FRANKFURT (Dow Jones) - Knapp behauptet haben sich Europas Aktienmärkte am Donnerstag aus dem Handel verabschiedet. Leichte Ansätze zu Gewinnmitnahmen wurden von überraschend guten Daten vom US-Häusermarkt ausgeglichen. Händler machten vor allem den Zwang zu Umschichtungen aus defensiven Branchen in konjunktursensitive als Kurstreiber aus. Besonders Auto- und Bauwerte profitieren davon und legten weiter zu. Der Euro-Stoxx-50 ging unverändert aus dem Geschäft und schloss bei 2.715 Punkten, der Stoxx-50 gab um 0,2% oder 4 auf 2.510 Zähler nach.
Als Nagelprobe für die zurückgewonnene Stärke der Aktienmärkte sehen Händler nun die Konjunkturdaten am Freitag. Mit dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht und dem ISM-Index für den Service-Bereich stehen wegweisende Daten an.
Die Nachrichtenlage bei Unternehmen war am Berichtstag erneut dünn. Auch von der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) gingen keine Impulse aus. Wie erwartet bestätigte die Notenbank den Leitzins bei 1,00%. Auch die begleitenden Kommentare von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet enthielten nichts Neues. Leicht positiv vermerkt wurde der erfolgreiche Verlauf einer Staatsanleihe-Auktion in Spanien.
US-Häusermarkt überrascht endlich positiv
Überraschend gute Nachrichten vom US-Häusermarkt sorgten zudem für gute Laune. In den USA waren die Verkäufe bestehender Häuser zum ersten Mal seit drei Monaten wieder angestiegen. Sie legten im Juli um 5,2% zu. Gegenüber dem Vorjahr weisen sie damit jedoch immer noch ein Minus von über 19% aus. "Das zeigt, dass bessere Konjunkturdaten alle Anleger in den Markt zwingen, die zu stark auf ein Double-Dip-Szenario gesetzt hatten", sagte ein Händler. Die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen hingegen genau im erwarteten Rahmen, auch die US-Auftragseingänge für Juli zeigten nur minimale Abweichungen von den Prognosen.
Umschichtungen in Konjunktur-Branchen erzwungen - Bau und Auto gesucht
Die guten Konjunkturdaten zwangen weiter Anleger in den Markt. "Man sieht ganz klar, dass zu viele Marktteilnehmer in konjunktursensitiven Titeln untergewichtet waren", sagte ein Händler. Dies löse nun Umschichtungen aus den defensiven in die riskanteren Branchen aus. Verlierer waren daher Pharma-Werte (-0,2%) und Nahrungsmittel-Hersteller (-0,4%). Bei den Auto-Titeln ging es indes weiter aggressiv aufwärts. Mit plus 1,3% setzten sie sich an die Branchen-Spitze. Auch die extrem zyklischen Bau-Werte konnten ihre Rally fortsetzen. Der Sektor-Index legte um 0,7% zu.
US-Absatzzahlen stützen deutsche Automobilaktien und Fiat
Fundamental gestützt wurde die Automobil-Branche von US-Autoabsatzzahlen. Die August-Zahlen bestätigten den positiven Trend für die deutschen Hersteller im Premium- und Luxus-Segment. Sie konnten in den USA ihre Position ausbauen. "Luxus läuft", lautete der Kommentar eines Händlers dazu. Daimler stiegen um 1,4% auf 41 EUR glatt und BMW um 1,6% auf 43,59 EUR.
Für Fiat und die US-Beteiligung Chrysler zeigten die Zahlen zunächst ein gemischtes Bild. Am Heimatmarkt verkaufte der italienische Massenhersteller im August weniger Automobile, konnte in einem schwachen Markt aber den Marktanteil auf 30,7% ausbauen. Überraschend positiv entwickelte sich das Geschäft von Chrysler, wo der Absatz um 7% gesteigert wurde. Der Markt honorierte das mit einem Aufschlag von 2,6% für die Fiat-Aktie auf 9,90 EUR.
DJG/mod/gei
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