Gerüchte um Trichets Reisepläne

Kategorie: boerse-go: Research | Datum: 09.02. 08:28

EUR: Der EU-Sondergipfel am 11. Februar hat neue Brisanz erhalten, seit bekannt wurde, dass EZB-Chef Jean-Claude Trichet einen Tag früher als geplant eine Konferenz der Australischen Zentralbank verlässt, um an diesem Sondergipfel teilzunehmen. In der gegenwärtigen Situation schießen da natürlich Gerüchte ins Kraut. Soll etwa schon am 11. Februar ein Bailout Griechenlands und/oder ein Beistand für andere EU-Länder mit Haushaltsproblemen beschlossen werden? Kein Wunder, dass in diesem Umfeld CDS-Spreads eine Achterbahnfahrt unternehmen. Griechenland-5-Jahres-CDS schwankten gestern um über 20 Basispunkte, Portugal- CDS erreichten neue Höchststände. Wie interessant, dass EUR-USD in diesem Umfeld sich kaum nennenswert bewegt hat! Denn das bestätigt das Bild, das die Positionierungs- Indikatoren zeichnen. Preissensitive Marktteilnehmer dürften bereits so hohe EUR-Short-Positionen aufgebaut haben, dass die Nachrichten, die typischerweise marginal den EUR-USD-Wechselkurs bestimmen, kaum noch wirken.

· Griechenland-positive Nachrichten wirken nicht, weil sie nicht signifikant genug sind, um grade neu etablierte EUR-Short-Positionen schon wieder in Frage zu stellen.

· Griechenland-negative Nachrichten wirken aber ebenfalls nicht, denn in diese Richtung sind alle die, die das können, bereits positioniert.

Dieses Muster gedämpfter Marktreaktionen dürfte anhalten, solange nicht wesentliche Neuigkeiten zum EU-Gipfel (oder andere wesentliche Nachrichten über einen möglichen Bailout) die spekulativen Marktteilnehmer zwingen, ihre Positionierung zu überdenken. In diesem Sinne ist die niedrige Intra-Tages-Volatilität der vergangenen 24 Stunden in der Tat eine Art Ruhe vor dem Sturm.

GBP: EUR-GBP ist das Währungspaar, welches noch einigermaßen sensitiv reagieren kann, ohne von übermäßigen Positionierungen erdrückt zu werden. Entsprechend wirken die marginal positiven Nachrichten, die Hoffnung auf einen Bailout schüren, vor allem hier positiv. Nachrichten aus Großbritannien treten dagegen momentan in den Hintergrund. Der heute Nacht veröffentlichte RICS-Hauspreisindex, der stärker ausfiel als erwartet, wurde dementsprechend vom Markt ignoriert.

JPY: Die Werkzeugmaschienaufträge in Japan haben sich im Januar im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt (+192%). Welch eine spektakuläre Performance. Jedoch ist die Zahl mit Vorsicht zu genießen. Denn der Januar 2008 war für diese Reihe ein Desaster, zeigte er doch damals einen Einbruch von 84%. Wenn fast keine Aufträge mehr da sind, fällt auch eine Verdoppelung nicht schwer. Also kein Zeichen für eine schnelle Erholung der japanischen Konjunktur. Der Yen kann kaum von heimischen Faktoren profitieren. Lediglich Flucht in den sicheren Hafen der heimischen Währung kann ihm Auftrieb verleihen. Auf kurze Frist ist von dieser Seite allerdings kaum Neues zu erwarten.

Emerging Market Währungen

CNY: Der Anstieg der USD-CNY-NDF war nur von kurzer Dauer. Gestern deutete Vize-Handelsminister Zhong Shan an, dass die Behörden eine größere Flexibilität im USD-CNY-Wechselkurs zulassen würden. Das gab schon wieder denjenigen Marktteilnehmern Aufwind, die auf eine Aufwertung des Renminbi setzen. Allerdings hörten sich seine Kommentare eher danach an, dass er nicht an einen langfristigen Aufwertungstrend denkt, sondern an ein relativ „enges Band“, in dem USD-CNY schwanken kann. Und in der Tat: Es ist aus chinesischer Sicht durchaus attraktiv, eine moderat höhere Schwankungsbreite zuzulassen. Das könnte als „höhere Flexibilität“ verkauft werden und damit den politischen Druck auf das Regime in Peking reduzieren, ohne dass wirklich der Exportsektor nachhaltig belastet würde.

TRY: Die türkische Zentralbank hat gestern die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zu den Inflationserwartungen veröffentlicht. Diese Umfrage zeigt an: Die Inflationserwartungen für Ende 2010 sind weiter rapide gestiegen. Lagen sie im Dezember noch bei 6,27%, so erwarten Unternehmen und Banken mittlerweile eine Inflationsrate von 7,50%. Noch hält die türkische Zentralbank den jüngsten Anstieg der Inflationsrate für ein vorübergehendes Phänomen, das lediglich auf Steuererhöhungen zurückzuführen ist und daher bald wieder verschwinden sollte. Wir sind skeptischer. Die Analyse der Ursache mag richtig sein. Allerdings sehen wir die Gefahr, dass dieser inflationäre Einmaleffekt nun eine eigene Dynamik entfalten könnte. Der Effekt auf die Inflationserwartungen ist spätestens mit der gestrigen Veröffentlichung der Inflationszahlen klar belegt. Mit steigenden Inflationserwartungen dürfte auch die Preissetzung der Unternehmen entsprechend anziehen. Man darf nicht vergessen: In der Türkei sind die Phasen von Inflationsraten um und über 100% (zuletzt 1998) noch nicht vergessen. Erst 2003 fiel die Inflationsrate unter 20%. Man darf annehmen, dass angesichts dieser noch relativ frischen Erfahrungen und angesichts der Tatsache, dass Preisindexierungen wieder um sich greifen könnten, Inflationserwartungen besonders leicht zu tatsächlicher Inflation führen – wenn die Zentralbank dem nicht entschieden entgegensteuert. Das ist momentan aber nicht zu erwarten. Die Zentralbank könnte in nächster Zeit durch hohe Inflationsraten überrascht werden. Nun hat eine höhere Inflation natürlich stets gegenläufige Effekte auf die Wechselkurse. Einerseits führt sie zu höheren Zinsen, ist also gut für eine Währung. Andererseits verringert sie den heimischen Wert einer Währung und damit potenziell auch ihren äußeren Wert. Zunächst dürfte im Fall der Türkei der negative Effekt überwiegen. Denn die Zentralbank dürfte noch einige Zeit hoffen, dass die „Sondereffekte“ bald abklingen. Daher dürfte sie eher zu spät als zu früh mit Zinserhöhungen reagieren.

Quelle: Commerzbank

Disclaimer: Diese Information dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die in der Ausarbeitung enthaltenen Informationen wurden sorgfältig zusammengestellt. Wesentliche Informationsquellen für diese Ausarbeitung sind Informationen der Fondsgesellschaft. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch nicht übernommen werden. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung des Verfassers im Zeitpunkt der Erstellung der Ausarbeitung. 
 

Diskussion zu diesem Artikel:

NEUE Umfrage

Seit wie vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit Zertifikaten?


(Ergebnis anzeigen)

zum Umfrage-Archiv