-- Bundesanleihen mit zweitniedrigster Rendite in Euro-Ära -- Anleger setzen in Schuldenkrise weiter auf "Sicheren Hafen" -- Portugal bringt Kurzläufer zu niedrigeren Renditen problemlos unter
FRANKFURT (Dow Jones) - Deutschland profitiert weiter von seinem Ruf als sicherer Anlagehafen und hat sich erneut zu extrem günstigen Konditionen mit frischem Kapital versorgt. Bei der Auktion 10-jähriger Bundesanleihen am Mittwoch betrug die Durchschnittsrendite 1,82 Prozent und war damit die zweitniedrigste jemals bei einer Auktion erzielte seit der Einführung des Euro. Nur im September 2011 hatte die Rendite mit 1,80 Prozent noch niedriger gelegen.
Erfolgreich verlief auch eine Auktion kürzer laufender portugiesischer Schuldtitel. Diese war wegen zuletzt deutlich gestiegener Renditen portugiesischer Anleihen verstärkt in den Fokus geraten. 10-jährige Anleihen des südeuropäischen Staates rentieren aktuell mit über 15 Prozent, wohingegen die nun versteigerten 6-monatigen Kurzläufer zum Preis von 4,463 Prozent am Markt untergebracht wurden, verglichen mit noch 4,740 Prozent am 18. Januar.
Die stark auseinander laufenden Renditen deutscher Anleihen und anderer europäischer Staaten, insbesondere aus der Euro-Peripherie, hatten jüngst für vereinzelte Kritik aus diesen Ländern gesorgt. Diese wirft Deutschland vor, sich auf ihre Kosten zu bereichern.
Nach einer Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat der Bund als Folge der Krise in den vergangenen drei Jahren Zinseinsparungen über rund 45 Milliarden Euro auf seine Staatsschulden realisieren können. Der Studie zufolge betrugen die durchschnittlichen Renditen 2- und 10-jähriger Papiere von 2000 bis 2008 etwa 3,42 Prozent bzw. 4,27 Prozent. Zwischen 2009 und 2011 lagen sie dagegen nur noch bei 1,11 Prozent bzw 2,91 Prozent. Das IW wies allerdings darauf hin, dass diese Ergebnisse nur als Annäherungen brauchbar seien, da sie stark vereinfacht ermittelt worden seien.
Die Bundesfinanzagentur bediente die Nachfrage am Mittwoch mit 4,093 Milliarden Euro und behielt 907 Millionen Euro zu Marktpflegezwecken zurück. Dies bewegt sich im üblichen Rahmen von ca. 20 Prozent. Das Gesamtvolumen entsprach damit den avisierten 5 Milliarden Euro.
"Die Auktion der 10-jährigen ist relativ gut gelaufen und hat eine gute Nachfrage gezeigt", kommentierte Annalisa Piazza von Newedge. "Auch nach der jüngsten Marktrally sind die Investoren immer noch bereit, eine Prämie für solche Papiere zu zahlen, die als besonders sicher gelten", hob Russ Koesterich, Global Chief Investment Strategist bei iShares hervor.
Marktexperte Jan von Gerich von Nordea warf indessen den Blick voraus. Sollte die Konjunktur in der Eurozone weiter Tritt fassen, wie es beispielsweise die jüngsten Einkaufsmanagerindizes anzeigten, dann könnten die deutschen Renditen schnell wieder Aufwärtspotenzial entwickeln.
Im Vorjahr waren einige deutsche Auktionen technisch noch unterzeichnet gewesen, so beispielsweise auch 10-jährige Bundesanleihen im November. Seinerzeit schien die Schuldenkrise von der Euro-Peripherie auf die Kernregion übergeschwappt zu sein und Beobachter hatten die unattraktiven Renditen der deutschen Schuldtitel und die Sorge über die ungewisse Zukunft des Euro als Begründung für die misslungene Auktion angeführt.
Die positiv verlaufene portugiesische Auktion reiht sich unterdessen in diverse erfolgreiche Auktionen anderer Peripherie-Staaten wie Spanien und Italien seit Jahresbeginn ein. Diese profitieren vor allem von der reichlich vorhandenen Liquidität im Bankensektor, nachdem die Europäische Zentralbank Ende Dezember die Institute mit einem Liquiditätstender von 489 Milliarden Euro versorgt hatte. Diese Gelder fließen seit geraumer Zeit offenkundig auch an den Anleihemarkt und sorgen somit für eine Entspannung bei den Renditen.
Analyst Luca Jellinek von Credit Agricole CIB glaubt mit Blick auf das Ergebnis der portugiesischen Auktion nicht an einen Schuldenschnitt des Landes nach griechischem Muster. Für den jüngsten Anstieg der Renditen hätten lediglich Ängste vor einer Ansteckung gesorgt, betont er. Die Commerzbank schlägt in die gleiche Kerbe: Die Stimmung am Markt für kürzer laufende Papiere dürfe nicht mit dem von Ansteckungsängsten getriebenen Anleihemarkt verwechselt werden. Barclays Capital hatte bereits im Vorfeld gesagt, "die Nachfrage dürfte gut ausfallen und insbesondere von heimischen Investoren kommen".
Im Folgenden die Einzelheiten der deutschen und der portugiesischen Auktion; in Klammern die Resultate der Auktion jeweils gleicher Papiere vom 4. Januar bzw 18. Januar (Portugal):
=== Deutschland: Emission 10-jährige Bundesanleihe Kupon 2,00% Laufzeit Januar 4, 2022 Volumen 5 Mrd Bietungsvolumen 5,683 Mrd Zuteilungsbetrag 4,093 Mrd Bid-to-cover-Ratio 1,4 (1,3) Durchschnittsrend. 1,82% (1,93%) Portugal: Emission 3-monatige Schatzwechsel Laufzeit 18. Mai 2012 Bietungsvolumen 2,107 Mrd EUR Zuteilungsbetrag 750 Mio EUR Bid-to-cover-Ratio 2,8 (4,1) Durchschnittsrend. 4,068% (4,346%) Maximalrendite 4,090% (4,348%) Emission 6-monatige Schatzwechsel Laufzeit 20. Juli 2012 Bietungsvolumen 1,987 Mrd EUR Zuteilungsbetrag 750 Mio EUR Bid-to-cover-Ratio 2,6 (3,0) Durchschnittsrend. 4,463% (4,740%) Maximalrendite 4,495% (4,749%) ===
-Von Steffen Gosenheimer, Dow Jones Newswires,
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