DAX/Wall Street Weekend Report: In Sippenhaft
Kategorie: US-Markt News | DAX - MDAX - TecDAX News | Marktberichte | Trackbox US | Wallstreet Closing Bericht Gerhard Maier | Top-Artikel | Datum: 04.06.2010
Wall Street: Ungarischer Trauermarsch
New York (BoerseGo.de) - In dieser Woche setzten sich die Spekulationswellen gegen Aktien & Euro fort. Die Attacken verstärkten sich am Freitag und lösten den fast schon gewohnten - und von interessierten Kreisen angestrebten - Kursrutsch aus, der die Wochenbilanz gründlich verdarb.
Für den heutigen herben Ausverkauf, der die Gewinne der Vortage wieder ausradierte, kann man auch mal wieder die menschliche Natur verantwortlich machen, die eben zur Panik neigt. Die Medien nannten dafür drei Vorwände:
1. Der Arbeitsmarktbericht vom Mai (die Zahl der Woche) fiel unter den Erwartungen aus. Statt wie erhofft 536.000 US-Arbeitsplätzen (Konsens nach Bloomberg), wurden nur 431.000 geschaffen. Die einzelnen Prognosen bewegten sich allerdings in einer Spannweite von 220.000 bis 750.000 Jobs. Das Gros der Arbeitsplatzgewinne beruhte außerdem auf vorübergehenden Einstellungen des Staates, der gerade für eine Einwohnererfassung (Census) Leute benötigt. Der private Sektor schuf lediglich anämische 41.000 frische Jobs.
2. Die Regierung von Ungarn bemühte sich heute mit Erfolg, die Kreditkosten ihres Landes hoch zu reden. Ungarische Regierungsvertreter gaben heute jedenfalls sehr skeptische Äußerungen zur Finanzlage ihres Landes ab. Das löste prompt - wie in solchen Fällen der Brauch - eine Kapitalflucht aus dem osteuropäischen Staat aus. Bravo!
Die Flucht aus Ungarn brachten nicht nur die ungarische Währung Forint unter Druck, sondern auch den Euro. Ungarn ist zwar nicht Teil der Eurozone, aber egal, aus der Sicht der Wall Street wird derzeit alles in Sippenhaft genommen was europäisch ist.
Die Nachrichten aus Budapest setzen heute die Wall Street Futures bereits schon vor 14:00 Uhr MEZ unter Druck, also vor den US-Jobdaten, die anscheinend lediglich die negative Stimmung verstärkten.
3. Außerdem wurde von interessierten Kreisen das Gerücht in den Umlauf gebracht, dass die Societe Generale angeblich herbe Verluste im Geschäft mit Derivaten erlitt. Das brachte nicht nur den Aktienkurs der 2.-größten Geschäftsbank Frankreichs unter Druck, sondern auch die restlichen Bank-Titel der Welt.
Kühlen Kopf bewahrt
Trotz der fast schon gewohnten Verkaufspanik behielten einige Strategen einen kühlen Kopf. Dazu zählt Stu Schweitzer. Der Stratege bei der J.P. Morgan Private Bank erklärte gegenüber MarketWatch es gäbe in den USA genügend ökonomische Maßstäbe, die in die richtige Richtung zeigen. Diese Woche fielen Konjunkturbarometer wie der Einkaufsmanagerindex Industrie, die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen und die Bauausgaben alle besser aus als erwartet. "Trotz dem enttäuschenden Jobs-Report von heute bleibt es klar, dass sich die Erholung fortsetzt", folgerte der Stratege.
Auch andere lassen sich ihren Blick nicht vernebeln. „Die Wall Street steht auf dem Sprung und vor dem Beginn eines neuen Rally-Schubs“, verkündete diese Woche Laurence D. Fink, der Chef von BlackRock laut Bloomberg. Damit schließe sich der CEO des weltweit größten Vermögensverwalters ähnlichen Aussagen von Warren Buffett und Barton Biggs an, die alle US-Aktien als „guten Kauf“ bewerten, berichtet die Agentur.
„Wir sind reif um als Land zu rocken (ready to really rock and roll)“, erklärte Fink während eines Meeting des Oregon Investment Council, eines der großen US-Pensionsfonds, der auch in BlackRock-Fonds investiert ist. „Ich denke wir sind einfach zu pessimistisch für unser Land“, fügte der Fondsverwalter hinzu.
Heute klang allerdings der ungarische Trauermarsch. Im Vergleich zur Vorwoche entwickelten sich die großen Wall Street Barometer:
Dow Jones minus 2 Prozent
S&P 500 minus 2,3 Prozent
Nasdaq minus 1,7 Prozent
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Dow Jones Average: Vergebliche Strategie
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