Mario Draghi hat ganze Arbeit geleistet. Die halbe Welt hat den EZB-Chef dazu „ermuntert“, mehr oder weniger unlimitiert Staatsanleihen am Markt aufzukaufen, um damit die Eurokrise einzudämmen. Doch Draghi blieb in dieser Hinsicht hart, nicht zuletzt wegen juristischer Restriktionen. Direkte Staatsfinanzierung ist der EZB aufgrund der EU-Verträge schlichtweg verboten, massive Käufe am Sekundärmarkt sind ebenso rechtlich fraglich.
Wie es scheint, hat die Europäische Zentralbank mit den LTROs aber ein Instrument gefunden, das zumindest vorübergehend seinen Zweck erfüllt.
LTRO steht für Longer Term Refinancing Operation. Also ein längerfristiges Refinanzierungsgeschäft. Die Banken hinterlegen mehr oder weniger werthaltige Wertpapiere als Sicherheit, und erhalten dafür Zentralbankgeld (Kredite) zu aktuell 1,00% Zinsen p.a.
Was längerfristig bedeutet, wurde zwischenzeitlich umdefiniert. Aus bisher drei Monaten bis maximal einem Jahr wurden nun drei Jahre. Das gibt den strauchelnden Banken so etwas wie Planungssicherheit in einer von Ungewissheit geprägten ökonomischen Welt.
Am 21 .Dezember 2011 startete die erste 3-Jahres-LTRO, und die Banken fragten knapp 500 Mrd. EUR nach. Es war ausdrücklicher Wunsch bzw. Hoffnung der EZB, dass die Geschäftsbanken das reichhaltige Liquiditätspolster zum Kauf von Staatsanleihen nutzen würden. Klingt ja auch verlockend – auf dem Höhepunkt der Krise rentierten z.B. italienische 10-jährige Staatsanleihen mit über 7% p.a. Das ist ein Bombengeschäft - sofern die Anleihen auch bedient werden, versteht sich.
Inzwischen sind die italienischen Renditen auf 5,6% gefallen – wer sich den Chart ansieht wird feststellen, dass der zeitliche Zusammenhang zur Ankündigung der LTRO wohl kaum zufällig sein kann. Auch klar ist aber, dass die Banken weiterhin einen Bogen machen werden um Langläufer von Staaten, die auf lange Sicht möglicherweise den Euro verlassen werden. Italien gilt als unverzichtbar in der Eurozone, Portugal dagegen nicht. Die Rendite der portugiesischen 10-jährigen Bonds liegt Stand heute denn auch bei 14,3%. Damit positioniert sich das kleine iberische Land unfreiwillig bereits als neues Griechenland, obwohl die Staatsverschuldung dort „nur“ bei 100% des BIP liegt. Griechenland kommt auf über 160% und wird selbst bei erfolgreichem Schuldenschnitt noch bei über 120% liegen.
Die LTROs scheinen im Moment ein probates Mittel, um Nachfrage in die Bonds der Staaten zu bringen, die aus Sicht der Banken zwingend in der Eurozone bleiben werden. Man muss das „im Moment“ betonen, denn die Perzeption der Krisenintensität hat sich deutlich verändert, wie sich auch an der Entwicklung der Aktienkurse ablesen lässt. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist bleibt abzuwarten. Der nächste Liquiditäts-Schub steht allerdings schon bereit. Ende Februar ist die nächste LTRO fällig, die Markterwartung geht bereits in Richtung 1 Bio. EUR – das sind 1000 Mrd! Mario Draghi hat gute Chancen, mit dieser Politik in die Geschichte einzugehen.
Daniel Kühn,
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