Erster kleiner Schritt zum Wüstenstrom

Kategorie: Klimawandel & Investment | Top-Artikel | Datum: 16.06.2009

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München (BoerseGo.de) – 40 Prozent von Afrika ist tote Fläche, auf der sich bestenfalls Skorpione wohl fühlen. Die Sahara ist die größte Wüste dieses Kontinents. Sand, sengende Hitze und das Fehlen von Wasser machen die Wüsten nahezu nutzlos. Allerdings nur nahezu – denn jetzt soll das, was Leben dort bisher unmöglich machte, als eine nichtversiegende Energiequelle nutzbar gemacht werden. 20 Konzerne sind kurz davor, die bisher größte Ökostrom-Initiative überhaupt, ins Leben zu rufen. Das langfristige Ziel: Solarenergie aus Afrika.

Desertec heißt das 400-Milliarden-Euro schwere Konzept, das nun zum Projekt werden soll.  Noch ist nichts spruchreif. Es gibt bisher nur die Idee und einen Termin. Am 13. Juli wollen die Firmen zusammenkommen, um sich zu einem Konsortium zusammenzuschließen, wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtete. Die Gründungsinitiative geht von dem Versicherer Münchener Rück (WKN: 843002) aus. Ziel ist laut Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek,  dass in „zwei bis drei Jahren konkrete Umsetzungspläne“ vorliegen. Der erste Strom aus der afrikanischen Wüste soll in zehn Jahren europäische Glühbirnen zum Leuchten bringen. Wie ein Münchener-Rück-Sprecher sagte, sei die wissenschaftliche Seite des Desertec-Konzepts bereits bekannt. Nun gehe es um die Möglichkeiten, das Konzept, von dem die Münchener Rück überzeugt sei, umzusetzen. Die Idee des Konzepts stamme vom Club of Rome.

Medienberichten zufolge sollen an dem Konsortiumstreffen unter anderem auch Siemens (WKN: 723610), RWE (WKN: 703712) und die Deutsche Bank (WKN: 514000) teilnehmen. Wie ein Sprecher Deutschen Bank sagte, sind bisher noch keine Verträge unterzeichnet worden. Man halte Desertec aber für „ein sehr interessantes Projekt“.  Bei RWE hält man das Projekt als „Vision für Solarthermie“ interessant und man wolle es „weiter ausloten“. Entschieden ist noch nichts. „Erst einmal machen wir den ersten Schritt“, sagte ein RWE-Sprecher mit Blick auf den 13. Juli und gab einen kleinen Einblick in die Agenda für das Großtreffen in München: „Schwerpunkt des Konsortiums soll die gemeinsame Prüfung und Vertiefung von Machbarkeit sein.“  Mit Machbarkeitsstudien sind Untersuchungen gemeint, inwiefern das Projekt umsetzbar ist. Dabei werden die Punkte politische, wirtschaftliche und technische Machbarkeit berücksichtigt. Wie die Sprecher weiter erläutert, sind „konkrete Investitionen und Bauvorhaben“ noch nicht geplant.

Ein Siemenssprecher sagte auf Nachfrage, dass für den Konzern „die Erzeugung und die Übertragung“ interessant sein könnten. Siemens sei Marktführer bei  Dampfturbinen für Solaranlagen sowie für Hochspannungsgleichstromanlagen, die Strom über große Strecken transportieren können. Das Problem sei, dass beim Transport möglichst wenig Strom verloren werde. In China gebe es derzeit ein Siemensprojekt bei dem 5.000 Megawatt einen Weg von 1.400 Kilometer zurücklegen. Dabei würden bisher zwischen fünf und sechs Prozent des Stroms verloren gehen. Betrachtet man die Strecke zwischen Afrika und Europa, müssten vermutlich zwischen 2.500 und 3.000 Kilometer überbrückt werden. Hinzu kommt die Frage, wie der Strom innerhalb von Europa verteilt wird.

Münchener-Rück- Vorstandsmitglied Jeworrek sagte über Desertec: „Dies ist keine ferne Vision mehr, sondern technologisch bestechend und auch realisierbar. Desertec setzt langfristig eindeutig die richtigen Anreize, nämlich Klimaschutz und eine CO2-arme Energiewirtschaft.“ Wie ein Unternehmenssprecher sagte, sei die Münchener Rück an Desertec zudem interessiert, weil Versicherungen für Großprojekte zum Kerngeschäft des Unternehmens gehörten. Zudem sei der Versicherer auch sehr aktiv im Bereich der erneuerbaren Energien. In dem Projekt, das noch aus der Wiege gehoben werden muss,  liege ein großes Geschäftspotenzial.

Bild: ©iStockphoto.com/byllwill

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Über den Autor:

Michaela Sprenger,
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