Von Florian Faust
Schwacher Aktienmarkt dank schwachem Arbeitsmarkt. So lässt sich das Marktgeschehen am Freitagmittag (Ortszeit) an Wall Street zusammenfassen. Und wie am Vortag bei der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen sich Anleger enttäuscht. Denn trotz zuletzt positiver Signale vom US-Arbeitsmarkt kommt der Beschäftigungsaufbau in den USA einfach nicht in Schwung. Mit einem Stellenzuwachs von nur 80.000 wurde die Erwartung einer Zunahme um 100.000 Stellen im Juni deutlich verfehlt. Am Vortag hatte der Arbeitsmarktbericht des privaten Dienstleisters ADP noch Hoffnungen auf eine positive Überraschung geweckt. Insofern zeigen sich Händler über die Abschläge am Aktienmarkt nicht verwundert.
Der Dow-Jones-Index (DJIA) verliert 1,3 Prozent auf 12.725 Punkte. Der S&P-500 sinkt um 1,2 Prozent auf 1.351 Zähler und der technologielastige Nasdaq-Composite fällt um 1,6 Prozent auf 2.929 Stellen. Am Markt wird auf die Bedeutung des Arbeitsmarktes für die weitere konjunkturelle Entwicklung einer Volkswirtschaft verwiesen, bei der 70 Prozent des BIP am privaten Konsum hängen. Die Spekulationen auf eine weitere Runde der Geldmengenausweitung durch die US-Notenbank bleibe nach den schwachen Arbeitsmarktdaten bestehen. Dies federe die Aktienmärkte nach unten etwas ab, heißt es. Aber auch diese Sicht gerät ins Wanken: "Die Daten sind letztlich nicht schlecht genug, um die Aussichten auf eine dritte Runde quantitativer Lockerungen in den USA nachhaltig zu steigern", merkt Devisenstratege Alan Ruskin von der Deutschen Bank an.
Zu den düsteren Wachstumsaussichten passen Aussagen von Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Französin kündigte eine Senkung der IWF-Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum noch im Juli an. Daneben sorgt die Schuldenkrise weiterhin für Unruhe. Der erneute Anstieg der Renditen in der Euro-Peripherie deutet auf ein nachlassendes Vertrauen in die EU-Gipfelbeschlüsse vom vergangenen Freitag hin.
Vor dem Hintergrund von Konjunkturschwäche und Eurokrise steuern Anleger den vermeintlich sicheren Hafen der US-Staatsanleihen an. Deren Notierungen ziehen deutlich an und schicken die Renditen auf Talfahrt. Eine zehnjährige US-Anleihe bringt nur noch 1,55 Prozent. "Zum dritten mal in Folge ist der Stellenzuwachs unter 100.000 geblieben", begründet Rentenstratege Dan Greenhaus von BTIG die fallenden US-Renditen. Nur der Umstand, dass das US-Schatzamt in der kommenden Woche neue Schuldtitel im Gesamtvolumen von 66 Milliarden Dollar begeben will, bremse die Talfahrt der Renditen etwas.
Neben dem Aktienmarkt und den US-Renditen geht es auch für den Euro stramm talwärts. Die Gemeinschaftswährung baut ihre Vortagesverluste noch einmal aus und fällt auf ein Zweijahrestief zum Dollar. Sie fällt mit den schwachen US-Arbeitsmarktdaten unter 1,23 Dollar. Angesichts der trüben Konjunktur sei Sicherheit gesucht und die biete der Dollar - nicht aber der Euro, heißt es im Handel. Dollarrally und Wachstumssorgen treiben Investoren aus dem Öl, die Preise am Ölmarkt sinken deutlich. Und dies trotz der drohenden Streikausweitung in der norwegischen Ölförderindustrie sowie der Iran-Krise. Die europäische Rohölsorte Brent fällt aktuell unter die Marke von 99 Dollar zurück. Ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI ermäßigt sich auf 84,83 Dollar und wird damit knapp 3 Prozent unter Vortagesschluss gehandelt. Ein steigender US-Dollar macht Öl für Anleger außerhalb des Dollarraums kostspieliger.
Die Aufwertung der US-Devise belastet auch den Goldpreis, der signifikant unter die Marke von 1.600 Dollar die Feinunze fällt. "Man hätte mit den enttäuschenden US-Daten eigentlich auf einen steigen Preis setzen können, aber die Euro-Schwäche macht solche Überlegungen zu Nichte", sagt HSBC-Rohstoffanalyst James Steel.
Bei den Einzelwerten stehen die Aktien von Seagate Technology unter Druck, sie verlieren 1,8 Prozent auf 24,62 Dollar. Der Anbieter von Laufwerken senkte die Ertragserwartungen für das vierte Geschäftsquartal. Die Titel von Informatica brechen um 28,7 Prozent auf 30,93 Dollar ein. Der Softwarekonzern wartete mit einer Gewinnwarnung auf. Die trüben Aussichten belasten auch andere Aktien aus dem Segment für Unternehmenssoftware; Teradata, Citrix Systems und VMware geben bis zu 10 Prozent nach.
Die Anteilsscheine des Anbieters von Datenspeichertechnologie Xyratex schnellen dagegen um 12,8 Prozent auf 13,22 Dollar in die Höhe. Die Gesellschaft übertraf die Erwartungen im zweiten Quartal und lieferte einen positiven Ausblick auf die laufende Periode. Das japanische Unternehmen ABC-MART übernimmt LaCrosse Footwear für 138 Millionen Dollar, LaCrosse katapultieren um 81 Prozent auf 19,87 Dollar empor.
INDEX zuletzt +/- % absolut DJIA 12.728,04 -1,31 -168,63 S&P-500 1.350,96 -1,22 -16,62 Nasdaq-Comp. 2.930,59 -1,53 -45,53 Nasdaq-100 2.604,72 -1,61 -42,75 DEVISEN zuletzt '+/- % Fr, 7.00 Uhr Do, 17.40 Uhr EUR/USD 1,2303 -0,63% 1,2381 1,2374 EUR/JPY 97,9199 -1,05% 98,9541 98,9070 EUR/CHF 1,2010 -0,02% 1,2013 1,2011 USD/JPY 79,5925 -0,42% 79,9250 79,9295 GBP/USD 1,5487 -0,26% 1,5527 1,5523
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