Crash-Experten Faber und Prechter: Dow Jones von 1000 Punkten möglich
Kategorie: US-Markt News | Investmentstrategen / Technische Analysten | Trackbox US | Top-Artikel | Datum: 30.07. 17:59
New York (BoerseGo.de) - Der bekannte Investor und Börsenguru Marc Faber hat im Rahmen der August-Ausgabe seines “The Gloom, Boom & Doom Report” die Frage aufgeworfen, ob das vom Finanzanalysten Robert Prechter anhand der Elliot-Wellen-Theorie und wirtschaftlicher Gesichtspunkte in Erwägung gezogene Kursziel für den Dow Jones von 1000 Punkten als realistisch einzuschätzen ist. Der unter anderem als Autor von 13 Büchern über den Finanzsektor in Erscheinung getretene Prechter geht davon aus, dass der Aktienmarkt bezogen auf Gewinne und Dividenden als historisch überbewertet einzustufen ist. Hiefür spreche ein vorangegangener großer Stimmungsanstieg innerhalb der Gesellschaft. Im Jahr 2000 habe aber der Stimmungstrend eine Umkehr zum Negativen vollzogen. Diese Wende bilde den Nährboden für eine konjunkturelle Schrumpfung. Kleine Bärenmärkte im Aktienbereich hätten bislang zu Rezessionen geführt, während große Bärenmärkte in Depressionen mündeten. Der aktuelle Bärenmarkt gehe vermutlich mit der größten langfristigen Abwärtsbewegung seit fast 300 Jahren einher. Die im Jahr 2000 in den negativen Bereich gefallene Stimmung beschleunige sich nach unten und werde zu Kreditverringerungen und einer Pleitenwelle führen. Als Ergebnis sieht er eine rasende Deflation. Der Betrag an ausstehenden Krediten sei derart riesig, dass durch Zahlungsausfälle das Dollar dominierte Kreditvolumen eine Wertminderung von 80 bis 90 Prozent erhalten könnte. In einem solchen Umfeld dürfte die Werthaltigkeit der überlebenden Dollars und Dollar-Kredite nach oben zeigen, während der zum Dollar gerechnete Dow Jones einen Fall erlebt.
Die Antwort von Marc Faber auf die düsteren Prognosen Prechters liest sich folgendermaßen: Prechter liege richtig bei dessen Glauben, dass eine Manie auf ihr Ende entgegensteuert. Es gebe die Tendenz, dass Vermögenspreise auf ihre Niveaus zurückfallen, von wo die Übertriebenheit ihren Anfang genommen hat. Daher wäre für den Dow Jones ein Rückfall auf 1000 Punkte nicht auszuschließen. Faber sympathisiert ebenso mit Prechters Sichtweise, dass es nur einen Tag bedarf, um zu einem völligen Kreditkollaps zu gelangen. Faber unterscheidet sich gegenüber Prechter im Wesentlichen in der Vorhersage des Zeitablaufs der Geschehnisse. So geht der gebürtige Schweizer im Falle eines 20 Prozent-Einbruchs des Dow Jones an den Einsatz von massiven geldpolitischen Stimulierungen bzw. stimulierenden Paketen aus. Dies müsse nicht nur in den USA geschehen, sondern könne weltweit vonstatten gehen. Derartige Maßnahmen dürften zwar den konjunkturellen Aktivitäten in den USA keinen Auftrieb verleihen, könnten aber die Vermögenspreise unterstützen. Faber sieht sein größtes Problem mit Prechters Theorien in dessen Ansicht über ein Überleben des Dollars und von Dollar-Krediten. Es stelle sich bei einem Dow Jones von unter 1000 Punkten die Frage welche Art von Dollars und im besonderen welche Art von Dollar-Krediten noch am Leben sind. In diesem Fall sei von der sicheren Annahme auszugehen, dass sämtliche weltweite Banken und fast alle Regierungen als zahlungsunfähig einzustufen sind. “Ich möchte meinen Lesern die Auswirkungen eines möglichen Dow Jones von unter 1000 Punkten oder auch nur unter 5000 Punkten sehr sorgsam übermitteln”. Er habe weiters Zweifel daran, dass irgend jemand in Wirklichkeit nicht daran glaubt, dass die Notenpressen der Zentralbanken nicht weniger als 24 Stunden am Tag in Betrieb sind. “Ich bin mir jedenfalls in dieser Sache sicher”.
Bei der Behandlung der Thematik welche Vorgehensweise für einen Einzelnen im Falle eines Dow Jones-Absturzes auf 1000 Punkte ratsam ist stellt Faber die Vermutung auf, dass bei einem derartigen Horror-Szenario der Kauf eines Ackerlands zur eigenen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung von großen Vorteil ist. Es wäre zum eigenen Schutz weiters ratsam ein solches Grundstück mit einem elektrisch geladenen Zaun mit hoher Spannungszahl zu umschließen und dazu noch einen Stacheldraht aufzustellen sowie Falltüren anzubringen. Darüber hinaus sei in diesem Fall der Besitz eines Waffenarsenals und scharfer Hunde zu empfehlen.
Marc Faber gilt im allgemeinen als Crash-Prophet und ist Herausgeber des Gloom Boom & Doom-Reports. Er sprach im Vorjahr nach dem 12-Jahrestief des S&P 500-Index vom 9. März 2009 eine richtige Kaufempfehlung für Aktien aus. Im Juli 2007 sagte der gebürtige Schweizer laut Wikipedia Konjunkturschwierigkeiten in den USA für das zweite Halbjahr 2007 und Zinssenkungen der US-Notenbank voraus. Ebenso prophezeite er richtig die Japan-Baisse, den Börsencrash von 1987, die Asienkrise und das Platzen der Technologieblase im Jahr 2000. Er gründete im Jahr 1990 die Investmentgesellschaft Marc Faber Ltd. mit Sitz in Hongkong.
Robert Prechter ist Betreiber eines Marktforschungsinstituts. Er stützt sich bei seinen Vorhersagen auf das in den 30er-Jahren von Ralph Nelson Eliott entwickelte Wellenmodell. Dabei kommt es zur Auswertung von psychologischen Verhaltensmustern der Anleger, wodurch sowohl kurzfristige als auch langfristige Prognosen zur Erstellung gebracht werden. Prechter weist mit seinen bisherigen Prognosen eine beachtliche Erfolgsquote auf. Seine Vorhersagen haben sich in den überwiegenden Fällen bewahrheitet. So sagte er etwa Ende der 70er-Jahre einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung voraus. Selbst im Krisenjahr 2008 gelang ihm die Zusammenstellung eines positiven Portfolios.
Diskussion zu diesem Artikel:
NEUE Umfrage
Seit wie vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit Zertifikaten?
Christoph Huber,
Sie müssen sich erst anmelden, um Kommentare abgeben zu können. Login
Kommentare (1)
Einen Kommentar abgeben:
Partner Invest schrieb am 02.08.10 um 18:31 Uhr:
Dieses ist das Szenario, dass meiner Meinung nach eintretten wird.
Die einzige Chance, heil aus diesem Dilema zu kommen ist der japanische Weg. Niedrigste Zinsen um die Wirtschaft am leben zu erhalten. Zulassen einer leichten Inflation. (Hat Japan bis heute noch nicht so richtig geschafft. Obwohl sie seit 1995 einen Zinssatz unter 1% haben und trotzdem schaffen Sie fast keine Inflation. Wobei man berücksichtigen muß, dass Japan seit Jahren die verschuldeste Industrienation der Welt ist.) Da durch steigen die Steuereinnahmen für den Staat und halten die Zinsbelastung für die überufernden Staatsschulden gering. Dieses wird ein langfristiger Weg. Ich behaupte sogar, hätten wir die Emerging Markets nicht und wären wir nicht gezwungen einen Ausweg für das Klima und den Rückgang des Erdöl zu sorgen wurde das obige Szenario unweigerlich eintretten.
Da es Jahre dauern wird, bis dies gelingt, werden alle die Gelder in Sparbüchern, Anleihen investieren, Geld verlieren. Ein Investment in Strategien, die zur richtigen Zeit in die richtigen Sachwerte investieren und Shortpositionen einnehmen können weren die Gewinner sein.
Wobei der obige Artikel, nicht ganz ausser acht gelassen werden darf, denn es ist so viel unkontroliertes Geld unterwegs, dass leider alles möglich ist, wobei ich diese mit einer Wahrscheinlichkeit unter 80% einstuffen würde.