Die Einigung der EU-Staats- und Regierungschefs auf umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise in Europa sorgte für ein regelrechtes Feuerwerk bei den deutschen Mid Caps. Zudem ließen positive Unternehmenszahlen neue Hoffnungen aufkommen, dass der erwartete Rückgang beim deutschen Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr geringer als befürchtet ausfallen werde.
Mit ausgesprochen positiven Zahlen wartete beispielsweise Gildemeister auf. Der Werkzeug- und Maschinenbauers steigerte im dritten Quartal den Umsatz um 27 Prozent auf 419,7 Mio. Euro. Der Auftragseingang stieg um 49 Prozent auf 540,7 Mio. Euro. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag das Ergebnis bei 34 Millionen Euro, was annähernd einer Verdoppelung entspricht. Das Ergebnis lag über den Erwartungen der Analysten. Vor allem der Bereich Werkzeugmaschinen sowie das Service-Geschäft legten kräftig zu, während es im noch jungen Bereich Erneuerbare Energien rückläufige Umsätze und ein negatives Ergebnis zu verzeichnen gab. Gildemeister will bei den sogenannten "Energy Solutions" einen Strategiewechsel hin zu industriellen Kunden vornehmen und muss dafür zunächst größere Investitionen tätigen. Ungeachtet dessen erhöhte Gildemeister seine Prognose für das Gesamtjahr 2011 und erwartet nunmehr einen Auftragseingang von über 1,9 Mrd. Euro und einen Umsatz von über 1,6 Mrd. Euro. Auch beim Jahresüberschuss wird mit deutlichen Zuwächsen gerechnet. Die Aktie reagierte positiv auf die Zahlen. Nachdem der Titel im Zuge der Korrektur von 15 auf 9 Euro abgestürzt war, konnte er zuletzt wieder einen Teil der Verluste aufholen. Aufgrund des positiven Zahlenwerks stehen die Chancen gut, dass nun auch der charttechnische Widerstand bei 12 Euro überwunden werden kann. Dies würde der Aktie zusätzliche Dynamik verleihen.
Licht und Schatten gab es bei Vossloh. Der Bahntechnikkonzern verzeichnete in den ersten neun Monaten einen Rückgang des Konzernumsatzes von 1,01 Mrd. auf 863,8 Mio. Euro. Der Konzernüberschuss schrumpfte von 75,9 auf 39,2 Mio. Euro. Wesentlicher Grund hierfür sind zeitliche Verschiebungen bei Projekten in China. Darüber hinaus hat der Baustopp in Libyen die Geschäftsentwicklung belastet. Letztendlich schnitt der Konzern allerdings besser ab als von vielen Analysten befürchtet. Das Management bekräftigte zudem seine Ziele für das Gesamtjahr, wonach der Umsatz bei rund 1,2 Milliarden Euro und der Gewinn vor Steuern und Zinsen zwischen 90 und 100 Millionen Euro liegen soll. Zudem konnte ein neuer Auftrag von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) über die Lieferung von 25 Niederflur-Stadtbahnen vermeldet werden. Das Gesamtvolumen des Auftrags wurde auf insgesamt rund 75 Mio. Euro beziffert. Angesichts prall gefüllter Orderbücher ist der Vorstand optimistisch, im kommenden Jahr wieder an Fahrt zu gewinnen. Der Auftragsbestand liege mit rund 1,4 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahreswert von 1,1 Milliarden. 2012 soll zudem ein Großteil der verschobenen Projekte nachgeholt werden, so dass wieder Umsatz- und Ergebnissteigerungen zu erwarten seien. Für Phantasie bei der Aktie sorgen auch immer wieder aufkommende Spekulationen, dass der Großaktionär Heinz Hermann Thiele, Eigentümer des Bremsenherstellers Knorr-Bremse, seine Anteile weiter aufstocken könnte. Dies sollte die Aktie mittelfristig beflügeln. Der Titel legte nach Veröffentlichung der Zahlen deutlich zu. Wird nun auch noch der charttechnische Widerstand bei 78,50 Euro nachhaltig überwunden, dürfte die Aktie weiter an Fahrt gewinnen.
Von Ralf Rockenmaier

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