Es wird debattiert in Deutschland. Im Radio, im Bundestag, in der Europäischen Zentralbank (EZB), im Fernsehen. Maybritt Illner, Johannes B. Kerner und Co – es wird geredet, was das Zeug hält. Aber die Inhalte und die Möchtegernargumente sind an den Haaren herbeigezogen. Die Debattenkultur ist auf dem Nullpunkt, befindet Ulrich Stockheim, Autor des Buchs »Im Land der Empörer«.

Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird (Bild: riva Verlag)
Rumeiern, schönfärben, weichspülen – das ist seiner Meinung heute die Debattenkultur in Deutschland. Freilich natürlich auch beispielsweise in der EZB. Beispiel Euro-Krise. »Die Schulden steigen unaufhörlich weiter, weil ein Kompromiss immer schlechter und meistens teurer ist als die beste Lösung«, meint Stockheim. »Es liegt an der Debattenführung bzw. Nicht-Debattenführung, dass die Schulden steigen. Verschieben wir die Entscheidung weiter, weil wir die Empörung vermeiden wollen, kommen wir nie von unseren Schulden herunter.« Eine Milliarde mehr Schulden ist für eine Regierung bequemer zu ertragen, als sich die Finger an heißen Eisen zu verbrennen – sollen es doch die Nachfolger regeln.
Wohl war. Der allfällige Schritt wird nicht gemacht. Stattdessen kommen die Empörer in Deutschland seit Monaten aus dem Feiern nicht mehr heraus. Da sind zum einen die vielen Rücktritte – wahre Festtage. Erst Bischöfin Margot Käßmann, dann Bundespräsident Horst Köhler, schließlich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und jüngst FDP-Chef Guido Westerwelle.
Das im riva Verlag erschienene Buch ist hochaktuell. Der Fall Guttenberg wird sehr interessant aus der Kommunikations- und Debattenperspektive aufgedröselt. Denn immerhin: Die Empörer haben es geschafft, zu Guttenberg zu Fall zu bringen.
Das Buch ist kurzweilig geschrieben. Trotz des teilweise ernsten Themas macht es Spaß, es zu lesen. Stockheim ist Kommunikationsberater, er war viele Jahre lang als Finanzjournalist unterwegs. Er versteht sein Handwerk, mit Worten umzugehen. Es tut gut, endlich mal wieder Klartext in vernünftigem Deutsch zu lesen. Sehr empfehlenswert. (eh)
Engelbert Hörmannsdorfer,
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