Der Schweiz-Flüsterer für Schäuble

Kategorie: Kreuz&Quer - Kunst & Kultur | Datum: 13.03.2010

Neues Buch »Der feine Unterschied«: »Sprechen Sie langsam und betonen Sie die Wörter einzeln.«

Seit dem Ankauf der dubiosen CD mit deutschen Steuerflüchtlingen in der Schweiz ist das Verhältnis zwischen Deutschland und dem südlichen Nachbarn etwas verspannt. Da wollte doch glatt ein ehemaliger deutscher Finanzminister die »Kavallerie« in die Schweiz schicken. Sicher ist wohl seither: Das Schweizer Bankgeheimnis beginnt sich so oder so in Luft aufzulösen. Verständlich, dass die Eidgenossen da verschnupft auf uns reagieren.

Bruno Reihl: Autor von »Der feine Unterschied«: Liegt der interkulturelle Unterschied primär in der Geschwindigkeit? (Bild: Midas Verlag)

Aber vielleicht könnte man es sprachlich auch etwas diplomatischer lösen. »Jemand der schneller spricht, als er denken kann, kann nicht seriös sein; er gilt als Schwätzer, eben als Schnellschwätzer«, meint Bruno Reihl, Autor des neuen Buchs »Der feine Unterschied« aus dem Midas Verlag. »Ein einfacher Ratschlag an meine Hochdeutsch sprechenden Landsleute in der Schweiz ist darum: Langsam sprechen und die Wörter einzeln betonen.«

Der gebürtige Detmolder ist glaubwürdiger Deutsch- und Schweiz-Versteher in einer Person – eben ein »Schweiz-Flüsterer«. Er kam 1977 in das Alpenland. Promovierte in Zürich. Leitete mehrere Unternehmen, unter anderem IBM, gründete mehrere Start-ups – jeweils in beiden Ländern. Und er gehört in der Schweiz zahlreichen namhaften Verwaltungs- und Stiftungsräten an. Über das Thema führt er auch einen neuen Blog.

Mit seinem Buch lässt Reihl die Kavallerie dort, wo sie hingehört: in der Kaserne. Stattdessen will er mit Worten Brücken bauen. Wechselseitiges Verständnis fördern. Auch da, wo die Sprache versagt, weil sie eine ganz andere Bedeutung hat. Wenn ein Schweizer sagt: »Deine direkte Art macht mich verrückt«, dann verfällt er damit nicht dem Wahnsinn sondern steht kurz vor einem Wutausbruch.

Wenn der Eidgenosse beispielsweise sagt, »Es ist zu spät, du brauchst dem Zug nicht hinterher zu springen«, dann meint er mit »springen« das in unserem Sprachgebrauch verwendete »rennen«. Wenn wir Bundesbürger »spazieren gehen«, dann »laufen« die Schweizer. Und wenn die Deutschen »laufen« oder sich »beeilen«, dann »rennen« Tells Erben. Und wenn wir »rennen«, dann – aber das wissen Sie ja nun. Hoffen wir, dass das Buch unser Finanzminister Wolfgang Schäuble ebenfalls liest! Aber langsam! Und jedes Wort einzeln. (eh)

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Über den Autor:

Engelbert Hörmannsdorfer,
Kolumnist

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