MÄRKTE ASIEN/Notenbankenaktionen verpuffen weitgehend

Kategorie: Marktberichte | Asien-News | Marktberichte (Dow Jones) | Top-Artikel (Dow Jones) | Datum: 06.07.2012

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Von Jörn Rehren

Die meisten asiatischen Aktienmärkte haben sich am Freitag wenig beeindruckt von den Maßnahmen der Notenbanken gezeigt und leicht im Minus geschlossen. Eine der wenigen Ausnahmen war die Börse in Schanghai. Hier setzte sich - allerdings erst im späten Handel - die Interpretation durch, dass die überraschende Zinssenkung der chinesischen Notenbank der immer schleppenderen Konjunktur einen Schub verleihen könnte. Zudem weckte sie die Hoffnung, dass die chinesische Regierung in Zeiten des bevorstehenden Machtwechsels entschlossen für weiteres Wachstum sorgen will.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass China vor und nach dem wichtigen Parteitag der Kommunisten in diesem Jahr weitere Maßnahmen auf den Weg bringen wird, um das Wachstum zu stabilisieren", sagte Zeng Xianzhao, Analyst bei Everbright Securities. An den übrigen Märkten hätten sich die Anleger nach den Zinssenkungen in Europa und China dagegen mehr darum gesorgt, dass die Entscheidungsträger ein immer düsteres Bild vom Zustand ihrer Wirtschaft hätten, hieß es von anderer Seite.

An der Tokioter Börse sank der Nikkei-Index um 0,7 Prozent, nachdem vor allem Exportwerte wegen des etwas festeren Yen unter Druck standen. In Seoul fiel der Kospi um 0,9 Prozent und in Sydney der S&P ASX/200 um 0,3 Prozent. In China war das Bild uneinheitlich. Während der Hongkonger Hang-Seng-Index kaum verändert aus dem Handel ging, stieg der Shanghai Composite nach einer Schlussrally um 1 Prozent.

Die chinesische Notenbank hatte am Vortag überraschend die Zinsen zum zweiten Mal innerhalb eines Monats gesenkt und damit auf den stärksten Konjunktureinbruch seit der globalen Finanzkrise reagiert. Während sie damit die Wirtschaft stimuliert, bringt sie die chinesischen Banken stärker in die Bredouille. Denn die Vorgabe für den Kreditzins der Banken wurde etwas stärker gesenkt als die für den Anlagezins. Das setzt die Gewinnmarge der Banken weiter unter Druck.

Bankentitel, die sich seit der vorherigen Zinssenkung ohnehin schon schwach entwickelt haben, gaben deshalb zumeist nach: In Schanghai verloren die Aktien der China Merchants Bank 2,6 Prozent und der Hua Xia Bank 2 Prozent. In Hongkong fielen die Titel der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) um 0,7 Prozent und die der China Construction Bank um 2,7 Prozent.

Auf der anderen Seite profitierten Immobilientitel von den jetzt günstigeren Finanzierungsbedingungen: In Schanghai kletterten die Aktien von Shanghai Xinmei um die für einen Börsentag maximal möglichen 10 Prozent. Die Papiere von Poly Real Estate gewannen 5 Prozent und Vanke 3,9 Prozent. In Hongkong zogen China Overseas Land um 4,8 Prozent an und gehörten damit zu den größten Gewinnern. Analysten warnen aber, dass der Sektor schon seit der vorherigen Zinssenkung am 7. Juni gut gelaufen sei und die Luft deshalb jetzt dünner werde.

In Seoul reagierten die Anleger enttäuscht auf die Aussagen von Samsung Electronics zum zweiten Geschäftsquartal. Ein Analyst von Hyundai Securities sagte, dass Samsung beim operativen Gewinn zwar die Erwartung von 6,5 bis 6,7 Billionen Won (4,6 bis 4,7 Milliarden Euro) getroffen habe, aber einige hätten mehr als 7 Billionen erwartet. Die Aktie des Indexschwergewichts verlor 2 Prozent.

Am Devisenmarkt zeigt sich der Euro nach dem Kurseinbruch im Anschluss an die zumindest nicht überraschende Zinssenkung der EZB stabil bei knapp unter 1,24 US-Dollar. Am Donnerstagnachmittag war die Gemeinschaftswährung um mehr als einen Cent auf den tiefsten Stand seit Ende Mai abgestürzt. Grund war die Enttäuschung darüber, dass die EZB keine weiteren Maßnahmen zur Stimulierung der lahmenden europäischen Konjunktur bekannt gegeben hatte.

Am Freitag stehen nun die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten aus den USA auf der Agenda. Die am Vortag bekannt gewordenen, überraschend guten Daten zum privaten Jobmarkt stärkten die Hoffnung, dass auch die offiziellen Zahlen besser als erwartet ausfallen könnten. Einige Teilnehmer sorgen sich jedoch, dass die US-Notenbank bei zu guten Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt weniger geneigt sein könnte, noch in diesem Monat wieder die Notenpresse anzuwerfen.

 
INDEX                               Stand  +- in %  Handelsende 
aktuell                                                 (MESZ) 
S&P/ASX 200 (Sydney)             4.157,80   -0,27%        08.00 
Nikkei-225 (Tokio)               9.020,75   -0,65%        08.00 
Kospi (Seoul)                    1.858,20   -0,92%        08.00 
Shanghai-Composite (Schanghai)   2.223,58   +1,01%        09.00 
Hang-Seng-Index (Hongkong)      19.800,64   -0,04%        10.00 
Straits-Times (Singapur)         2.971,47   +0,77%        11.00 
 
DEVISEN    zuletzt  +/- %   0.00 Uhr  Do, 10.45 Uhr 
EUR/USD     1,2396  +0,0%     1,2391         1,2522 
EUR/JPY    99,0137  +0,0%    99,0056        99,7563 
USD/JPY    79,8730  -0,0%    79,9120        79,6700 
USD/KRW  1138,5500  +0,4%  1133,8000      1134,7900 
USD/CNY     6,3650  +0,1%     6,3560         6,3549 
AUD/USD     1,0277  -0,1%     1,0288         1,0273 

Kontakt zum Autor: joern.rehren@dowjones.com

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Bild: ©iStockphoto.com/Min-Gyu Seong

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