Der EZB-Rat hat auf der heutigen Sitzung den Leitzins unverändert bei 1,0% belassen. Wir sowie der Markt hatten im Vorfeld mit dieser Entscheidung gerechnet, da es in den vergangenen Wochen keine Anlässe gegeben hatte, die die EZB zum Handeln hätten zwingen können. EZB-Präsident Draghi sagte sogar, dass das Thema Leitzinsen auf der Sitzung überhaupt nicht diskutiert wurde.
Insgesamt gab es kaum Änderungen in der Einschätzung der EZB im Vergleich zum Vormonat. Den Inflationsausblick sieht der EZB-Rat nach wie vor als ausgeglichen an. Er erwartet, dass die Inflation weiter nachgibt und in einigen Monaten wieder unter die 2%-Marke sinkt. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung gab es eine minimal optimistischere Einschätzung zu konstatieren. So sieht das oberste EZB-Gremium zwar weiterhin Abwärtsrisiken für die Konjunktur, wertet dieser aber im Gegensatz zum Januar nicht mehr als "beträchtlich". Damit trägt sie den zuletzt etwas besseren Konjunkturdaten Rechnung.
Während der Pressekonferenz verkündete Draghi, dass es in Griechenland eine Einigung der Regierungsparteien gegeben hat. Dies ist die Voraussetzung für die Bewilligung des Rettungspaketes der EWU und des IWF. Welche Rolle die EZB bei der Griechenland-Rettung spielt und wie mit den von der EZB gehaltenen griechischen Schuldtiteln verfahren wird, sagte der EZB-Präsident allerdings nicht. Er schloss jedoch auch für die Zukunft aus, dass sich die EZB an der direkten Staatsfinanzierung beteiligen wird.
In der Summe behielt die EZB ihre abwartende Haltung nach den Leitzinssenkungen und dem Paket an Sondermaßnahmen Ende 2011 bei. Denn letztere zeigen zum Teil erst mit einiger Verzögerung Wirkung. So haben beispielsweise bislang sieben nationale Zentralbanken des Eurosystems Vorschläge zur Erweiterung des Spektrums der hinterlegbaren Sicherheiten vorgelegt, die nun von der EZB genehmigt wurden. Darüber hinaus wird erst Ende dieses Monats der zweite 3-Jahrestender angeboten. Die durch diesen und den bereits im Dezember durchgeführten 3-Jahrestender bereitgestellte Liquidität braucht laut Aussage Draghis eine gewisse Zeit, um in die Realwirtschaft zu gelangen. Dieser Umstand, in Verbindung mit den zuletzt leicht verbesserten Konjunkturdaten bestärkt uns in der Ansicht, dass die EZB in den kommenden Monaten keine geldpolitischen Veränderungen vornehmen wird, sofern es nicht zu einer Verschärfung der Verschuldungskrise kommt. Wir sehen den Leitzins bis auf weiteres bei 1,0%.
Quelle: Postbank
externer Redakteur
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