DAX/Wall Street Weekend Report: Doch ein Sommermärchen
Kategorie: US-Markt News | DAX - MDAX - TecDAX News | Marktberichte | Trackbox US | Wallstreet Closing Bericht Gerhard Maier | Top-Artikel | Datum: 19.06.2010
Der DAX gewann 2,8% und setzte damit seine Outperformance gegen die Wall Street fort. Der Grund: Deutsche Multinationals (Siemens, VW, MAN et al.) profitieren von der Euro-Schwäche (die diese Woche ein bisschen abklang), die einen erheblichen Wettbewerbsvorteil auf den Weltmärkten verschafft. Gewissermassen ein Schuss in den Arm.
Außerdem surfen die global sehr gut aufgestellten Konzerne auf dem Boom Asiens und Lateinamerikas. Die Weltkonzerne, die nur begrenzt von europaspezifischen Problemen (Verschuldung Griechenlands und anderer Randregionen) betroffen sind, ziehen den DAX daher in die Höhe.
Wall Street: Hunger nach Gadgets & Aktien
Auf den Straßen bilden sich lange Schlangen. Nein, nicht vor den Armenküchen, sondern vor den Apple-Shops. Allgemein herrscht Hunger, - ja, -nach Gadgets! Alle 3 Sekunden wird ein iPad verkauft, kostet nur $400. Außerdem ist das neue iPhone 4 im Vorverkauf deutlich überzeichnet.
Vielleicht erklärt der „neue Goldrausch“, der sich derzeit bei Apple abspielt, die Aufwärtsentwicklung der weltweiten Börsen, zumindest als Teilerklärung. Der Apple-Boom beweist, dass „die Leute“ Geld haben und es auch ausgeben, wenn das Angebot passt, eine notwendige Voraussetzung für einen weltweiten Konjunkturaufschwung und damit nachhaltige Rally am Aktienmarkt.
Apple kletterte heute jedenfalls auf ein neues Allzeithoch und erreichte eine Marktkapitalisierung von einer Viertel Billion Dollar. Dabei wird der Konsumelektronik-Gigant nur noch von dem BP-Branchenkollegen Exxon Mobil übertrofffen. Apple steht für die Technologie und modernen Konsum, ein Zugpferd der Weltwirtschaft.
Aber die Apple-Story ist nur ein Teil. Der andere Teil der Geschichte ist der Boom, der sich nicht nur bei den BRICs (Brasilien, Russland, Indien, China) abspielt, sondern vielen anderen Emerging Markets, wie etwa Korea, Indonesien, Chile. Thailand meldete beispielsweise heute, dass die Exporte im Mai um 42% gegenüber dem Vorjahr explodierten, der stärkste Anstieg seit knapp 2 Jahren, trotz bürgerkriegähnlichen Unruhen im Ballungszentrum Bangkok. Dazu passt auch, dass der US-Baumaschinengigant Caterpillar heute ein kräftiges Auftragswachstum verkündete. In Asien! war die Nachfrage nach den schweren Geräten um 38% gegenüber Vorjahr gesprungen.
Aber alles der Reihe nach:
Aufschwung in New York
Die Woche begann mit einem Fehlstart, der fast schon gewohnte späte Ausverkauf drückte die Barometer am Montag unter die Wasserlinie. Der „Dank“ gebührt der Ratingagentur Moody´s, die ihre Bewertung von Griechenland-Anleihen auf Junk-Niveau degradierte.
Der Dienstag brachte die Wende, jedenfalls für den Wochenverlauf. Der Schub - das „Australienspiel der Wall Street“ - kam aus der Glitzermetropole New York: Der dort ermittelt New York Empire State Survey, ein aktuelles Barometer der Industrieentwicklung im Ballungsgebiet, zog deutlich an und signalisierte eine weitere Beschleunigung.
Die am Mittwoch & Donnerstag folgenden US-Daten, die wieder mal recht durchwachsenen ausfielen, konnten das positive Gesamtbild (Big Picture) nicht trüben und dem Aufschwung der Wall Street wenig anhaben:
Der Arbeitsmarkt „machte den Podolski“ und patzte: Die Zahl der wöchentlichen neuen Arbeitslosenmeldungen stieg um 12.000 auf 472.000. Eigentlich wäre nach den Prognosen ein Rückgang fällig gewesen, dem Konsum zuliebe.
Der Index der Philadelphia Fed, ebenfalls ein Industriebarometer aus einem Ballungsgebiet und damit ein Pendant zum New York Empire State Survey, „machte den Klose“ und fiel überraschend deutlich zurück (blieb allerdings noch im Wachstumsbereich, wenn auch knapp). Die Zahl der Baubeginne und Baugenehmigungen ging - wegen dem Ende der staatlichen Förderung - empfindlich zurück.
