Von Jörn Rehren
Wenig beeindruckt von den Maßnahmen der Notenbanken zeigen sich am Freitag die asiatischen Aktienmärkte. Die meisten wichtigen Indizes wie auch der Euro geben leicht nach. Die Anleger machten sich angesichts der scheinbar konzertierten Zinssenkungen in Europa und China Sorgen, dass die Entscheidungsträger ein immer düsteres Bild vom Zustand ihrer Wirtschaft hätten, heißt es.
Die chinesische Notenbank hat am Vortag überraschend die Zinsen zum zweiten Mal innerhalb eines Monats gesenkt und reagierte damit auf den stärksten Konjunktureinbruch seit der globalen Finanzkrise. Die Zinssenkung belastet vor allem die chinesischen Banken, weil der Kreditzins stärker gesenkt wurde als der Anlagezins. Das setzt ihre Gewinnmarge unter Druck.
Insgesamt fallen die Kursverluste in der Region jedoch relativ gering aus. In China verliert der Shanghai Composite 0,5 Prozent und der Hongkonger Hang-Seng-Index 0,4 Prozent. In Japan gibt der Nikkei um 0,7 Prozent nach und der S&P ASX/200 in Australien um 0,4 Prozent. Stärker im Minus zeigt sich der Kospi in Seoul mit einem Abschlag von 1,3 Prozent.
Unter Druck stehen wegen der verringerten Zinsspanne vor allem Bankentitel, die sich seit der vorherigen Zinssenkung ohnehin schon schwach entwickelt haben: In Hongkong fallen die Titel der Industrial and Commercial Bank of China um 0,7 Prozent und die der China Construction Bank um 1,9 Prozent. In Schanghai verlieren die Aktien der China Merchants Bank 3,4 Prozent und der China Citic Bank 2 Prozent.
Auf der anderen Seite profitieren Immobilientitel von den jetzt günstigeren Finanzierungsbedingungen: Die Aktien von China Overseas Land and Investment sowie China Resources Land klettern um 2,7 bzw. 3,1 Prozent und gehören damit zu den größten Gewinnern in Hongkong. In Schanghai gewinnen Poly Real Estate 2,5 Prozent. Analysten warnen aber, dass der Sektor schon seit der vorherigen Zinssenkung am 7. Juni gut gelaufen sei und die Luft deshalb jetzt dünner werde.
In Seoul reagieren die Anleger enttäuscht auf die Aussagen von Samsung Electronics zum zweiten Geschäftsquartal. Ein Analyst von Hyundai Securities sagt, dass Samsung beim operativen Gewinn zwar die Erwartung von 6,5 bis 6,7 Milliarden koreanischen Won getroffen habe, aber einige hätten mehr als 7 Billionen erwartet. Die Aktie des Indexschwergewichts verliert 1,7 Prozent.
Am Devisenmarkt zeigt sich der Euro nach der zumindest nicht überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank nach dem Kurseinbruch unmittelbar nach der Entscheidung stabil bei 1,2380 US-Dollar. Am Donnerstagnachmittag war die Gemeinschaftswährung um mehr als einen Cent auf den tiefsten Stand seit Ende Mai abgestürzt. Grund war die Enttäuschung darüber, dass die EZB keine weiteren Maßnahmen zur Stimulierung der lahmenden europäischen Konjunktur bekannt gegeben hatte.
Am Freitag stehen nun die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten aus den USA auf der Agenda. Die am Vortag bekannt gewordenen, überraschend guten Daten zum privaten Jobmarkt stärkten die Hoffnung, dass auch die offiziellen Zahlen besser als erwartet ausfallen könnten, heißt es. Einige Teilnehmer sorgen sich jedoch, dass die US-Notenbank bei zu guten Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt weniger geneigt sein könnte, noch in diesem Monat wieder die Notenpresse anzuwerfen.
Am Ölmarkt hat der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI weiter nachgegeben. Er sank um 0,36 Dollar auf 86,86 Dollar.
INDEX Stand +- in % Handelsende aktuell (MESZ) S&P/ASX 200 (Sydney) 4.152,60 -0,40% 08.00 Nikkei-225 (Tokio) 9.018,88 -0,67% 08.00 Kospi (Seoul) 1.851,61 -1,27% 08.00 Shanghai-Composite (Schanghai) 2.190,71 -0,48% 09.00 Hang-Seng-Index (Hongkong) 19.729,41 -0,40% 10.00 Straits-Times (Singapur) 2.971,47 +0,77% 11.00 DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Do, 10.45 Uhr EUR/USD 1,2381 -0,1% 1,2391 1,2522 EUR/JPY 98,9755 -0,0% 99,0056 99,7563 USD/JPY 79,9250 +0,0% 79,9120 79,6700 USD/KRW 1139,0000 +0,5% 1133,8000 1134,7900 USD/CNY 6,3650 +0,1% 6,3560 6,3549 AUD/USD 1,0250 -0,4% 1,0288 1,0273
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