Von Steffen Gosenheimer
Abwarten bestimmt am Mittwoch das Geschehen an den europäischen Finanzmärkten. Vor der mit Spannung erwarteten Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag halten sich die Akteure merklich zurück. Hinzu kommt, dass in den USA wegen des Unabhängigkeitstages kein Handel stattfindet, von dort also keine Impulse kommen werden.
Die leicht positiven Vorgaben der Börsen in den USA und Asien finden in Europa bislang keine Fortsetzung. Nach den jüngsten Gewinnen geht es mit den Indizes leicht nach unten. Der Euro-Stoxx-50 gibt um 0,4 Prozent nach auf 2.312 Punkte, der DAX verliert ebenfalls 0,4 Prozent auf 6.553 Zähler.
Von der EZB erwartet der Markt mehrheitlich eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Einige Akteure halten daneben weitere Maßnahmen für denkbar, beispielsweise die Auflage eines dritten Liquiditätstenders oder den Kauf von Staatsanleihen. Die Notenbank könnte auch den Einlagensatz für Banken von 0,25 Prozent auf Null senken, heißt es. Dann würden die Institute kein Geld mehr dafür bekommen, wenn sie Liquidität bei der EZB hinterlegen. Befürworter einer solchen Maßnahme argumentieren, dass den Banken auf diese Weise der Anreiz genommen würde, ihr bei der EZB geborgtes Geld eben dort wieder anzulegen. Skeptiker glauben jedoch nicht, dass dies klappen wird, so lange die Unsicherheit über den Fortgang der Euro-Krise hoch ist.
Die entscheidende Frage zunächst sei, wie viel die Märkte von der erwarteten Zinssenkung schon vorweggenommen haben, heißt es im Handel. "Es hat mich überrascht, wie stark die Börsen sich gestern noch einmal entwickelt haben. Das spricht für die verbesserte Lage. Auch charttechnisch sieht es gut aus", bemerkt ein Teilnehmer.
An den Anleihemärkten herrscht weiter Erleichterung nach den Gipfelbeschlüssen aus Brüssel, insbesondere zu direkten Finanzhilfen der Banken beim Rettungsschirm ESM. Die Renditen spanischer und italienischer Zehnjahrestitel sinken weiter. Spanische Zehnjahrespapiere werfen mittlerweile noch 6,15 Prozent ab, nachdem es in der Vorwoche noch über 7 Prozent waren.
Der Euro zeigt sich im frühen Handel in Europa mit Ständen um 1,2580 Dollar etwas leichter als am Vorabend. Am Dienstagnachmittag hatten überraschend gut ausgefallene US-Konjunkturdaten für eine erhöhte Risikofreude der Anleger gesorgt, von der auch der Euro profitierte. "Wir erwarten den Devisenmarkt bis Donnerstag in einer Konsolidierungsbewegung. Dann könnten weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen der Bank of England und der EZB die weltweite Risikoneigung weiter stützen", so Marktexperte Vassili Serebriakov von Wells Fargo Bank.
Devisenexpertin Kathy Lien von BK Asset Management hält es dagegen für möglich, dass die EZB die Erwartung einer Zinssenkung um 25 Basispunkte enttäuschen wird. "Wenn die EZB eine fiskalpolitische Lösung der Probleme will, dann wird sie nicht einfach die europäischen Regierungschefs mit einer Zinssenkung oder einem Liquiditätstender dafür belohnen, dass sie in Sachen Fiskalunion zu kurz gesprungen sind", so Lien weiter. Sollte die Zinssenkung ausbleiben, sei ein kurzes Anspringen des Euro wahrscheinlich.
An den Börsen scheint die Vorsicht zu überwiegen, denn Tagessieger sind bislang eindeutig nichtzyklische Sektoren. Am stärksten legt der Index der Nahrungsmittelwerte zu, er steigt um 0,3 Prozent und wird gefolgt von den ebenfalls als defensiv geltenden Branchen Telekom und Pharma.
Größter Verlierer sind die Versorgeraktien, deren Index um 1,1 Prozent nachgibt. Hier belastet das Minus des Schwergewichts E.ON, das um gut 3 Prozent nachgibt. Die Einigung von E.ON mit Gazprom beurteilen Analysten zwar positiv, allerdings dürften die Entwicklungen auf den Energiemärkten in Deutschland sowie den nord- und südeuropäischen Staaten weiterhin negativen Einfluss auf das operative Geschäft von E.ON haben, so die Analysten der Citigroup. Die Kollegen von J.P.Morgan merken an, dass sich damit auch der letzte der vier Kurskatalysatoren, die man identifiziert habe, erledigt habe. Beide Häuser haben die Aktie heruntergestuft; Citigroup auf "Sell" und J.P.Morgan auf "Neutral".
E.ON hatte am Dienstag gemeldet, sich bei den langfristigen Gaslieferverträgen mit seinem Hauptlieferanten Gazprom rückwirkend auf günstigere Preise geeinigt zu haben. Die milliardenschwere Entlastung schlägt sich auch im Ausblick von E.ON nieder - die Gewinnprognose für das laufende Jahr wurde fast verdoppelt.
Nur wenig besser als die Versorger entwickeln sich die zyklischen Bau- und die Energieaktien. Auch Bankenaktien werden überwiegend verkauft. Keine größeren Kursbewegungen gibt es im Automobilsektor, obwohl die jüngsten US-Absatzzahlen der deutschen Pkw-Hersteller positiv beurteilt werden.
Die Bayer-Aktie legt gegen den Trend leicht um 0,3 Prozent zu. Als strategisch richtig bewerten Händler den Kauf des US-Unternehmens AgraQuest durch Bayer. "Es ist sicher sinnvoll, dass Bayer sich im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes stärkt, denn wegen zunehmender Umweltauflagen geht der Trend in diese Richtung", meint ein Markteilnehmer.
DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 8.47 Uhr Di, 17.45 Uhr EUR/USD 1,2581 -0,14% 1,2599 1,2621 EUR/JPY 100,3783 -0,11% 100,4853 100,6952 EUR/CHF 1,2013 0,00% 1,2013 1,2011 USD/JPY 79,7950 0,05% 79,7590 79,7800 GBP/USD 1,5651 -0,18% 1,5678 1,5705 Kontakt zum Autor:
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