EZB rührt Leitzins nicht an - Krisenpolitik wird vorerst fortgesetzt
Kategorie: DAX - MDAX - TecDAX News | Deutschland, Europa | Top-Artikel | Datum: 02.09.2010
Nach Verkündung der Leitzinsentscheidung traf EZB- Präsident Jean-Claude Trichet in Frankfurt Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Prognose für Wachstum und Inflation angehoben. Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte 2010 im Durchschnitt um 1,6 Prozent wachsen, sagte Trichet . Bislang war die Notenbank von einem Plus von 1,0 Prozent ausgegangen. Für 2011 rechnet die EZB nun mit einem Wachstum von 1,4 Prozent. Bislang waren 1,2 Prozent veranschlagt worden.
Auch die Prognose für die Teuerungsrate wurde nach oben hin angepasst. Nun soll die Inflationsrate nach Einschätzung der EZB im laufenden Jahr bei 1,6 Prozent liegen. Im Juni war die Notenbank noch von 1,5 Prozent ausgegangen. 2011 dürfte die Teuerung dann leicht auf 1,7 Prozent steigen. Hier waren bisher 1,6 Prozent genannt worden. Preisstabilität herrscht laut EZB mittelfristig bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent.
Trotz der zuletzt positiven Wachstumssignale in der Eurozone will die EZB an ihrem Kurs des anhaltend niedrigen Leitzinses festhalten. Das Zinsniveau im Euroraum bleibe angemessen, sagte Trichet. Die Wirtschaft dürfte sich bei bestehenden Unsicherheiten weiter mit moderatem Tempo erholen. Die Risiken für den verbesserten wirtschaftlichen Ausblick seien leicht abwärts gerichtet. Die Erholung dürfte durch den Prozess der Bilanzanpassungen in mehreren Sektoren und durch die Aussichten am Arbeitsmarkt gedämpft werden.
Laut dem EZB- Präsident wird die EZB ihre Krisenpolitik noch bis zum Jahreswechsel fortsetzen und die Banken des Euroraums mit unbegrenzter Liquidität versorgen. Die EZB werde die Vollzuteilung bei ihren Refinanzierungsgeschäften so lange wie nötig fortführen, mindestens jedoch bis Januar 2011, so Trichet. Dies gelte für die wöchentlichen, monatlichen und dreimonatigen Geschäfte. Trichet unterstrich zugleich, diese krisenbedingten Maßnahmen seien nur temporärer Natur. Zu gegebener Zeit werde die Liquiditätspolitik angepasst. Auch gehe von der fortgesetzten Krisenpolitik kein Zinssignal aus, unterstrich der EZB-Chef.
Die EZB hatte als Reaktion auf die Finanzkrise nicht nur den Leitzins auf ein Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt. Wegen der Spannungen im Geldhandel zwischen den Banken griff sie auch auf ungewöhnliche Maßnahmen zurück und stellte den Kreditinstituten die gewünschte Liquidität unbegrenzt zu einem fixen Preis zur Verfügung. Für gewöhnlich müssen sich die Banken an einem Auktionsverfahren (Tender) beteiligen, um Zentralbankgeld zu erhalten. Dieses Procedere hatte die EZB wegen des hohen Misstrauens zwischen den Instituten ausgesetzt.
Bild: ©flickr.com/frankonius
Diskussion zu diesem Artikel:
NEUE Umfrage
Laut Hedge-Fonds-Legende George Soros geht die in der Schuldenkrise von der EU verordnete Sparpolitik genau in die falsche Richtung. Führt Angela Merkel die Eurozone in eine Depression?
Bernd Lammert
Sie müssen sich erst anmelden, um Kommentare abgeben zu können. Login
Kommentare (0)
Einen Kommentar abgeben: