ECOFIN & FOMC: Abwärtsrisiken für Bunds

Kategorie: Anleihe-News | Datum: 16.03.2010

Großkampftag in der Politik dies- und jenseits des Atlantiks: Während in der Eurozone die Finanzminister im Rahmen des ECOFIN-Treffens die Sparanstrengungen Griechenlands auch offiziell als ausreichend einstufen sollten, wird es aus Sicht der Marktteilnehmer vor allem spannend, ob zumindest die verbale Unterstützung nochmals erhöht wird. Bei der FOMC-Sitzung rechnen wir zwar damit, dass sich bei unverändertem Zins auch bei der Wortwahl kaum etwas ändern wird. Dennoch überwiegen am kurzen Ende der USTreasuries- Kurve weiter die Abwärtsrisiken wegen des näher rückenden Exits. Bei Eurozone-Staatsanleihen erachten wir die heutigen Aufstockungen der IRISH 4,6% Apr-16 und der IRISH 4,5% Apr-20 als günstige Einstiegsgelegenheiten, sich für eine weitere Outperformance von IRISHs zu positionieren. Beim Bund-Future bleiben wir short. Bei den Realrenditen halten wir trotz kleiner Carry-Umkehr an unseren Short-Positionen fest.

Overnight News

• Die Eurogruppe hat „die technischen Modalitäten geklärt, die eine Entscheidung über koordinierte Maßnahmen ermöglichen und die bei Bedarf schnell aktiviert werden könnten“. Ziel des Mechanismus wäre, Griechenland starke Anreize zu geben, um so bald wie möglich an die Märkte zurückzukehren. Es wurden zwar keine Details genannt, aber es wurde ausgeschlossen, dass dies Kreditgarantien umfasse.

• Die Eurogruppe ist weiterhin davon überzeugt, dass eine Nothilfe für Griechenland nicht notwendig sei. Nötigenfalls könnten Vereinbarungen über koordinierte Maßnahmen für bilaterale Hilfen erzielt werden. Weitere technische Probleme würden in den nächsten Wochen diskutiert und die abschließende Entscheidung läge bei den EU-Oberhäuptern.

• Österreichs Finanzminister sagte, es gäbe keine Entscheidung über Unterstützung für Griechenland und es seien keine möglichen Summen diskutiert worden.

• US-Treasuries hatten weiterhin Unterstützung, während Aktien in den USA gemischt schlossen und in Asien niedriger notierten. Der EUR hat gegenüber dem USD über Nacht wieder an Stärke gewonnen und nähert sich der 1,37. Der Goldpreis ist stärker geworden, während sich der Ölpreis kaum verändert hat.

FOMC: Noch einmal Ruhe vor dem Sturm? Dennoch überwiegen am kurzen Ende bei US-Treasuries die Abwärtsrisiken

Im heutigen Statement sollte die Fed noch von „außerordentlich niedrigen“ Zinsen für einen „ausgedehnten Zeitraum“ sprechen. Aber auch im Hinblick auf das bevorstehende Auslaufen ihres Anleihen-Aufkaufprogramms Ende des Monats rückt der Exit näher. Dies sollte sich am kurzen Ende der US-Treasuries-Kurve in höheren Renditen niederschlagen und auch auf das lange Ende der Bunds abstrahlen.

Irland baut Vorsprung beim Finanzierungsfortschritt weiter aus, Aufstockungen sind eine gute Einstiegsgelegenheit!

Am Primärmarkt bei Eurozone-Staatsanleihen gibt Irland mit Aufstockungen der IRISH 4,6% Apr-16 and der IRISH 4,5% Apr-20 im Gesamtvolumen von € 1 – 1,5 Mrd. den Startschuss in die Woche. Wie im untenstehenden linken Chart ersichtlich wird, liegt Irland beim Finanzierungsfortschritt in der Eurozone knapp vor Belgien und Holland auf Platz 1. Nach dem heute anstehenden Angebot wird es die Pole Position weiter untermauern. Die irische Finanzagentur (NTMA) denkt aber dennoch laut über Neuerungen nach. Nach ersten Andeutungen im November 2009 verdichten sich in jüngster Zeit die Anzeichen, dass Irland 2010 eine 30jährige IRISH via Syndikat begeben wird. Eine Entscheidung darüber sollte „in den nächsten Wochen“ getroffen werden. Zusätzlich werde auch „auf Druck“ einheimischer Pensionsfonds das Begeben inflationsindexierter Anleihen erwägt. Dies schaue man sich auf jeden Fall an. Der Chef der NTMA, Corrigan, machte entsprechende Aussagen letzten Freitag. Der Trend zu einem engeren IRISH-Bund-Spread im zehnjährigen Laufzeitenbereich hellt weiter an. Daher stufen wir das heutige Angebot Irlands als günstige Einstiegsgelegenheit ein.

Geringe Carryumkehr tut unserer Empfehlung von Shortpositionen in Realrenditen keinen Abbruch


Zu den in der Regel (von den meisten Marktteilnehmern) nicht beachteten bzw. (von den wenigen dedizierten Inflationsmarktbeobachtern) extrem genau verfolgten Daten zählen die endgültigen Verbraucherpreise aus Frankreich und der Eurozone – und diese stehen heute an. Diese Zahlen sind deshalb wichtig, weil sie die Indizes festlegen, die zur Berechnung des Inflations- und somit des Carryzuwachses herangezogen werden. Um diese Jahreszeit ist ihre Entwicklung besonders interessant, weil die heute anstehenden Februarzahlen nach einem Rückschlag im Januar in der Regel wieder kräftig anziehen. Dies wiederum führt zu einer Umkehrung der Carrysituation von ziemlich negativ im März zu recht positiv im April. Angesichts der kräftigen disinflationären Tendenzen in der Wirtschaft erhebt sich diesmal die Frage, wie stark der Anstieg sein wird. Wir erwarten für Frankreich eine Zahl von etwa 118,64 und auf Ebene der Eurozone 107,96, was einer Carrumkehr von relativ dürftigen 2 Bp im dreijährigen Laufzeitenbereich und einem sogar noch niedrigeren Anstieg in längeren Laufzeiten (auf Breakeven-Basis) entsprechen sollte. Derzeit empfehlen wir weiterhin Shortpositionen in Realrenditen und diese geringe Carryumkehr sollte unserer Empfehlung keinen Abbruch tun.

Quelle: Commerzbank

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Über den Autor:

Thomas Gansneder,
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