DAX/Wall Street Weekend Report: Parallelwelt Börse
Kategorie: US-Markt News | DAX - MDAX - TecDAX News | Marktberichte | Trackbox US | Wallstreet Closing Bericht Gerhard Maier | Top-Artikel | Datum: 26.06.2010
Wall Street: Verkehrte Welt
Verkehrte Welt: Die Menschen stehen Schlange vor den Apple-Stores, die Autokonzerne fahren Sonderschichten wegen des Booms bei Luxusfahrzeugen, viele Unternehmen übertreffen die Gewinnerwartungen, weil die Nachfrage schneller wächst als erwartet - die Aktien fallen.
In der Parallelwelt Börse wurden diese Woche die positiven Nachrichten einfach ignoriert, stattdessen wird auf einen herben konjunkturellen Rückschlag spekuliert. Anlass waren wieder die Probleme Griechenlands, obwohl das Ferienland nur eine Randregion ist, und die Sparpolitik vieler europäischer Staaten, die möglicherweise den Aufschwung auf dem „alten Kontinent“ bremsen könnte. Die Tatsache, dass der Boom in Asien & Lateinamerika ein Gegengewicht darstellt und die Gewinne vieler Multinationals wie Siemens, Apple oder Caterpillar aufpoliert, fiel dabei genauso unter den Tisch wie die Ausgabefreudigkeit der Verbraucher weltweit.
Der Montag startete mit leichten Gewinnen, die sich aber schnell wieder - wegen des sich hochschaukelnden Konjunkturpessimismus - verflüchtigten. Der während des Montagshandels einsetzende Kursrutsch beschleunigte sich in den nachfolgenden 3 Börsentagen. Lediglich am Freitag gab es eine zaghafte Stabilisierung.
Aber alles der Reihe nach:
In den frühen Montagsstunden bekam die in der vergangenen Woche gestartete Rally frischen Schub. Dafür sorgte wieder einmal China. Die Regierung der Volksrepublik kam dem Wunsch der USA nach und löste die bisher bestehende feste Bindung ihrer Währung Yuan an den US-Dollar. Der Yuan kann sich jetzt gegenüber dem Dollar auf- oder abwerten.
"Chinas Schritt zu mehr Währungs-Flexibilität wird als Vertrauensvotum in die weltwirtschaftliche Erholung und die Stabilität der internationalen Finanzmärkte aufgefasst, was wiederum dem Vertrauen in den Markt Aufschwung verleiht," erklärte Lena Komileva, Leiterin der Beratungsfirma G7 Market Economics, laut Wall Street Journal am Montag. „Die flexiblere Wechselkurspolitik dämpft außerdem die Furcht der Investoren vor einer Verschärfung der geldpolitischen Bremspolitik und stärkt daher die Nachfrage nach Aktien“, so Komileva.
Sippenhaft für Griechenland
Bereits am Montag Nachmittag war das schon wieder vergessen. Dann übernahm wieder das Thema Griechenland die Lufthochheit. Das Land muss am Kapitalmarkt wegen der massiven Gegenspekulationen (Anti-Griechenland-Wetten waren diese Woche wieder ein gutes Geschäft) wachsende Risikozuschläge und damit noch mehr Zinsen zahlen. Dafür wurden auch große Länder wie Deutschland & Frankreich in Sippenhaft genommen und damit der Euro.
Ein weiterer Vorwand für die Verkaufsstimmung kam vom Immobilienmarkt, vor allem eine Meldung vom Mittwoch: Die Zahl der US-Neubauverkäufe brach im vergangenen Monat - nach dem Auslaufen der Steuerkredite - überraschend stark um 32,7% auf 300.000 ein. Dies war der schlechteste Wert seit Beginn der Aufzeichnung dieses Datums.
Wenig hilfreich war auch die US-Notenbank. Die Fed ließ zwar am Mittwoch Abend ihren Leitzins wie erwartet unverändert, also bei Null. Die Geldpolitiker garnierten das Ganze aber mit skeptischen Äußerungen zur Konjunktur, gossen also ein bisschen Wasser auf die Mühlen der Konjunkturpessimisten. Die Schuldenprobleme Europas könnten auch das Wachstum der US-Wirtschaft möglicherweise beeinträchtigen, hieß es vorsichtig im Begleittext. Nichts neues also, aber von den Pessimisten gerne gehört.
Am Donnerstag fielen die Konjunkturdaten zwar wieder solider aus, wurden aber ignoriert. Die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen bewegten sich endlich wieder mal in die richtige Richtung, nämlich abwärts (minus 19.000 auf 457.000), die Auftragseingänge langlebiger Güter stiegen (ex-volatile Transportgüter) um 0,9%, das dritte mal in vier Monaten.
In einer Parallelwelt, die sich auf Griechenland fixiert, und Asien und den Boom bei Gadgets nicht zur Kenntnis nimmt, spielte das aber keine Rolle.
Erst am Freitag kam der Kursrutsch zum Stillstand. Dazu trug eine Mini-Rally bei den Bankwerten bei. Die Nachricht, dass sich der US-Kongress nach langem Tauziehen endlich auf eine Bankenreform geeinigt hatte, wurde anscheinend mit Erleichterung aufgenommen. „Wenigsten ist die Unsicherheit verringert“, erklärten Beobachter. Andere meinen, die Regulierung koste den Banken weniger (Eigenkapital, Beschneidung der Geschäftsfelder) als befürchtet. Gekauft wurden auch viele der in den Vortagen - wegen des Konsumpessimismus - ausgebombten Einzelhandelswerte.
Kühler Kopf bewahrt
Trotz des allgemeinen Katzenjammers behalten einige Volkswirte ihren kühlen Kopf. Laut Bloomberg verwiesen heute Ökonomen darauf, dass die amerikanischen Unternehmen & Verbraucherhaushalte in Q1 mehr verdienten als erwartet. Das stärke das wirtschaftliche Wachstum und signalisiere, dass die Erholung nachhaltig ist, hieß es.
Laut Bloomberg kletterten die Unternehmensgewinne in Q1 um 8%, die Einkommen der privaten Haushalte wuchsen um $12,2 Billionen, das sind $7,6 Billionen mehr als zuerst geschätzt.
„Die Zahlen implizierten, dass das tatsächliche Wachstum in Q1 höher war als in den heutigen BIP-Zahlen ausgewiesen wurde“, erklärte der Volkswirt Joe Carson, Director of Economic Research bei AllianceBernstein LP (Bloomberg).
„Steigende Unternehmensgewinne und Zuwächse bei den Einkommen der privaten Haushalte (Konsumenten) sollten die Ausgaben der Verbraucher und der Unternehmen anregen“, schrieb Peter Newland, ein Ökonom bei Barclays Capital Inc. in einer Notiz an seine Klienten (Bloomberg). „Das unterstützt unsere These, dass die Erholung an Fahrt gewinnt und das BIP-Wachstum im laufenden Quartal stärker ausfällt als im Vorquartal“, so Newland.
Der legendäre Fondsmanager Bill Miller vom Verwalter Leg Mason erklärte außerdem heute, die Bilanzen der Unternehmen sind in guter Verfassung, er sei deshalb „very bullish“. In rund 2 Wochen startet übrigens die Unternehmens-Berichtssaison für Q2. Ein Lackmustest für Bullen & Bären.
Im Vergleich zur Vorwoche verlor:
Dow Jones minus 2,9 Prozent
S&P 500 minus 3,7 Prozent
Nasdaq minus 3,7 Prozent
Eine große Kaufgelegenheit?
Der Verfasser dieser Zeilen verabschiedet sich jedenfalls in seine verdiente Sommerpause (dauert den ganzen Juli). Zuvor aber noch der gewohnte Überblick über wichtige Aktien & Events in Dow & Co:
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Bild: ©iStockphoto.com/Brasil2
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Gerhard Maier,
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