Nun hat sich also doch noch bei unserer letzten Sentiment-Erhebung in diesem Jahr auf den ersten Blick massiver Optimismus breitgemacht: Gemessen an unserem Bull/Bear-Index, hat dieser sogar den höchsten Stand seit dem 29. November 2006 erreicht. Nicht nur, dass ehemals neutral gestimmte Akteure auf Einkaufstour gegangen wären. Vielmehr mögen auch noch einmal 10 Prozent der Befragten, die sich zuletzt im Bärenlager befanden, zu der Überzeugung gekommen sein, dass die Wahrscheinlichkeit von Kursgewinnen für den Rest dieses Jahres höher sein werde, als die von Kursverlusten. Gleichzeitig ist das Bärenlager sogar auf den niedrigsten Stand seit mehr als sieben Jahren gefallen. Wenn man sich jedoch den Anstieg des DAX im Wochen vergleich von gerade einmal 2,8 Prozent dagegen ansieht, muss man sich allerdings fragen, ob hinter diesem massiven Optimismus tatsächlich auch entsprechend große Engagements stecken. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Basis der positiven Meinungen gerade während der vergangenen 24 Stunden deutlich verbreitert hat. Womit allerdings nicht zwangsläufig hohe Positionen einhergehen müssen. Womöglich haben von den bereits in der Vorwoche vorhandenen Bullen einige ihrer Bestände sogar leicht verringert. Material, das von anderen Akteuren dankbar aufgenommen worden sein mag. Der Hauptgrund für den Optimismus dürfte sicherlich nicht in den Wachstumsprognosen für Deutschland für das Jahr 2012 liegen, deren Konsens (das Gros der Vorhersagen befindet sich zwischen null und 0,6 Prozent) etwa Kommentatoren der FTD zu dem Schluss kommen ließ, hinter dieser engen Prognosespanne stecke ein „trügerischer Schein“ und auch ein gewisser Herdentrieb. Abgesehen davon, dass diese Zahlen Mittelwertschätzungen darstellen, sagen sie nichts über das Vertrauen der Analysten in ihre Vorhersagen aus. Im Gegenteil: Fast jeder Prognostiker verbindet derzeit seine Schätzung mit der auflösenden Bedingung: "solange es keine Überraschungen in der Eurokrise gibt". Und so bleibt als möglicher Beweggrund für den Optimismus der von der Börse Frankfurt befragten mittelfristigen Akteure die heutige Operation der EZB, die sage und schreibe dem Markt für drei Jahre Liquidität in Höhe von 489 Milliarden Euro - also am oberen Rand der zuletzt immer weiter gestiegenen Vorhersagen der Marktteilnehmer - zur Verfügung gestellt hat. In US-Dollar gerechnet entspricht dies der Größenordnung eines quantitativen Lockerungsprogramms der US-Notenbank. Aber mit einem großen Unterschied: Die Laufzeit der europäischen Operation ist begrenzt und zudem am Bedarf der Banken ausgerichtet. Am Ende sind die Akteure offenbar erst vor kurzem zu der Überzeugung gelangt, die Entscheidungen der EZB vom 8. Dezember seien vor allem bezüglich ihrer Wirksamkeit und Nachhaltigkeit viel positiver zu bewerten als von den meisten Analysten und Ökonomen ursprünglich gedacht. Dennoch muss dieser hohe Optimismus zum Jahresschluss nicht zwangsläufig als Bedrohung für den DAX interpretiert werden, vor allem wenn die Höhe der Positionen die augenscheinliche Euphorie nur zu einem geringen Teil widerspiegelt.
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Joachim Goldberg,
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