EZB: Notenbank hält die Schleusen weiter offen
Kategorie: boerse-go: Research | Datum: 02.09.2010
• Darüber hinaus gab der EZB-Chef Details zum weiteren Vorgehen mit Blick auf die Liquiditätsversorgung bekannt. Demnach wird die Notenbank bei ihren wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften solange wie nötig – mindestens aber bis Januar 2011
– die Vollzuteilung zum festen Zinssatz beibehalten. Die dreimonatigen Refinanzierungsgeschäfte im Oktober, November und Dezember werden ebenfalls voll zugeteilt. Der Zins für diese Operationen ergibt sich aus dem durchschnittlichen Zins der Wochentender während der jeweiligen Laufzeit. Trichet bezeichnete diese Entscheidung jedoch als rein technisch; Signale für die künftige Geldpolitik seien damit nicht verbunden. Um die Geldmärkte nicht übermäßig zu strapazieren wird auch das Auslaufen der Langfristoperationen (6- und 12-Monats-Tender) von Feintuninginstrumenten begleitet sein. Dieses Vorgehen hatte die EZB bereits beim Auslaufen des ersten Jahrestenders Anfang Juli angewendet.
• Im Rahmen der Pressenkonferenz gab die EZB auch ihre aktuellen Inflations- und Wachstumsprojektionen bekannt. Demnach rechnen die Notenbanker für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 1,4% und 1,8%. Für das kommende Jahr gehen sie von einem Wachstum zwischen 0,5% und 2,3% aus. Unkritisch ist nach ihrer Ansicht die derzeitige Preisentwicklung. Für das laufende Jahr sei mit einer Inflationsrate zwischen 1,5% und 1,7% zu rechnen. Im laufenden Jahr dürfte die Teuerung dann zwischen 1,2% und 2,2% liegen. Aufwärtsgerichtete Risiken für das Preisniveau sieht die Notenbank vor allem im Bereich der Rohstoffpreise.
• Fazit: Erwartungsgemäß hat die EZB den Leitzins für die Eurozone nicht verändert. Den aktuellen Tendersatz von 1,00% bezeichnete EZB-Chef Trichet erneut als „angemessen“. Darüber hinaus gab die Notenbank bekannt, dass sie auch im weiteren Verlauf des Jahres an ihrem Kurs der Vollzuteilung festhalten werde. Die Exit-Strategie dürfte – wie von Bundesbankpräsident Weber bereits angekündigt – in der Tat erst im kommenden Jahr auf die Tagesordnung rücken. Die EZB schöpft damit ihre Möglichkeiten so weit wie möglich aus. Dass sie die Liquiditätsschleusen auch über den Jahreswechsel so weit offen hält, könnte ein Indiz dafür sein, dass die (Geld-)Marktnormalisierung – zumindest für einige Marktteilnehmer – doch nicht ganz so reibungslos verläuft, wie uns der ranghöchste Notenbanker der EZB heute vermitteln wollte.
Quelle: Nord/LB
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