DAX/Wall Street Weekend Report: König für einen Tag

Kategorie: US-Markt News | DAX - MDAX - TecDAX News | Marktberichte | Trackbox US | Wallstreet Closing Bericht Gerhard Maier | Top-Artikel | Datum: 28.05.2010

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Wall Street: Gerüchteküche

New York (BoerseGo.de) - Die vergangene Woche brachte an der Wall Street quasi eine Wiederholung der Vorwoche (DAX/Wall Street Weekend Report: Jurassic Park? vom vergangenen Freitag), also Jurassic Park 2, wenn auch in milderer Form. Jedenfalls setzen sich die Spekulationsattacken gegen Aktien, europäische Staatsanleihen - und gegen den Euro - fort. Paul Kedrosky, Publizist des populären Blogs  „Infectious Greed“, vermutet schon seit Wochen einen Test-Prozess, bei dem der „Markt“, „Leerverkäufer?“, wer auch immer, die Schwächen der Weltmärkte unter Probe stellen.



Gewünschte Panik

Bereits im späten Montagshandel startete eine Verkaufsattacke, die sich zum Börsenstart am Dienstag fortsetzte, dann aber erfolglos abebbte. Die 2. Attacke erfolgte im Verlauf des Mittwochshandels. Interessierte Kreise hatten das Gerücht gestreut, China wolle sich von europäischen Anleihen trennen, was die gewünschte Panik hervorrief und prompt den Euro unter Druck setzte und damit auch die Aktienkurse. Die Urheber des Gerüchts sind natürlich - wie bei jedem Gerücht - nicht bekannt. Cui Bono? (Wem nützt es?) fragen allerdings die Lateiner.

Bekannt ist jedenfalls, dass zahlreiche Hedgefonds massiv gegen den Euro, gegen Staatsanleihen und gegen Aktien wetten. Das berichtete diese Woche der Daily Telegraph (London) und vergangene Woche Bloomberg.  Die Verwalter der agressiven Finanzriesen verfügen nicht nur über Milliardenbeträge, sondern auch über äußerst gute Beziehungen zu den Medien. Gezielte Gerüchte hatten bereits schon vor rund 2 Jahren eine Reihe von großen US-Banken (Lehman Brothers et al.) zu Fall gebracht und denjenigen massive Gewinne verschafft, die gegen sie gewettet hatten.

Am Donnerstag früh wurde das böse Gerücht aber prompt von der zuständigen chinesischen Behörde dementiert. Die Behauptung, man wolle aus Europa aussteigen, sei völlig „unbegründet“. Man wolle weiterhin an europäischen Anleihen festhalten und bleibe in Europa investiert, hieß es, berichtet das Wall Street Journal. „Europa ist und bleibt einer der großen Märkte, um Chinas Währungsreserven zu investieren“, verkündete Chinas State Administration of Foreign Exchange auf ihrer Website. Ärgerlich für die „Raptoren", um im Bild von Jurassic Park zu bleiben. Also musste ein neuer Vorwand her, um die Märkte unter Druck zu setzen.



Wer ist eigentlich Fitch?

Ob Zufall oder nicht, den lieferte am Freitag prompt die Ratingagenturen Fitch. Die Amerikaner senkten ihr Rating für Spanien von AAA auf AA+. Prompt übernahmen die Verkäufer wieder die Kontrolle und die Doom & Gloom Fraktion (Roubini et al.) hob wieder ihr Haupt, die das Ganze mit düsteren Prognosen unterstützt. Mit Erfolg, wie die Wall Street Barometer am späten Freitag-Nachmittag signalisierten.

Für das Ganze haben die Angelsachsen einen Spruch parat: A King for a Day, a Fool for a Life, also: ein König für einen Tag, ein Narr für das ganze Leben. Die Konjunktur erholt sich weltweit, das zeigt eine Fülle von Indikatoren. Der Aufschwung muss sich auch im Börsenverlauf widerspiegeln, trotz der aktuellen emotional bedingten Volatilität, wenn auch nicht jeden Tag. Die (befürchtete) Wachstumsschwäche in Europa (wegen den von der Staatsverschuldung erzwungenen Sparmaßnahmen), die jetzt als Grund für die Aktienmarkt-Korrektur genannt wird, wird vom Boom in China, Indien, Brasilien und zahlreichen anderen Emerging-Markets weitgehend ausgeglichen. Immerhin verdienen Volkswagen, Siemens, IBM, Coca Cola & Co. weltweit ihr Geld, nicht nur auf Kreta & Mallorca.

“Ich bin ein Optimist,” kontern daher besonnene Stimmen, wie etwa James Bevan, Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter CCLA Investment Management auf Bloomberg-TV, die aktuelle Stimmung. “Die ökonomischen Fundamentaldaten sind besser als viele vermuten. Das gilt vor allem für die Unternehmensgewinne, die viel besser ausfallen als viele erwartet hatten".

Diese Woche schlug etwa der Warenhausbetreiber Costco die Erwartungen und hob seinen Ausblick kräftig an. Die Verbraucher werden ausgabefreudiger und kaufen zunehmend auch Waren, die nicht lebensnotwendig sind, hieß es dort. Und der New Yorker Edeljuwelier Tiffany, dessen Q1-Zahlen & Ausblick ebenfalls die Wall Street Erwartungen um Längen schlugen, berichtete von einer weltweiten Rückkehr des Luxuskonsums. Doom & Gloom?



Neues Allzeithoch bis 2011?

James Altucher, Präsident des Fondsverwalters Formula Capital, rechnet deshalb damit, dass die positiven Konjunkturüberraschungen anhalten. Er „sieht“ derzeit einen sehr steilen Aufschwung, noch stärker als eine V-förmige Erholung. Der Stratege begründet seine These vor allem mit der Erholung des Arbeitsmarkts. Die Zahl der befristet beschäftigten Arbeitnehmer (ein Vorindikator) steige bereits seit sieben Monaten in Folge, so Altucher. Im April sprang die Zahl der US-Arbeitsplätze bereits um 290.000, der größte Sprung seit 4 Jahren (die Mai-Zahlen sind kommenden Freitag fällig). Außerdem gab es zuletzt kräftige Zuwächse bei den Eigenheimverkäufen und bei Pkws. Das führe zu Rekordgewinnen bei Unternehmen. „Der S&P 500 sollte bis Ende 2011 ein neues Allzeithoch erreichen“, wagt Altucher als Vorhersage.

„Der Markt ist sehr, sehr überverkauft“, erklärte am Mittwoch außerdem Barton Biggs. Der Manager des New Yorker Hedgefonds Traxis Partners LP und Ex-Morgan Stanley rechnet mit einer signifikanten Aufwärtsbewegung. Er wäre nicht überrascht, wenn dabei bald ein neues Erholungs-Hoch (seit Beginn der Rally im März 2009) erreicht würde.


In den vergangenen Tagen waren aber die Pessimisten „King“.

Im Vergleich zur Vorwoche entwickelten sich die großen Wall Street Barometer


Vergleich zur Vorwoche:

Dow Jones minus 0,6  Prozent
S&P 500 plus 0,2 Prozent
Nasdaq plus 1,3 Prozent

Veränderungen im Mai:

Dow Jones minus 7,9 Prozent
S&P 500 minus 8,2 Prozent
Nasdaq minus 8,3 Prozent


Dow Jones Average: Schnell verdrängt Seite (2/4)
Bild: ©iStockphoto.com/Alexander Hafemann

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