„Das heiße Geld ist nun draußen aus dem russischen Markt“

Kategorie: Fundamentalanalyse / Research | Asien-News | Top-Artikel | Datum: 20.02.2009

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Glauben Sie, dass die Verantwortlichen weise und angemessen auf die aktuelle Krise reagiert haben?

Alles in allem: Ja. Man darf nicht vergessen, dass große Teile der russischen Bevölkerung immer noch von dem Chaos des Staatsbankrotts und der einhergehenden Rubelabwertung traumatisiert sind. Die Intervention der Nationalbank ermöglichte es großen Teilen der Bevölkerung, Sparguthaben in Dollar zu wechseln und erhielt so das Vertrauen in die Fähigkeit der Regierung, federte den Verlust des Konsumentenvertrauens ab und führte zu einen Vermögenstransfer von der Nationalbank zu Unternehmen und Konsumenten. Wir erwarten, dass sich dies 2009 positiv auf das Konsumverhalten auswirkt, ganz besonders im internationalen Vergleich.  
 
2008 war ein grausames Jahr für die russischen Finanzmärkte. Womit rechnen Sie in diesem Jahr?

Der russische Aktienmarkt handelt absolut und relativ auf  Mehrjahrestiefstständen, die Risikoprämien sind enorm und viele Negativszenarien sind eingepreist. Die Währung hat abgewertet und bringt der Wirtschaft Wettbewerbsvorteile, ganz besonders im Rohstoffbereich. Die Regierung verfügt über enorme Währungsreserven und wird diese zur Ankurbelung der Wirtschaft einsetzen. Das sind an und für sich hervorragende Vorraussetzungen für ein "re-rating" des russischen Aktienmarkts. Eine Beimischung russischer Aktien in ein Portfolio bietet sich auf jeden Fall an.
 
Ende Dezember hatten Energieaktien eine Gewichtung von mehr als 32 Prozent in Ihrem Fonds. War das verglichen mit dem Vergleichsmaßstab eine Unter- oder Übergewichtung? Und warum haben Sie die Gewichtung in einem Umfeld fallender Ölpreise nicht noch weiter zurückgefahren?

32 Prozent entspricht einer Untergewichtung. Wir haben unsere Energiegewichtung im Verlauf des 4. Quartals stark reduziert, wollen aber nicht abstreiten, dass wir die starken Abschläge im Energiebereich nicht komplett in diesem Ausmaß vorhergesehen haben. Doch was wichtiger ist: Russische Energieaktien verfügen über eine solide Finanzierungsstruktur und gehören zu den billigsten Aktien weltweit. Die Rubelabwertung bringt zusätzliche Wettbewerbsvorteile. Wir erhöhen derzeit den Energieanteil in unserem Portfolio.
 
Wie heißen Ihre Favoriten auf Ebene der Einzelwerte und Sektoren?

Wir geben keine Empfehlungen auf Einzelaktienebene ab.

Auf den ersten Blick scheinen viele Bewertungen sehr niedrig zu sein. Aber sind die Gewinnerwartungen nicht immer noch zu hoch? Und auch welchen Erwartungen basieren Ihre Gewinnprognosen?

Der Markt ist längst abgekoppelt von Konsensusschätzungen und hat, unserer Meinung nach, signifikante Gewinnrückgänge (bis 75 Prozent) eingepreist. Angesichts der Tatsache, dass russische Erdölunternehmen auch bei Ölpreisen unter 40 Dollar profitabel wirtschaften, gehen wir davon aus, dass der Mart steigt, obwohl die Gewinnschätzungen für 2009 von Analystenseite weiter zurückgenommen werden. Wir gehen für 2009 von einer "schwarzen Null" bei der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes aus.
 
Viele russische Firmen brauchen in diesem Jahr Kapital. Wird es ihnen trotz Kreditkrise möglich sein, dieses Geld aufzubringen? Und welche Unternehmen sind in dieser Hinsicht am stärksten gefährdet?

Nein, russische Firnen werden von staatlicher Seite unterstützt. Das gibt ihnen sogar einen großen Vorteil in Bezug auf Finanzierungsfragen 
 
Es gibt in Russland eine Tendenz zur Verstaatlichung von Unternehmen. Sehen Sie Russland gut beraten darin, dieser Strategie zu folgen?

Diese Tendenz ist global zu erkennen und wird in Russland nicht stärker zu Tage treten als anderswo auch. Die Einhaltung von marktwirtschaftlichen Spielregeln und eine Aufrechterhaltung der Privatwirtschaft könnte eine große positive Überraschung im Jahr 2009 werden. 
 
Der Rubel befindet sich im freien Fall. Rechen Sie mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung und was könnte den Abwärtstrend umkehren. Und betreiben Sie eine Währungsabsicherung?

Der Rubel ist jetzt unterbewertet. Der größte Teil der Sparguthaben und Unternehmenskonten wurde in Dollar konvertiert. Wir erwarten eine baldige Stabilisierung. Der Fonds betreibt keine Währungsabsicherung.

Quelle: Ostbörsen-Report

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Über den Autor:

Jochen Stanzl,
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