Beruhigender wirkte dagegen der Index der Frühindikatoren, der um 0,4% avancierte und damit solides Wachstum indiziert. Die Industrieproduktion, die aktuelle Wachstumsmaschine der USA, kletterte sogar stärker als erwartet, nämlich um 1,2%.
Optimale Mischung?
Die kursantreibenden Nachrichten kommen aber weiterhin aus den Emerging Markets. Korea hob seine Wachstumsprognose für diese Jahr an, Thailand steigerte die Exporte um 42%, in Russland beschleunigte der Konsum. Das passt gut zu den Wachstumsmeldungen, die in der Vorwoche aus China & Indien kamen.
Fazit: Der Boom der Emerging Marktes, also Asien & Lateinamerika, gemeinsam mit einer schleppenden Erholung der USA halten den Wachstumsmotor der Weltwirtschaft in Gang, sorgen für steigende Unternehmensgewinne & Aktienkurse.
Würden die USA genauso boomen wie Asien, hätten wir scharf anziehende Zinsen & Rohstoffpreise, eher ein Grund für fallende Aktienkurse. Die aktuelle Mischung scheint optimal zu sein (nicht zu heiß, nicht zu kalt), die Amerikaner nennen das „Goldilocks“.
Konsequenz: Der von Morgan Stanley ermittelte Weltindex (MSCI World Index) der Aktien kletterte am Freitag den 9 Handelstag in Folge, die längste Rally in 11 Monaten, berichtet Bloomberg.
Befürchtungen bislang widerlegt
„Die Befürchtungen über negative Auswirkungen einer angeblichen wirtschaftlichen Verlangsamung in Europa & China zeigten sich nicht in den Reports der Unternehmen, die in dieser Woche und der Vorwoche berichteten,“ erklärte James Thorne, Cchief Investment Officer für den Bereich Aktien bei dem Fodnsverwalter MTB Investment Advisor (Bloomberg).
“Die Kursgewinne sind sehr beruhigend”, kommentierte heute David Kelly, Chief Market Strategist bei JPMorgan Funds laut Bloomberg. “Die Gewinne zeigen, dass wir immer noch in einem Bullenmarkt sind. Die Investoren nehmen zur Kenntnis, dass die Maßnahmen, die von den europäischen Regierungen und dem IMF ergriffen wurden, um die Schuldenfragen in den Griff zu bekommen, ausreichen, den Job zu machen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die globale wirtschaftliche Erholung in der Lage ist, die Krise Europas zu überstehen“, so Kelly.
„Den Bären geht das Benzin aus“, formulierte Don Hays, der für die Hays Advisory Group Fonds im Volumen von über $1 Mrd. managed (Bloomberg) bereits am vergangenen Wochenend. Zum Wochenanfang bezeichnete auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Skepsis der Investoren, die die Märkte in den vergangenen Wochen belastet hatte, als überzogen und einseitig (Financial Times Deutschland).
Fokus auf die Bewertungen
„Die Aktienmärkte hatten auf die negativen Nachrichten überreagiert“, schrieben außerdem die Strategen des Brokers Nomura an ihre Klienten (MarketWatch). „Die kommende Unternehmens-Berichtssaison (Juli) sollte als Katalysator wirken und den Fokus wieder auf die günstigen Bewertungen richten. Die Aktien sollten sich daher wieder erholen“.
Der Verlauf dieser Woche gab jedenfalls den bereits im Wochenbericht vom vergangenen Freitag zitierten Strategen Recht. “Der Markt bietet eine reale Kaufgelegenheit,” verkündete etwa Gunnar Miller, Global Co-Head of Research bei Allianz Global Investors RCM, laut Bloomberg. Recht bekam auch Laurence D. Fink. Der Chef des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock erklärte bereits vor 2 Wochen: „We are ready to really rock and roll. Die Wall Street steht auf dem Sprung und vor dem Beginn eines neuen Rally-Schubs“.
Also doch ein Sommermärchen.
Im Vergleich zur Vorwoche stiegen die großen Wall Street Barometer:
Dow Jones plus 2,3 Prozent
S&P 500 plus 2,4 Prozent
Nasdaq plus 3 Prozent
|
Vorherige Seite
|
Dow Jones Average: Schweres Gerät für Asien
Seite (1/4)
|
Bild: ©iStockphoto.com
Diskussion zu diesem Artikel:
NEUE Umfrage
Laut Hedge-Fonds-Legende George Soros geht die in der Schuldenkrise von der EU verordnete Sparpolitik genau in die falsche Richtung. Führt Angela Merkel die Eurozone in eine Depression?
Gerhard Maier,
Sie müssen sich erst anmelden, um Kommentare abgeben zu können. Login
Kommentare (0)
Einen Kommentar abgeben: