Frankfurt (BoerseGo.de) - Das Bundesfinanzministerium will bereits 2011 den Garantiezins der deutschen Lebensversicherer von 2,25 auf 1,75 Prozent senken. Grund hierfür sei das anhaltend niedrige Zinsniveau, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ - Mittwochausgabe) einem ihr vorliegenden Verordnungsentwurf des Ministeriums entnimmt.
Die Änderung sei für 1. Juli 2011 vorgesehen. Offiziell wollte das Finanzministerium den Bericht noch nicht bestätigen. Allerdings räumte eine Sprecherin ein, dass ein Bedarf einer Zinsänderung geprüft werde.
Im Normalfall hält sich das Ministerium an eine Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), eines Interessenverbands der Versicherungsmathematiker,
wenn sie den sogenannten Höchstrechnungszins festlegt. Die DAV hat ihre jüngste Empfehlung bislang nicht veröffentlicht. Eine jetzt ausgesprochene Senkung des Höchstrechnungszinses würde für gewöhnlich erst zum Jahr 2012 greifen. In Ausnahmefällen kann eine Änderung jedoch auch kurzfristig erfolgen. Sie gilt in jedem
Fall nur für neu abgeschlossene Verträge.
Versicherungsmathematiker hatten bislang empfohlen, den Zins im kommenden Jahr auf dem bisherigen Niveau zu belassen. "Eine Absenkung würde bedeuten, dass Lebensversicherungen noch unattraktiver werden", kommentierte Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) den nun gegensätzlichen Vorschlag des Finanzministeriums.
Rudnik verweist darauf, dass der Zins nur auf den Sparanteil einer Police angerechnet wird und sich die garantierte Rendite somit auf 0 bis 0,5 Prozent mindern könnte. Während einzelne Mitgliedsunternehmen einen niedrigeren Rechnungszins begrüßen, hält der Versichererverband GDV eine Absenkung der FAZ zufolge nicht für notwendig. Zudem sei eine Umsetzung schon zum 1. Juli mit sehr hohen Umstellungskosten verbunden.
Susanne Schulz
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