Frankfurt/ London (BoerseGo.de) - Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, warnt davor, allzu große Hoffnungen in die neue Geldspritze zu setzen, die die Notenbank den Geschäftsbanken geben will: Er glaube nicht, dass die Institute mit dem frischen Geld zwingend Anleihen europäischer Staaten kaufen und so deren Notlage verbessern, so Draghi im Interview mit der britischen Financial Times (Montag). Die Banken entschieden selbst, wie sie die von der Notenbank zur Verfügung gestellten Gelder einsetzten, er erwarte aber dass sie mit dem Geld die Realwirtschaft finanzierten.
Die EZB wird am morgigen Dienstag das erste von zwei Refinanzierungsgeschäften mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Niedrigzinssatz von 1 Prozent auflegen, um den Bankensektor zu stützen. Draghi setzt darauf, dass die Institute das Geld an die Unternehmen weiterleiten, um eine drohende Kreditklemme zu verhindern. Viele Analysten glauben indes, dass die Institute das Geld in Staatsanleihen investieren, die weit mehr als 1,0 Prozent Zinsen abwerfen. In diesem Fall würden die Kurse der Anleihen steigen und deren Renditen sinken.
Die EZB hatte am 8. Dezember den Leitzins wieder auf den historischen Tiefstand von 1,0 Prozent gesenkt. Zudem lockerte sie die Regeln für Sicherheiten, die Banken als Pfand für die Geldleihe bei ihr hinterlegen müssen.
Bernd Lammert
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