Für Touristen hat München schon seit jeher allerhand Sehenswürdigkeiten zu bieten. Derzeit kommt noch eine dazu: Das zeitgenössische Kunstprojekt »Seven Screens« von Osram startete vor wenigen Tagen.
Die Seven Screens sind sieben gut sechs Meter hohe Lichtstelen auf einer Wiese entlang des Osram-Hauses am Mittleren Ring in München. Mit LED beleuchtet, stehen sie als überdimensionale Leinwände Licht- und Medienkünstlern zur Verfügung. Über eine dreiviertel Million RGB-Hochleistungs-LEDs sind in den Säulen verbaut und können über Lichtwellenleiter von einem zentralen Rechnerraum aus gesteuert werden. In einem Rasterabstand von zehn Millimetern installiert, ermöglichen es pro Lichtfläche 55.296 LEDs die Säulen mit statischen und bewegten Bildern zu bespielen.
Das soeben gestartete zehnte Projekt gestaltete die renommierte Fotografin und Filmemacherin Herlinde Koelbl, die darin die Bedeutung des Sehens thematisiert. Ihre Arbeit feiert das Sehen als Grundlage jeder Kommunikation und als wesentlicher Ausdruck des Lebens. Mit dem Blick auf die Welt, mit dem Blick auf das Du beginnt alles: das Erkennen, das Wahrnehmen, das Sehen, der Austausch. Wir sehen alles durch unsere Augen, und in den Augen ist wiederum alles sichtbar. Wie der erste und der letzte Atemzug, so markieren das erste Öffnen und das letzte Schliessen der Augen den Kreis des Lebens. Der Titel ihrer Arbeit »Du hast mich verzaubert mit einem Blick deiner Augen« entstammt dem Hohelied Salomos.
In Lindau geboren, ist Herlinde Koelbl eine der renommiertesten deutschen Fotografinnen und Dokumentarfilmerinnen. Von Beginn an wählte sie ihre Themen selbst und arbeitete an ihren Fotoserien oft jahrelang, um das für sie Essentielle herauszufiltern. Es geht ihr nicht um den schnellen Blick, sondern um das Erkennen von Strukturen und Verborgenem. Herlinde Koelbls Projekte tragen eine eigenwillige und unverwechselbare künstlerische Handschrift. Couragierte Offenheit und eine schnörkellose Klarheit kennzeichnen ihren Stil. In ihren Bildern spürt man dieses intensive Einlassen, erlebt intime Momente und ist fasziniert von der Eindringlichkeit der Bildprache.
Wer sich die derzeitigen Seven Screens anschauen will: Sie stehen bis zum 15. Mai 2012 vor dem Osram-Gebäude am Mittleren Ring, Hellabrunner Str. 1, 81543 München. (eh)
Engelbert Hörmannsdorfer,
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