EZB-Stark: Krise in Eurozone hält noch an

Kategorie: DAX - MDAX - TecDAX News | Deutschland, Europa | Top-Artikel | Datum: 20.10.2010

Berlin (BoerseGo.de) - Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Jürgen Stark sieht noch kein Ende der Krise in der Eurozone. Hiefür spreche vor allem die hohe Verschuldung in den einzelnen Ländern. Überall habe die Verschuldung wegen der konjunkturellen Entwicklung sowie infolge der Stützungsmaßnahmen für den Finanzsektor und die Wirtschaft dramatisch zugenommen. Die Krise sei daher nicht vorüber. Die Situation habe sich jedoch beruhigt. Zur Entspannung trug unter anderem der Umstand bei, dass sich Griechenland auf einem guten Weg bei der Umsetzung des IWF-Programms befindet. Auch die irische Regierung sei bereit zum handeln, um bis 2014 das Staatsdefizit unter drei Prozent zu senken. Aber es gebe keinen Anlass für Entwarnung.

Die Situation Irlands sei nicht mit Griechenland vergleichbar. Die Lage in Irland habe sich wegen dem raschen Handeln der Regierung und deren klaren Ausrichtung auf Haushaltskonsolidierung stabilisiert. Diese Entwicklung lasse sich an den Finanzmärkten erkennen. Im übrigen sieht Stark die Euro-Mitglieder wegen deren Konsolidierungsbemühungen im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg. Die Situation an den Finanzmärkten habe sich beruhigt, aber es herrsche immer noch Unsicherheit vor. Ein Eingriff in funktionierende Märkte müsse jedoch vermieden werden. Daher gebe es die Erforderlichkeit zur ständigen Überprüfung der Angemessenheit und Notwendigkeit von stützenden Programmen. Diese Maßnahmen würden nicht der Subventionierung von Regierungen dienen. Es gehe einfach darum, die Funktion bestimmter Teile der Finanzmärkte zu gewährleisten. Deshalb könne ein auf einer geldpolitischen Entscheidung basierendes Hilfsprogramm jederzeit widerrufen werden. Die Staaten der Eurozone sollten sich daher nicht auf Stützungsmaßnahmen der EZB verlassen, sondern glaubwürdig ihren Haushalt konsolidieren. Die Situation an den Geldmärkten habe sich auf Jahressicht deutlich entspannt. Dort, wo die Märkte noch nicht ausreichend funktionieren greife die EZB nach wie vor unterstützend ein.

Die EZB habe das klare Mandat zur Preisstabilität. Niemand müsse sich Sorgen über dessen Nichteinhaltung machen. Die EZB sehe derzeit weder ein Risiko für Inflation noch für Deflation. Gleichzeitig sei bei der EZB bekannt, dass eine zu lockere Geldpolitik möglicherweise zu negativen Begleiterscheinungen führt. Deshalb gebe es genaue Beobachtungen über mögliche Verzerrungen an den Märkten. Niedrige Zinsen würden etwa den Anreiz zur Konsolidierung von öffentlichen Finanzen mindern. Er habe nicht das Gefühl, dass auf globaler Ebene ein Abwertungswettlauf in Gang kommt. Es gebe zwar eine potenzielle Gefahr, aber keine konkreten Anhaltspunkte, dass es dazu kommt. Jeder wisse darüber Bescheid, dass der Protektionismus die Weltwirtschaftskrise in den 30er-Jahren verschärfte, führte Stark im Rahmen eine Interviews gegenüber der Tageszeitung “Die Welt“ weiter aus.
Bild: ©iStockphoto.com

Diskussion zu diesem Artikel:

Umfrage

Der Börsenstart der Facebook-Aktie verlief nicht ganz so vielversprechend wie erwartet. Wird der Titel dennoch eine neue Erfolgsgeschichte schreiben?


(Ergebnis anzeigen)

zum Umfrage-Archiv

Kursdaten: L&S Realtime - Börse Stuttgart + 15 Min. - Deutsche Börse AG + 15 Min.

provided by vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste AG

Quelle: WM Datenservice

The copyright of Nikkei 225 is owned by Nikkei Inc.

The Dow Jones IndexesSM are proprietary to and distributed by CME Group Index Services LLC and have been licensed for use.

For the Terms and Conditions of Use of the Dow Jones IndexesSM please see here.