Großbritannien: Moody’s lässt schwarze Rosen regnen

Kategorie: boerse-go: Research | z externer Content Analyse Konjunktur | Datum: 14.02. 11:53

• Die amerikanische Ratingagentur Moody’s senkte über Nacht den Ausblick bzw. das Rating für mehrere europäische Länder, darunter auch für Großbritannien. Die Topnote konnte das Königreich jedoch (vorerst) behalten. Die Länder der Eurozone behandeln wir in einem separaten News Flash Compact. Ebenfalls negativ sieht Moody’s das Rating der Bank of England.

• Zur Begründung des negativen Ausblicks auf der Insel verweist die Agentur auf mehrere Punkte. Bisher konnte die britische Regierung mit ihrem Sparpaket und der konsequenten Umsetzung punkten. Dieses Faktum wird auch weiter positiv gesehen. Allerdings steht die Unsicherheit über die weitere Umsetzungsgeschwindigkeit mittlerweile in Frage. Eine Haushaltskonsolidierung bis zum Ende der Legislaturperiode (März 2015) hatten wir bereits 2010 für unmöglich gehalten, das Ziel ist bis 2017 geschoben worden. Das Verhältnis Gesamtverschuldung zu BIP sieht Moody’s bis 2014/15 auf rund 95% anwachsen. Insbesondere vor dem Hintergrund der schwächeren Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre sieht Moody’s das BIPWachstum ebenso wenig rosig wie wir. Manch Ratgeber der Regierung ist für zukünftige Wachstumsprojektionen hingegen deutlich optimistischer.

• Neben den positiven Aspekten auf der Insel (geringstes Refinanzierungsrisiko aller großen AAAStaaten, durchschnittliche Fälligkeitsstruktur der Staatsanleihen von fast 14 Jahren, starker Binnenkonsum, die Unterstützung der Bank of England) sieht Moody’s einige Gefahren für ein Verlust der Topbonität: schwächeres Wachstum, ein Zurückrudern der Regierung in Bezug auf das Sparpaket, ansteigende Finanzierungskosten sowie neuerliche Verspannungen im Bankensektor mit ausstrahlenden Effekten auf die Realwirtschaft.

• Die Staatsverschuldung wird zunehmend zum Problem. Schatzkanzler George Osborne begrüßt die heutige Entscheidung als „Realitätscheck“ und sieht seinen eingeschlagenen Sparkurs als vordringlichstes Ziel bestätigt. Die Opposition ist naturgemäß für eine andere Marschrichtung als die Regierung, jedoch warnte die Labour-Partei stets vor einem Kaputtsparen der Ökonomie. Mit dem aktuellen Wirtschaftsabschwung im IV. Quartal und der bevorstehenden technischen Rezession aufgrund eines erneut kontraktiven I. Quartals sprudeln die zur Konsolidierung dringend benötigten Steuereinnahmen nicht wie erwartet. Die Arbeitslosenquote trägt dazu ihr Übriges bei: Monat für Monat zahlen immer weniger Briten Steuern und Lohnabgaben, der Höhepunkt mit einer Quote von über 9% steht zudem erst noch bevor.

• Seit Monaten versucht die Regierung um David Cameron, das schwache Wachstum auf der Insel mit der europäischen Staatsschuldenkrise zu begründen. Obwohl viele Probleme hausgemacht sind (Beamtenapparat, Jugendarbeitslosigkeit, zu starke Fokussierung auf den Finanzdienstleistungssektor etc.), lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die handels- und finanzwirtschaftlichen Verflechtungen mit Kontinentaleuropa immens sind und somit über das Wohl oder Wehe der wirtschaftlichen Entwicklung auf der Insel entscheiden können. Dies bekommt Premier Cameron nun auch als einen der Gründe für den negativen Ausblick von Moody’s bescheinigt. Konsequenterweise erfolgte der negative Ausblick zum selben Zeitpunkt wie die schlechtere Neubewertung mehrerer Eurostaaten.

• Fazit: Passend zum Valentinstag hatte Moody’s gerade noch so eine Rose für Großbritanniens Kreditwürdigkeit, jedoch keine rote mehr, sondern eine schwarze. Der Ausblick wurde in der Nacht auf „negativ“ gesenkt, die Topbonität allerdings bei AAA belassen. Die Begründung ist in unseren Augen schlüssig, gerade vor dem Hintergrund der Verflechtungen zu Kontinentaleuropa und den dort ebenfalls schlechteren Beurteilungen diverser Staaten.

Quelle: Nord/LB

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