Von Thomas Leppert
Die europäischen Börsen profitierten weiterhin von den Beschlüssen des EU-Gipfels aus der Vorwoche. "Die Politiker haben an der richtigen Schraube gedreht", sagte ein Aktienhändler. Nachdem Gipfelbeschlüsse zuletzt nur für ein kurzes Kursfeuerwerk an den Börsen sorgen konnten, hielt die jüngste Gewinnserie zumindest den zweiten Tag an. Am Donnerstag könnte dann die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Gründe zum Kauf von Aktien liefern. Der Euro-Stoxx-50 beendete den ersten Handelstag des 2. Halbjahres mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 2.292 Punkten. Für den DAX ging es um 1,2 Prozent auf 6.496 Punkte nach oben.
Das Kaufinteresse der Investoren begründeten Marktteilnehmer aber auch der mit Zinsfantasie vor der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag. Volkswirte rechnen damit, dass die europäischen Währungshüter den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Bestehen der Zentralbank senken werden.
Neue Daten zu den Einkaufsmanagerindizes aus Europa hellten am Vormittag die Stimmung zudem etwas auf. So ist der Index für die Eurozone in zweiter Lesung höher ausgefallen als erwartet. Gleiches gilt auch für den entsprechenden deutschen Index. Negative Signale sendeten dagegen die Einkaufsmanager-Indizes aus den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. So ist in China die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe auf den niedrigsten Stand seit sieben Monaten gefallen. Auch die US-Wirtschaft schrumpft, der ISM-Index ist das erste Mal seit 37 Monaten unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten gefallen.
Der Euro hat einen kleinen Teil seiner Kursgewinne vom Freitag abgegeben und verabschiedete sich mit Kursen bei 1,2587 zum Dollar aus dem europäischen Handel. Die Devisen-Experten der UBS wären nicht überrascht, wenn es für den Euro wieder nach unten gehen würde. Es dürfte sich bei den Investoren die Erkenntnis durchsetzen, dass die getroffenen Entscheidungen nur begrenzte Auswirkungen haben werden. Die Entscheidungen vom Freitag hätten dem Euro wiederum "nur etwas Zeit gekauft". Auf Sicht von einem Monat sieht die UBS den Euro bei 1,24 Dollar. In rund drei Monaten wir die Gemeinschaftswährung bei 1,20 Dollar gesehen.
Credit Agricole will Schlussstrich unter Griechenland-Ausflug ziehen
Die französische Credit Agricole kann möglicherweise bald einen Schlussstrich unter ihr defizitäres Griechenland-Engagement ziehen. Griechenlands größte Bank, die National Bank of Greece, führt Gespräche über eine Kooperation mit den Franzosen. Am Aktienmarkt nährte dies die Spekulation, dass die NBG die verlustträchtige Credit-Agricole-Tochter Emporiki übernehmen will. Die Aktie der Credit Agricole legte in Paris um 6,9 Prozent zu. Da die Banken klar zu den Gewinnern der Gipfel-Beschlüsse zu zählen sind, legte der Sub-Index der europäischen Finanzhäuser um 1,9 Prozent zu.
Linde kauft wieder zu
Das Schlusslicht im DAX stellte die Aktie von Linde, die um 1,7 Prozent auf 120,60 Euro nachgab. Der Gase- und Anlagenbaukonzern will durch einen Zukauf zum weltweiten Marktführer im Geschäft mit medizinischen Gasen aufsteigen. Für insgesamt 4,6 Milliarden US-Dollar will Linde den US-Wettbewerber Lincare übernehmen. Die geplante Akquisition ist die größte für Linde seit 2006. Mit Lincare würde der DAX-Konzern den französischen Erzrivalen Air Liquide an der Spitze dieses Marktes ablösen. Analysten sprechen von einem sinnvollen Schritt. Einige Kritiker monierten jedoch die Höhe des Preises und die angekündigte Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Zukaufs.
Konsolidierung bei Klinikbetreibern zunächst gescheitert
Die Übernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius ist zunächst gescheitert. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern scheiterte mit dem Vorhaben an der selbst gesteckten hohen Annahmeschwelle. Zwar konnte der Konzern bis zum Ende der Annahmefrist 84,3 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte erzielen, das war aber zu wenig für den Erfolg. Fresenius hatte zur Bedingung für die Übernahme eine Mindestannahmequote von 90 Prozent plus eine Aktie gemacht. Die Aktie von Rhön-Klinikum verbilligte sich um 8,9 Prozent, Fresenius-Titel legten um 0,7 Prozent zu.
Europäische Schlussindizes am Montag, 2. Juli:
Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2292,08 27,36 +1,2% -1,1
Stoxx-50 2419,42 38,43 +1,6% 2,1
Stoxx-600 254,82 3,65 +1,5% 4,2
Frankfurt XETRA-DAX 6496,08 79,80 +1,2% 10,1
London FTSE-100 5640,64 69,49 +1,2% 1,3
Paris CAC-40 3240,20 43,55 +1,4% 2,5
Amsterdam AEX 310,27 2,96 +1,0% -0,7
Athen ATHEX-20 227,64 0,50 +0,2% -14,1
Brüssel BEL-20 2254,13 26,50 0% 8,2
Budapest BUX 17277,24 -63,83 -0,4% 1,8
Helsinki OMXH-25 1906,32 34,64 +1,9% -1,8
Istanbul NAT30 74426,00 1394,97 +1,9% 20,6
Kopenhagen OMXC-20 451,39 5,35 +1,2% 15,8
Lissabon PSI 20 4697,96 107,42 +2,3% -12,5
Madrid IBEX-35 7102,20 21,80 +0,3% -16,8
Mailand FTSE-MIB 14308,79 34,42 +0,2% -5,2
Moskau RTS 1357,44 30,52 +2,3% -1,8
Oslo OBX 378,65 3,10 +0,8% 5,9
Prag PX 911,50 10,60 +1,2% 0,0
Stockholm OMXS-30 1024,86 5,79 +0,6% 3,8
Warschau WIG-20 2254,86 -20,44 -0,9% 5,1
Wien ATX 2013,72 38,37 +1,9% 6,5
Zürich SMI 6109,41 42,55 +0,7% 2,9
DEVISEN zuletzt '+/- %
EUR/USD 1,2596 0,10%
EUR/JPY 100,0692 -0,07%
EUR/CHF 1,2012 -0,02%
USD/JPY 79,4375 -0,16%
GBP/USD 1,5680 0,26%
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