DJ XETRA-FRÜH/DAX kräftig hoch - Zustimmung in Athen entspannt
FRANKFURT (Dow Jones) - Mit kräftig steigenden Kursen dürfte der DAX am Montag starten. Das Votum des griechischen Parlaments für das Sparpaket macht den Weg nach oben frei. Die Abgeordneten in Athen haben das Sparpaket in der Nacht mit Mehrheit gebilligt, daraufhin ziehen Euro, die asiatischen Börsen und Rohstoffe wie Öl deutlich an. Der Euro steigt von 1,32 auf rund 1,3250 Dollar. "Mit der Stärke der asiatischen Börsen rechnen wir mit einer festen Eröffnung auch in Europa", sagt Stan Shamu, Marktstratege von IG Markets. Der XDAX gewinnt 0,9 Prozent auf 6.755 Punkte.
Besonders Finanztitel dürften von der Entspannung in der Griechenland-Krise profitieren. Die Zustimmung war Voraussetzung für die Freigabe der nächsten Tranche von Hilfsgeldern durch Internationalen Währungsfonds und EU-Kommission und damit wesentlich für eine Vermeidung des Staatsbankrotts.
Die Augen dürften sich nun auf den Mittwoch richten: Dann müssen die Finanzminister aus der Eurozone das zweite Sparpaket bewilligen. Dieses soll ein Volumen von 130 Milliarden Euro haben. Es mehren sich allerdings die Stimmen, die dieses für zu gering erachten. Daneben dürften auch die Verhandlungen zwischen den Gläubigerbanken und der griechischen Regierung wieder stärker in den Fokus rücken. Es scheint zwar grundsätzlich eine Einigung über einen Schuldenschnitt von 70% und Kuponzahlungen für die neuen Anleihen von 3,6 Prozent vorzuliegen.
Allerdings ist noch vollkommen unklar, wie hoch die Annahmequote der privaten Gläubiger ausfallen wird. Das hat direkte Auswirkungen auf die notwendige Größe des zweiten Hilfspakets für das Land. Der nächsten Regierung in Griechenland werde es "extrem schwer fallen, die Beschlüsse umzusetzen", sagt IG Markets.
Skeptische Stimmen warnen jedoch vor der faktischen Unmöglichkeit für die Griechen, ihre Sparversprechungen umzusetzen. Das Land befinde sich in einer Depression, zudem fehle der echte Wille zur Reform. Dies zeige sich an der Abstimmung im Parlament: Dort musste die Regierungskoalition 43 eigene Abgeordnete ausschließen. Dies entsprach fast einem Fünftel aller Abgeordneten. Der Vorsitzende der kleinen Splitterpartei LAOS hatte bereits am Freitag mit seiner Verweigerung einer Zustimmung für einen Kursrutsch gesorgt.
Zudem lastet die Anarchie in Athen auf dem Markt. "Es fällt schwer, mitgerissen zu werden, wenn im Hintergrund Athen brennt", sagt Mike Hollows von HiFX in Auckland. "Außerdem fehlt die Zusicherung, dass die Parteien auch nach der nächsten Parlamentswahl beim Ja zur Reform bleiben", sagt Heino Ruland von Ruland Research. "Die Erleichterung könnte sich schnell verflüchtigen", ergänzt er.
Technische Analysten sehen den DAX weiter in einem Aufwärtstrend. Unterstützung dafür biete der Bereich um 6.550 Punkte, auf Widerstand trifft er beim letzten Hoch bei 6.838 Punkten. "Im Zweifelsfall spricht es nach wie vor für den Trend", heißt es in den Mußler-Briefen zum Chartbild.
Im DAX dürften vor allem Hochstufungen für Kursbewegungen sorgen. So hat Jefferies das Kursziel von FMC auf 66 nach 57 Euro und für Fresenius auf 95 nach 84 Euro erhöht. Die britische Barclays hofft auf steigende Kurse der Lufthansa und setzt das Ziel nun auf 12 nach zuvor 10,50 Euro.
Im MDAX sollte ein wahrscheinlicher Mega-Auftrag der Rüstung Rheinmetall stützen. Das Handelsblatt schreibt, die Vereinigten Arabischen Emirate könnten bei Artec den Radpanzer "Boxer" für 1,5 Milliarden Euro bestellen. Sie erwögen den Kauf von 600 Fahrzeugen. "Der Boxer ist perfekt für die Wüste geeignet, der Auftrag sollte also kommen", so ein Branchenkenner. Hergestellt wird er von Artec, einem Joint Venture von Rheinmetall mit Wegmann. "Das zeigt, dass der Rüstungsbereich nach wie vor zum Wachstum beitragen kann", meint ein Marktteilnehmer. Mit den Sparzwängen in den Staatshaushalten sei der Bereich zuletzt eher negativ gesehen worden. Rheinmetall legen im Frankfurter Handel um 0,3 Prozent.
Zahlen gibt es aus der Bau-Industrie: Bilfinger Berger haben am Morgen mit gemischten Daten aufgewartet. Ein starker Dividendenvorschlag dürfte die Aktie aber stützen. Bilfinger will die Ausschüttung von 2,50 Euro im Vorjahr auf nun 3,40 Euro erhöhen. Schlecht sieht es dagegen für Hochtief aus: Eine Gewinnwarnung der australischen Tochter Leighton könnte laut Händlern den Kurs belasten. Leighton wird ihre Ziele statt zur Jahresmitte erst zum Jahresende erreichen. Der Kurs verliert in Sydney 4 Prozent. "Der Kursabschlag drückt auf den Wert der Beteiligung, das ist nicht gut für Hochtief", so ein Händler. Bilfinger steigen um 2 Prozent.
DJG/mod/ros
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