Prozentpunkte zu niedrig. Dabei handle es sich um eine Subvention für Industrie, Banken und Investoren. Durch den deutlich langsameren Anstieg der Löhne gegenüber der Produktivität würden die Arbeitnehmer belastet.

Das chinesischen Wachstumsmodell basiere vor allem auf einer Subventionierung des Haushaltssektors. Die Regierung habe zwar das Problem erkannt, werde es aber voraussichtlich nicht rasch lösen. Als notwendig erachtet Pettis die Anhebung der Währung, Zinsen und Löhne. Dies bedeute jedoch einen Wegfall der Subventionen. Ein solches Vorgehen dürften viele chinesische Hersteller nicht überleben. Durch die Finanzkrise habe sich Chinas Wachstumsmodell sogar verstärkt. So etwa in Form der infolge des Exporteinbruchs über Niedrigzinsen finanzierten massiven Infrastrukturprojekte. Bereits vor der Krise habe es in China Rekord-Investitionsquoten gegeben. Das Land investiere viel zu viel.

Die offizielle Angabe Pekings, dass 26 Prozent der Kredite auf Provinzebene entfallen dürfte untertrieben sein. China werde wie schon in der Vergangenheit die Haushalte zur Begleichung von Rechnungen zwingen. Daher sei über den privaten Konsum kein Wachstum zu erwarten. Durch die Krise habe der Anteil der Haushaltseinkommen zur Wirtschaftsleistung von 45 Prozent in 2000 auf 35 Prozent abgenommen.

In Japan habe die Aufarbeitung der Folgen exzessiver Investitionen in den 80er-Jahren eine Dauer von 20 Jahren beansprucht. China ziehe aus dieser Erfahrung und aus der Asienkrise falsche Lehren. In Japan sei durch ein zu langes Warten für eine Währungsaufwertung und ein gleichzeitiges Senken der Zinsen ein Problem entstanden. Der unterbewertete Yen habe in den USA zu enormer Arbeitslosigkeit geführt. Falls Japan keine Aufwertung vorgenommen hätte, wäre die USA gegenüber Japan mit einer Strategie von noch viel schmerzhafteren Zöllen vorgegangen. Ein solches Szenario drohe nun China. Die aktuelle Situation lasse sich nicht aufrecht halten. Die Überschüsse Chinas setzt der Experte mit den Defiziten anderer Länder gleich. Die Überschussländer würden unter der Anpassung und unter einem Handelskrieg am meisten leiden. In den 30er-Jahren sei dies die USA gewesen, in den 80er-Jahren Japan. Nun dürfte es China sein, führte Pettis weiter aus. Michael Pettis lehrt seit neun Jahren an chinesischen Universitäten. 

Bild: ©www.flickr.com/Augapfel

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